Kommentar: Warum 2025 gar kein so schlimmes Kryptojahr war

Mitte der 1970er-Jahre hatte Gary Dahl eine Geschäftsidee, die man wahlweise als ziemlich brillant oder ziemlich wahnsinnig bezeichnen kann. Dahl brachte damals Pet Rocks auf den amerikanischen Spielzeugmarkt, simple Kieselsteine, die Kinder als Haustiere halten sollten. Dahl steckte seine Pet Rocks in Verpackungen, die wie Tiertransportboxen aussahen, packte einen Erziehungsleitfaden für die Steine dazu und fertig war das neue Trendspielzeug, das 1975 einen ebenso intensiven wie kurzen Hype erlebte.
Was diese Geschichte mit dem Markt für Kryptowährungen zu tun hat? Für Jamie Dimon, den Chef der größten US-Bank JP Morgan waren Bitcoin und Co. lange Zeit Pet Rocks, teuer, nutzlos, ohne jeden wirklichen Wert.
Doch die gute Nachricht für alle Kryptofans lautet: 2025 ist das Jahr, in dem Dimon bekehrt wurde. „Krypto ist real, die Blockchain ist real, Stablecoins sind real, wir werden sie alle nutzen“, sagte der JP-Morgan-Chef im Oktober auf einer Investorenkonferenz.
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Kurz danach kam die Nachricht, dass JP Morgan Bitcoin und die zweitgrößte Kryptowährung Ether als Sicherheit für Kredite akzeptieren würde. Anfang Dezember startete der Wall-Street-Riese seinen ersten Geldmarktfonds, der auf Kryptotechnik basiert, und Mitte des Monats meldeten mehrere US-Medien, dass JP Morgan Großkunden den Handel mit Kryptowährungen erlauben wolle.
Diese Nachrichten sind wichtig, weil Dimon als einer der größten Kryptoskeptiker der Wall Street galt. Wenn er und seine Bank Bitcoin, Ether und Stablecoins, deren Wert eins zu eins an Währungen wie den Dollar gekoppelt ist, als völlig normalen Teil des Finanzgeschäfts akzeptieren, dann ist das ein großer Schritt nach vorn für die Kryptoszene.
Eigentlich hätte 2025 ohnehin das Jahr der Kryptowährungen werden müssen. Es waren hervorragende zwölf Monate für die meisten riskanteren Anlageklassen, und US-Präsident Donald Trump machte sein Versprechen wahr, den Kryptomarkt zu deregulieren. Doch die Euphorie verpuffte und nach einer wilden Rekordjagd, die den Bitcoin bis Oktober auf über 125.000 Dollar führte, brach der Preis auf aktuell rund 90.000 Dollar ein. Hunderte von Milliarden Dollar an Marktwert gingen verloren.
Aber selbst diese Verluste lassen sich als gute Nachricht interpretieren. Trotz des von der US-Regierung entfachten Hypes, hat sich am Ende eine Art Realismus am Markt durchgesetzt.
Der spekulative Überschwang ist aus den Kryptopreisen erst einmal verschwunden. Seit Mitte November hat sich der Wert von Bitcoin und Ether auf einer neuen, sehr viel vernünftigeren Basis stabilisiert. Von hier aus kann es weitergehen, und das sogar mit dem Segen von Jamie Dimon.