Märkte Insight: Sommerflaute an den Märkten – was Anleger wissen sollten
Der wichtigste Grundsatz in den Sommermonaten lautet: Die Kursstände vorher und nachher liegen trotz zwischenzeitlicher Schwankungen auf einem ähnlichen Niveau, erklärt Handelsblatt-Redakteur Jürgen Röder.
Foto: BloombergDüsseldorf. An den Aktienmärkten herrscht Sommerflaute. Das zeigt ein Blick auf das Handelsvolumen, das seit Anfang des Monats deutlich geringer ausfällt. Üblich sind im Schnitt 70 Millionen gehandelte Papiere am Tag, am Montag und Dienstag waren es dagegen jeweils nur 60 Millionen Stück sowie 53 Millionen Titel – und auch der Mittwoch lag bis zum Nachmittag unter dem Schnitt.
Die Zahlen sind ein Indiz dafür: Viele institutionelle Investoren haben Urlaub, ihre Bücher sind geschlossen. Sie dürften nur in Ausnahmefällen, also bei deutlich steigenden oder fallenden Notierungen aktiv werden. Am Mittwoch trieben die unerwartet niedrigen Inflationsdaten aus den USA die Börsen zwar nach oben. Der Dax beendete den Handel mit einem Plus von 1,5 Prozent bei 16.023 Punkten.
Doch eine Sommerflaute hat – wie eine Jahresendrally an den Aktienmärkten – ihre eigenen Gesetze. Der wichtigste Grundsatz in den Sommermonaten lautet: Die Kursstände vorher und nachher liegen trotz zwischenzeitlicher Schwankungen auf einem ähnlichen Niveau. Denn kehren die Anlageprofis nach dem Urlaub auf das Börsenparkett zurück, werden die Kurse, die mit einem niedrigen Handelsvolumen und ohne bedeutende Nachrichten zustande kamen, auf das Ursprungsniveau wieder „angepasst“.
Das war zumindest in den vergangenen sechs Jahren so. Die Notierungen Anfang Juli lagen rückblickend betrachtet in diesen Jahren auf einem ähnlichen Niveau wie Anfang September, spätestens Mitte September. Interessanterweise spielte es keine Rolle, ob diese Börsenjahre seit 2017 mit einem Plus oder Minus endeten.
Im vergangenen Jahr notierte der Dax Anfang Juli knapp unter der Marke von 13.000 Zählern und stieg anschließend Mitte August auf 13.947 Punkte. Danach bröckelten die Kurse ab. Bereits Ende August bis Anfang September notierte der Leitindex wieder knapp unter 13.000 Punkten, der Ausgangsmarke zwei Monate vorher. Damals war es ein attraktives Ausstiegsniveau, weil der Dax bis Ende September bis auf 11.864 Zählern abrutschte.
Was können Anlegerinnen und Anleger aus der Sommerflaute lernen?
Interessanterweise entwickelte sich die Sommerflaute sogar im Coronajahr 2020 genauso, in dem Börsenjahr mit dem schnellsten Crash aller Zeiten. Damals rutschte der Dax nach einer Erholung vom im Februar und März erfolgten Crash zum 18. September wieder auf 13.600 Punkte ab und damit auf das Niveau von Anfang Juli. Allerdings ging es danach bis zum Jahresende deutlich aufwärts.
Warum die Sommerflaute in den Jahren 2015 und 2016 anders verlief, ist leider nicht zu erklären. 2015 lag das Frankfurter Börsenbarometer bereits Mitte August auf einem ähnlichen Niveau wie Anfang Juli, rutschte danach aber ab. Und 2015 gab es bereits Anfang/Mitte Juli den Startschuss für eine ungebremste Rally bis zum Jahresende.
Was können Anlegerinnen und Anleger aus einer Sommerflaute lernen, wenn sie in diesem Jahr zum siebten Mal in Folge den gleichen Verlauf nehmen sollte? Sentimentexperte Stephan Heibel hat dazu den passenden Rat: „Vielleicht ist es am besten, die heißen Sommertemperaturen zu genießen und ein wenig defensiver, also mit einer höheren Cash-Position, abzuwarten, für welche Richtung sich die Aktienmärkte entscheiden.“
Der gleiche Rat gilt natürlich auch für die gegenteilige Entwicklung. Sollte der Dax in den Sommermonaten deutlich steigen, was tendenziell in dem aktuellen Börsenjahr aber eher nicht zu erwarten ist, sollten Anleger lieber Gewinne mitnehmen. Und Anfang/Mitte September, wenn die Kurse dann auf dem Juli-Niveau liegen sollten, über einen Wiedereinstieg nachdenken.