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AfD-GesprächDie große Weidel-Musk-Show war geradezu entlarvend

Die Frau, die sonst so gerne austeilt, wirkt plötzlich zahm, ergeben, fast demütig. Was die AfD ihren Konkurrenten so gern vorwirft, ist sie nun selbst.Moritz Koch 10.01.2025 - 16:20 Uhr
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Alice Weidel vor dem Gespräch mit US-Milliardär Musk: zahm, fast demütig. Foto: AFP

Die gute Nachricht zuerst: Die deutsche Demokratie wird dieses Gespräch überleben. Der groß angekündigte Livetalk zwischen AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel und dem US-Milliardär Elon Musk auf der Onlineplattform X war vor allem eines: gähnend langweilig, ein Austausch längst bekannter Positionen.

Musk tat sein Bestes, um Weidel als Stimme der Vernunft zu präsentieren. Und Weidel? War zahm, ergeben, fast demütig. „Ja!“, „genau!“, „so ist es!“, „Sie haben absolut recht!“ – so reagierte sie auf Musks Einlassungen zur Nuklearenergie, zum Nahen Osten und zur Zukunft der Menschheit im All. „Glauben Sie an Gott?“, fragte Weidel und fand Musks mäandernde Antwort so „wunderbar“, dass es ihr die Sprache zu verschlagen schien. Schönere Schlussworte könne es gar nicht geben, schwärmte sie.

Damit endete nach knapp einer Stunde und 20 Minuten das zähe Gespräch, das AfD-Gegner in Deutschland zur Gefahr für die politische Willensbildung erklärt und als Wahlbeeinflussung einer ausländischen Macht gebrandmarkt hatten. Weidel spielen diese schrillen Warnungen in die Karten. Sie nähren den Opfermythos, mit dem sie sich zur Dissidentin im Kampf gegen das angebliche Kartell der Altparteien stilisiert.

Doch die mediale Aufmerksamkeit, die Musk Weidel schenkt, hat einen Preis. Es wird für Weidel immer schwieriger, das sorgsam gepflegte Außenseiter-Image aufrechterhalten zu können. Sie ist die Kandidatin des neuen Mainstreams, der Darling der künftigen Machthaber in den USA. Was die AfD ihren Konkurrenten so gern vorwirft, ist sie nun selbst.

Weidel lässt sich von einem amerikanischen Großkapitalisten einspannen, der genau das betreibt, was Deutschlands Rechtspopulisten dem liberalen Mäzen George Soros vorwerfen. Aus der AfD-Fraktion hieß es in den vergangenen Jahren mit routinierter Entrüstung: „Aus dem Ausland gesteuerte und finanzierte“ Kräfte attackierten die bundesdeutsche Souveränität. Die Politik müsse aufhören, mit diesen „fragwürdigen Vertretern fremder Interessen zu kooperieren“, solle sich mit „schärferen Kontrollen“ oder „Organisationsverboten“ befassen. Na dann.

Trügerische Stimmungsbilder

Musk steht mit X mehr kommunikative Macht zur Verfügung, als Soros je hatte. Aber solange Musk auf ihrer Seite steht, hat die AfD damit kein Problem. So wie sie auch die Wahlkampfhilfen russischer Trollfabriken bereitwillig entgegennimmt. Man muss nicht vom „woken Gehirn-Virus“ (Elon Musk) infiziert sein, um darin Heuchelei zu sehen.

Ja, Weidel kann hochzufrieden mit dem bisherigen Verlauf des Wahlkampfs sein. In den Umfragen geht es aufwärts für die AfD, die Kanzlerpartei SPD hält sie auf Abstand, steht auf Platz zwei hinter der Union. Ein Ergebnis zwischen 20 und 25 Prozent ist möglich. Doch die Stimmungsbilder der Demoskopen sind flüchtig.

Die deutschen Wähler stellen härtere Fragen als der AfD-Fan Elon Musk. Wie lassen sich Arbeitsplätze in der Industrie langfristig sichern? Was tun gegen den Investitionsstau bei der Infrastruktur, die wirtschaftliche Bedrohung durch den Handelskrieger Trump und die Eroberungsgelüste des Kremls?

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Der AfD fällt dazu wenig ein. Die Wiedereinführung der D-Mark, Abschottung, der Austritt aus der Europäischen Union – die AfD-Agenda ist kein Wachstums-, sondern ein Wohlstandsvernichtungsprogramm.

Erstpublikation: 09.01.2025, 22:29 Uhr

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