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KommentarAnleger müssen mit drei Krisen gleichzeitig umgehen lernen

Corona, Krieg und Klimawandel bilden eine gefährliche Mischung. Und noch bildet der Markt nicht alle Risiken ab. Anleger sollten dennoch ruhig bleiben.Frank Wiebe 27.03.2022 - 17:45 Uhr Artikel anhören

Anleger brauchen starke Nerven.

Foto: dpa

Frankfurt. Die Welt erlebt drei Krisen gleichzeitig: Krieg, Corona und Klimawandel. Gemessen daran sind die Kapitalmärkte erstaunlich robust. Sie scheinen nach der Devise zu laufen: Wenn ich nichts Genaues weiß, macht mich auch nichts heiß. Zwar sind zuletzt Anleihen en masse verkauft worden, und Aktienkurse kommen immer wieder unter Druck. Aber selbst das sind eher Anzeichen einer Normalisierung.

Weil die Notenbanken sich von ihrer letztlich kriseninduzierten, ultralockeren Geldpolitik abwenden, steigen die Renditen, was den Anleihemarkt unter Druck setzt. Und die Aktien sind nur von Bewertungen heruntergekommen, die allein durch ultraniedrige Renditen zu rechtfertigen waren.

Investoren blicken so auf eine Art labiles Gleichgewicht. Sie müssen überlegen, welche Gewissheiten überhaupt noch übrig geblieben sind, und daraus ihre persönlichen Schlussfolgerungen ziehen.

Manche Trends, etwa die jahrelange Aktienrally, sind verpufft. Bei anderen, etwa steigenden Zinsen, ist unklar, wie viel die Märkte schon vorweggenommen haben. Man ahnt, dass die Periode der niedrigen Inflation und der niedrigen Zinsen, einst als „New Normal“ bezeichnet, dauerhaft einer neuen Normalität mit höheren Prozentsätzen weicht.

Hinzu kommt: Von den Krisen kann jederzeit eine umstürzende Veränderung der Rahmenbedingungen ausgehen. In dieser Gemengelage verlässliche Prognosen abzugeben ist fast unmöglich. Unter deutschen Ökonomen ist insbesondere zu der Frage, wie sich ein Stopp der Öl- und Gaslieferungen aus Russland auswirken würde, ein hässlicher Streit ausgebrochen.

Kein Szenario für ein Ende des Kriegs

Ökonomen debattieren erbittert darüber, ob die deutsche Wirtschaft ein Embargo verkraften könnte oder nicht. Die Vorwürfe zielen zum Teil auf angeblichen Lobbyismus, ökonomische Modelle werden angezweifelt oder mit dem Hinweis verteidigt, die Gegenseite habe sie nicht wirklich zur Kenntnis genommen oder nicht verstanden. Die Zunft schafft damit Verwirrung, obwohl ihre Aufgabe das Gegenteil wäre.

Welche Gewissheiten bleiben also? Vor allem eine: Wir müssen uns klarmachen, wie wenig wir wissen. Wegen der heutigen Komplexität sollten alle Prognosen nur als sehr grobe Hinweise verstanden werden.

Hinzu kommt: Selbst den Experten fällt zurzeit kein realistisches Szenario ein, wie der Krieg beendet werden könnte. Keine Seite ist bereit nachzugeben und keine absehbar in der Lage, den Krieg zu gewinnen. Diese Krise dauert daher vielleicht länger, als wir heute erahnen. 

Ein weiterer Punkt: Die realen Renditen, bei denen also die Inflation abgezogen ist, werden wahrscheinlich steigen. Denn die Notenbanken stehen unter enormem Druck, die hohe Inflation zu bekämpfen. Wenn sie die nominalen Zinsen erhöhen und gleichzeitig die Inflation zurückgeht, steigt der Realzins.

Außerdem verlangen Klimawandel und Aufrüstung Investitionen, das treibt den Zins der Realwirtschaft. Immerhin: Diese Investitionen werden auch Anlagechancen bieten.

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Anleger sollten jetzt aber vorsichtig sein. Und sich klarmachen: Die Absicherung mit Bonds kostet etwas – durch die Inflation und Kursverluste von Zinspapieren bei steigenden Renditen. Der Gewinn muss nach wir vor von Aktien kommen, und zwar von jenen Unternehmen, die auch in schwierigen Situationen Gewinn machen können. Rein spekulative Anlagen bergen dagegen hohes Rückschlagpotenzial.

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