Kommentar: Für grünen Stahl sind klare Kriterien notwendig
Für den Laien sind die verschiedenen Strategien, mit denen die Unternehmen ihre Emissionen senken wollen, bislang nur schwer zu überblicken.
Foto: dpaWenn ein Finanzprodukt als „grün“ bezeichnet wird, haben Anleger in der Regel guten Grund, noch einmal genauer hinzusehen: Unter welchen Kriterien kam die Bewertung eigentlich zustande? Und halten die Siegel, unter denen ein Produkt verkauft wird, auch wirklich, was sie versprechen?
Beim grünen Stahl ist das nicht anders. Denn die CO2-Bilanz des Werkstoffs lässt sich auf vielfältige Weise verbessern. So gelang es beispielsweise dem niedersächsischen Stahlkocher Salzgitter, die Emissionen bei der Herstellung von Autoblechen durch einen Wechsel des Produktionsverfahrens um zwei Drittel zu senken.
Um die Erfolge beim Klimaschutz gegenüber Kunden und Verbrauchern zu belegen, hat sich Salzgitter eine Zertifizierung vom Tüv-Süd besorgt. Das ist klug – und könnte ein erster Schritt dahin sein, klare Kriterien für grünen Stahl festzulegen, die es dem Verbraucher in Zukunft erleichtern können, eine informierte Kaufentscheidung zu treffen.
Denn für den Laien sind die verschiedenen Strategien, mit denen die Unternehmen ihre Emissionen senken wollen, nur schwer zu überblicken. Mancher Hersteller beispielsweise plant, die sogenannte Bilanzierungsmethode anzuwenden, bei der CO2-Einsparungen an bestimmten Stellen des Prozesses auf eine fiktive Menge Stahl umgerechnet werden können, die dann wiederum als „grün“ verkauft wird.
Für den Anfang mag das ein guter Weg sein, um die Nachfrage auszutesten und vergleichsweise kostengünstig einen Fuß in den Markt zu bekommen. Langfristig aber sind Industrie und Gesellschaft darauf angewiesen, dass die gesamte Stahlproduktion dekarbonisiert wird. Und nicht nur ein kleiner Teil, der dann zu einem höheren Preis als „grün“ verkauft wird – obwohl er aus derselben, zwar verbesserten, aber immer noch CO2-belasteten Produktion stammt.
Klimaneutralen Stahl gibt es nur mit Wasserstoff
Dabei gibt es derzeit nur einen Weg, mit dem sich wirklich klimaneutraler Stahl, vom Eisenerz bis zum Blech, produzieren lässt: durch den Umstieg von aus Kohle gewonnenem Koks auf Wasserstoff. Gleichzeitig ist das auch die teuerste und aufwendigste Herangehensweise.
Weshalb die Hersteller, die sie verfolgen, darauf setzen müssen, sich mit ihrem Produkt auch erkennbar abheben zu können. So lässt sich beispielsweise auch Wasserstoff danach klassifizieren, ob er wirklich grün, grau oder blau produziert wurde. Es wäre ratsam, ein ähnliches Farbensystem in der Stahlproduktion zu etablieren.