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Morning Briefing Daten-Razzia in China

06.07.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

der schlitzohrige Polizist Renault befiehlt in dem Filmklassiker „Casablanca“ mit empörter Stimme die Schließung von Rick‘s Café: „Ich bin schockiert, dass hier Glücksspiel betrieben wird.“ Im selben Moment überreicht ihm der Croupier einen Stapel Geldscheine: „Ihre Gewinne, Sir.“ An diese Szene erinnert, was derzeit in Chinas Tech-Branche geschieht. Die Regierung in Peking, die ihr Volk so konsequent elektronisch überwacht wie keine andere auf dem Planeten, startet Untersuchungen gegen den Fahrdienstleister Didi, den LKW-Vermieter Full Truck Alliance und die Jobbörse Boss Zhipin. Die Begründung wäre eines Monsieur Renault würdig: Verdacht auf Verstoß gegen Bestimmungen zur Datensicherheit.

Wie schon bei der Razzia in Rick‘s Café dürfte es sich in Wahrheit um eine Machtdemonstration handeln. Alle drei Unternehmen sind vor kurzem an die New Yorker Börse gegangen und dürfen nun keine neuen Kunden annehmen, solange die Untersuchungen laufen. Die Botschaft, die jedes Tech-Unternehmen in China verstehen soll: Datensammeln ist kein Problem, solange die Daten im Land bleiben und in letzter Instanz von der Kommunistischen Partei kontrolliert werden.

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Auch die zweite Nachricht des Tages erinnert an einen Hollywood-Film, allerdings an einen, der erst noch gedreht werden muss: Ein Hacker-Konglomerat nutzt das lange Wochenende rund um den amerikanischen Unabhängigkeitstag, um unbemerkt eine Schadsoftware beim US-Softwareunternehmen Kaseya einzuschleusen. Kaseya gibt das Programm über die eigene Software unbemerkt an seine Kunden weiter. Deren Daten werden dadurch verschlüsselt. Weltweit sollen über 1000 Unternehmen betroffen sein, mehrere auch in Deutschland.

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    Die Hackergruppe, die auf den James-Bond-tauglichen Namen REvil hört, erklärte im vergangenen Oktober, sie wolle mit solchen Aktionen insgesamt zwei Milliarden Dollar erbeuten. Im aktuellen Fall soll das rettende Entschlüsselungsprogramm angeblich 70 Millionen Dollar kosten. Und je nachdem, wie viele Hacker-Thriller man schon gesehen hat, mag man erleichtert aufatmen und denken: Zum Glück wollen sie nicht unsere Zivilisation zerstören, sondern einfach nur Geld.

    Am Abend verkündete der britische Premierminister Boris Johnson, dass er zum 19. Juli alle Corona-Maßnahmen beenden wolle. Obwohl die hochansteckende Delta-Variante auch in Großbritannien inzwischen 97 Prozent der Neuinfektionen ausmacht und die Fallzahlen wieder steigen, sollen Abstandsregeln und Maskenpflicht wegfallen, Nachtklubs dürfen wieder öffnen. Bei Veranstaltungen gibt es keine Platzbeschränkung mehr, für den Eintritt ist kein Impf- oder Testnachweis nötig. Johnson betonte am Montag in London aber, dass die verbindliche Entscheidung erst nach einer weiteren Überprüfung der Pandemie-Daten am kommenden Montag getroffen werde.

    Quelle: AP
    Die griechische Regierung fährt eine Doppelstrategie beim Impfen.
    (Foto: AP)

    Ist die Delta-Variante nun hochgefährlich, weil viel ansteckender als die bisherigen Virus-Varianten? Oder größtenteils harmlos, weil die gängigen Corona-Impfungen weiterhin gegen die Infektion oder zumindest gegen schwere Verläufe schützen?

    Während London lockert, zieht Griechenland die Zügel wieder an. Vor den Fähren von Piräus auf die Ägais-Inseln bildeten sich Menschentrauben, weil die Hafenpolizei penibel kontrollierte, ob die Reisenden geimpft oder negativ getestet sind. Wer sich in Griechenland impfen lässt, bekommt 150 Euro Guthaben auf sein Smartphone, berichtet unser Athen-Korrespondent Gerd Höhler. Sein Kollege André Ballin vermeldet aus Moskau: Die Stadtregierung lockt über 60-Jährige mit Warengutscheinen zum Impfen. Und ohne Impfnachweis gibt es in Moskauer Krankenhäusern keine medizinische Behandlung mehr. Das Ziel in den meisten Ländern Europas: möglichst schnell eine möglichst hohe Impfquote zu erreichen, um einer von der Delta-Variante ausgelösten vierten Welle zuvorzukommen. Stichwort: Herdenimmunität.

    Der beste Verbündete der Delta-Variante ist ohnehin der europäische Fußballverband UEFA: 60.000 Zuschauer sollen für die EM-Halbfinalspiele und das Finale im Londoner Wembley-Stadion zugelassen werden, zwei Drittel der Vollauslastung. Die Hoffnung, dass Boris Johnson diese Durchseuchungspartys mit sportlichem Rahmenprogramm doch noch stoppt, ist mit seinen Lockerungsankündigungen vom Montagabend deutlich gesunken.

    Vielleicht bewirkt ja diese Meldung aus Israel doch noch ein Umdenken: Dort hat die Wirksamkeit der Biontech/Pfizer-Impfung gegen das Coronavirus nach Angaben des Gesundheitsministeriums in den vergangenen Wochen deutlich nachgelassen. Parallel habe sich die aggressivere Delta-Variante im Land ausgebreitet, teilte das Ministerium am Montagabend mit.

    Seit dem 6. Juni sei die Wirksamkeit der Impfung bei der Verhinderung einer Infektion in Israel auf 64 Prozent gesunken. Allerdings wehre die Impfung demnach zu 93 Prozent schwere Verläufe und Krankenhausaufenthalte ab. Im Februar hatte das Gesundheitsministerium noch mitgeteilt, der Impfstoff von Biontech/Pfizer verhindere eine Corona-Infektion zu 95,8 Prozent und zu rund 99 Prozent Krankenhausaufenthalte, schwere Erkrankungen und Tod.

    Quelle: dpa
    Die SPD in Sachen will, dass auf Herrentoiletten Entsorgungsbehälter für Hygieneprodukte eingerichtet werden.

    Und dann ist da noch die SPD Sachsen, die auf ihrem Landesparteitag den Antrag angenommen hat, auf Herrentoiletten Entsorgungsbehälter für Hygieneprodukte einzurichten – für „menstruierende Männer und menstruierende nicht-binäre Personen“. Als mein Journalistenkollege Kai Kollenberg von der Leipziger Volkszeitung in sachlichem Ton darüber twitterte, entspann sich eine hitzige Debatte in den sozialen Medien, die etwa zwischen folgenden Polen verlief: „Keine Toleranz für Transfeindlichkeit!“ und „Was ist bloß aus der einstigen Volkspartei geworden?“ Beim faszinierten Scrollen habe ich viel über die aktuelle Debatten(un)kultur gelernt.

    Mein Gedanke zu diesem Thema: Wer als Partei allen verspricht, sich um alles zu kümmern, wird am Ende wenig halten. Man kann es also durchaus in Ordnung finden, auf Herrentoiletten Behälter für gebrauchte Tampons bereitzustellen, und zugleich als Partei klug entscheiden, dass es noch größere Ungerechtigkeiten gibt, um die man sich primär kümmern will. Die SPD Sachsen erzielte bei der jüngsten Landtagswahl übrigens einen Stimmenanteil von 7,7 Prozent.

    Ich wünsche Ihnen einen Tag, an dem Sie die richtigen Prioritäten setzen.

    Herzliche Grüße
    Ihr

    Christian Rickens
    Textchef Handelsblatt

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