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Morning Briefing Der amerikanische Wahl-Thriller

04.11.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

in den USA haben die letzten Wahllokale in den großen Bundesstaaten geschlossen. Nur Alaska wählt noch. Die Welt wartet gespannt auf ein eindeutiges Ergebnis nach einer Nacht mit verzögerten Zuweisungen der Wahlleute („Calls“). Dass es sehr eng werden würde, darauf deutete schon der Wahlbeginn in New Hampshire, im Nordosten des Landes. Im Dörfchen Dixville Notch hieß es 5:0 für Joe Biden, im nahen Millsfield dagegen siegte Trump mit 16:5.

Der 77-jährige Herausforderer scheiterte in Florida aufgrund schwacher Ergebnisse in Miami, für ihn eine jähe Enttäuschung. Es deutete sich aber auch in Ohio nicht an, dass die Demokraten „Swing-States“ von Trump zurückholen können. Und immer wieder fragten sich Experten: Was wird aus Pennsylvania? Da wird bis Mittwoch gezählt.

Quelle: dpa
Die Welt wartet gespannt auf ein eindeutiges Ergebnis in den US-Wahlen.

Anders als Hillary Clinton vor vier Jahren war der Autohändlersohn Biden zwar nicht der Anti-Held der demokratischen Stammklientel in Industriezonen. Der große Durchbruch zeichnete sich aber auch nicht ab. So deutete sich im demokratischen Lager früh Frust an, es doch nicht klar gegen Trump zu schaffen – den großen Polarisierer und „Sozialistenfresser“, der wie gehabt auf dem Land sein Publikum fand, aber auch überraschend bei Schwarzen und Latinos.

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    Das große Requiem für den Präsidenten fiel aus. Nichts wurde es mit der klaren Anti-Trump-Wahl. Wer Positives sucht, freut sich darüber, dass sich die USA – anders als im Wahlkampf – nicht als gespaltene Nation präsentierten. Man hält es mit der Weisheit des Nationaldichters Walt Whitman: „Der Veränderung die Tür schließen hieße, das Leben selber aussperren.“

    Sicher ist: Diese Wahl hat weltweit Folgen – für die Geopolitik, die Finanzmärkte, die Handelswelt und auch die deutsche Wirtschaft. In wenigen Stunden sprechen wir mit Expertinnen und Experten über diese Themen. Mit dabei Chefredakteur Sven Afhüppe, unsere Korrespondenten in den USA und China, Ökonom Michael Hüther und Evonik-Finanzchefin Ute Wolf. Wenn Sie bei dem Livestream Fragen stellen wollen, melden Sie sich hier an.

    Quelle: AP
    Bruce Springsteens neues Album zelebriert große Gefühle, verbindende Ideale und jene Gemeinsamkeit, die den USA gerade sehr fehlen.
    (Foto: AP)

    Wenn Amerika in einer Krise steckte, war Bruce Springsteen mit einem neuen Album stets nah. Kurz vor der US-Wahl hat der 71-jährige Rockmusiker mit seiner E-Street-Band wieder geliefert: „Letter To You“ – eine durch und durch nostalgische Nummer. Im typischen „The-Boss“-Sound – so verlässlich wie die wunderbare Fähre von Lower Manhattan nach Staten Island – wird hier ein Rückblick auf Springsteens erste Band genauso zelebriert wie ein Lob der großen Gefühle, der verbindenden Ideale und jener Gemeinsamkeit, die den USA gerade sehr fehlt.

    Logisch, dass Springsteens 20. Werk der Lesen-Hören-Sehen-Tipp des Tages in der Corona-Trübsal wird, zumal es folgende Passage gibt: „The criminal clown has stolen the throne / He steals what he can never own / May the truth ring out from every small-town bar.“

    Als Meister der Zielerreichung präsentiert sich Volkmar Denner im Handelsblatt-Gespräch. Mag alle Welt in diesen Tagen von den Risiken der Pandemie reden: Der Chef des weltgrößten Autozulieferers Bosch sieht „la vie en rose“, alles in schöne Farbe getaucht. Im dritten Quartal lieg der Umsatz währungsbereinigt um fünf Prozent über dem Vorjahr – die Baisse im Automarkt gleichen Elektrowerkzeuge und Haushaltsgeräte aus. Bosch-Manager Denner sagt…

    • über die Rendite im Corona-Jahr:
      „Die Bosch-Gruppe wird Gewinn machen, wenn das Geschäft sich weiter so entwickelt und es keinen Lockdown der Industrie gibt.“
    • über den Abbau von tausenden Stellen:
      „Wir werden dennoch die Personalkosten senken müssen, vor allem im defizitären Mobilitätsbereich.“
    • über die eigenen Klimaziele:
      „Wir sind bereits seit Februar CO2-neutral, haben es aber noch nicht kommuniziert. Wir mussten beim Ausgleich der Emissionen nicht wie geplant für 46 Prozent des CO2-Ausstoßes auf Kompensationsleistungen zurückgreifen, sondern durch den höheren Einsatz von Grünstrom nur für 27 Prozent.“
    • über kreative Lösungen:
      „Wir machen etwas, das jedem Lehrbuch widerspricht. Wir fertigen die Brennstoffzellenkomponenten an unseren bisherigen Dieselstandorten.“

    Der Chef hält sich alles in allem streng an die hauseigene Werbe-Linie: „Work#LikeABosch“

    Umweltschützer werden sich freuen, Wirtschaftsexperten werden sich ärgern: Dem deutschen Staat fehlt viel Geld für den weiteren Autobahnausbau. Das liegt an der 2018 gegründeten Autobahn GmbH, für die gut 30 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt fließen müssten – eingeplant sind aber nur 24,4 Milliarden. Die Unterdeckung ergibt sich aus der Lektüre von Plänen, die meine Kollegen einsehen konnten. Für 85 neue Projekte, die innerhalb von fünf Jahren zu beginnen sind, stehen nur 700 Millionen zur Verfügung. Gut möglich, dass Geld nicht in Verkehrsprojekte, sondern in die öffentliche Verwaltung fließt.

    Im Büro von Isabel Schnabel bei der Europäischen Zentralbank (EZB) steht eine große Europa-Fahne. Die 49-jährige Direktorin aus Deutschland ist bereit, alles für die Erholung des Euro-Raumes zu tun. So sagt sie im Handelsblatt-Interview, dass eine weitere Senkung der ohnehin extrem niedrigen Zinsen möglich wäre, „ohne an den Punkt zu gelangen, an dem sie nicht mehr wirkt oder sogar schadet“. Das klingt wie die sanfte Einstimmung auf Zinsmaßnahmen auf der nächsten EZB-Direktoriumssitzung im Dezember.

    Eine Vorentscheidung sei zwar noch nicht gefallen, sagt die ehemalige „Wirtschaftsweise“, aber die ökonomische Lage sei inzwischen eine ganz andere als im März. Jetzt gehe es nicht um Stabilisierung der Finanzmärkte, sondern darum, dass die Geldhäuser ihre Kreditstandards nicht zu eng interpretierten. Schnabel sagt: „Der wirtschaftliche Abschwung darf durch den Bankensektor nicht verschärft werden.“ Erst waren die Banken den Aufsehern viel zu leichtsinnig, jetzt sind sie ihnen um einiges zu vorsichtig.

    Quelle: dpa
    Der chinesische Internet-Milliardär Jack Ma muss eine unerwartete Niederlage hinnehmen.

    Und dann ist da noch Jack Ma, chinesischer Internet-Milliardär, der eine unerwartete Niederlage hinnehmen muss. Die Börsen in Schanghai und Hongkong ließen in letzter Minute den Börsengang seiner Fintech-Firma Ant Group platzen. Ein Emissionsvolumen von 37 Milliarden Dollar war für die Alibaba-Tochter fest eingeplant. Die chinesische Finanzaufsicht hatte angekündigt, das Online-Kreditgeschäft von Ant stärker zu kontrollieren – was die Firma offensichtlich überforderte.

    Pionier Ma hatte zuvor Regulierungsbehörden global beschuldigt, Innovationen zu bremsen. Gut möglich, dass die Kommunistische Partei deshalb ihr Mitglied ausbremste – und so zunächst auf den Prestige-IPO verzichtet, der ein Hieb gegen den kapitalistischen Erzfeind USA wäre. Jack Ma sagte einst: „Meine Philosophie ist es, die Regierung zu lieben – aber sie nicht zu heiraten.“ Aktuell ist es ein typischer Fall von Zwangsheirat.

    Ich wünsche Ihnen einen glücklichen Tag, wie immer Sie zu Trump und Biden stehen.

    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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