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Morning Briefing Plus – Die WocheVW on fire: Der Wochenrückblick der Vize-Chefredakteurin

Bei Volkswagen ist die Lage ernst: Nach Schwächen beim China-Geschäft, gibt es nun auch Nachfrageprobleme nach E-Autos auf dem Heimatmarkt.Kirsten Ludowig 15.07.2023 - 08:00 Uhr
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Kirsten Ludowig ist Vize-Chefredakteurin des Handelsblatts. Foto: Marc-Steffen Unger

Guten Morgen allerseits,

was wäre die Unternehmensberichterstattung ohne Volkswagen? In den letzten Tagen hat sich mal wieder gezeigt, dass Deutschlands größter Autobauer mit all seinen Marken und all seinen Lenkern (ja, es sind vor allem Männer in den Spitzenpositionen) ein verlässlicher Nachrichtenlieferant ist. Und jetzt brennt sogar das Dach. 

„The roof is on fire“, warnte VW-Markenchef Thomas Schäfer Anfang der Woche bei einem digitalen Treffen der weltweiten Führungskräfte des Wolfsburger Konzerns. Eine gute Stunde lang bekamen die etwa 2000 zugeschalteten Managerinnen und Manager zu hören, wie ernst die Lage ist. Die Folge ist ein sofortiger Ausgabenstopp, den Schäfer verkündete.

Die Stimmung ist auch deshalb schlecht, weil Volkswagen nach Schwächen im Chinageschäft auch auf dem Heimatmarkt mit Nachfrageproblemen bei seinen Elektromodellen kämpft. Im Privatkundensegment lägen die Auftragseingänge in Deutschland deutlich unter dem geplanten Jahreszielberichtete ein Insider aus Händlerkreisen unseren Auto-Reportern.

Eine Sprecherin der Marke VW bestätigte, dass das Unternehmen zurzeit „ebenso wie andere Automobilhersteller eine allgemeine Kaufzurückhaltung bei Elektroautos“ spüre. Für Tesla gilt das nicht. Allein zwischen Januar und Mai dieses Jahres wurden exakt 100.524 Model Y in Europa verkauft – und damit mehr als alle VW-Modelle zusammen.

Je mehr die Nachfrage nach Volkswagens Elektroautos schwächelt, desto lauter wird die Kritik der VW-Händler. Denn sie können wegen des sogenannten Agenturmodells nicht ohne Weiteres die Preise für Elektroautos senken, wie mein Kollege Lazar Backovic schreibt.

Und dann ist da noch die berühmt-berüchtigte Volkswagen-Kultur. Zwar gab es in dieser Woche keinen prominenten Abgang wie den von Markus Duesmann bei Audi Ende Juni. Aber die nächste Personalnews lässt bestimmt nicht allzu lange auf sich warten. Warum sich die Top-Manager von den deutschen Konkurrenten Mercedes und BMW bei VW so schwertun und was das mit einem anderen Führungsverständnis zu tun hat, lesen Sie hier.

Bei Volkswagen herrscht kurz vor den Werksferien also alles andere als Zuversicht – das ist bei Olaf Scholz nicht so. Der Bundeskanzler zog nach knapp der Hälfte der Legislaturperiode in der Sommerpressekonferenz am Freitag Bilanz und verkündete: „Es wird gut ausgehen für jeden Einzelnen und für jede Einzelne von uns.“ Ich nehme das in der allgemeinen Urlaubsstimmung jetzt einfach mal so hin – und hinterfrage nicht, woher er das weiß. 

Was uns diese Woche sonst noch beschäftigt hat:

Der ukrainische Präsident zeigte sich zum Abschluss des Gipfels deutlich weniger aufgebracht als erwartet.

Foto: dpa

1. Die Nato-Staaten haben der Ukraine bei ihrem Treffen in der litauischen Hauptstadt Vilnius zwar neue Rüstungspakete zugesagt, aber die größte Erwartung der Regierung in Kiew enttäuscht: Es gab keine Einladung zum Nato-Beitritt. Wie der Westen die Ukraine trotzdem schützen will, beschreiben Moritz Koch und Mareike Müller, die beim Gipfel dabei waren.

Ein weiteres Thema war auch in Vilnius einmal mehr das Zwei-Prozent-Ziel. Welche Mitglieder schon jetzt mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in ihr Militär stecken und wer die meisten Soldaten hat, zeigen zwei eindrückliche Grafiken.

2. Die wohl bekannteste Kreditkarte mit Bonus-Funktion in Deutschland, die Lufthansa Miles & More Credit Card, wechselt ihre Bank. Ab Mitte 2025 wird die Deutsche Bank die Bezahlkarten für das Vielfliegerprogramm der Lufthansa ausgeben – und untermauert mit dem prestigeträchtigen Deal ihre Ambitionen im Zahlungsverkehr.

3. Apropos Bank: Ein Datenleck bei einem Kontowechsel-Dienstleister trifft mehrere Banken und mit ihnen Tausende Kundinnen und Kunden in Deutschland. Neben Deutscher Bank und Postbank gilt das auch für Comdirect und ING, wie die Geldhäuser dem Handelsblatt gegenüber bestätigten. Die Commerzbank, zu der die Marke Comdirect gehört, teilte mit, sie prüfe die Auswirkungen und gehe auf Betroffene zu. Ich hoffe, Sie haben nichts gehört.

4. Auch der schwäbische Automatisierungs- und Sicherheitsspezialist Pilz wurde Ende 2019 Opfer eines Hackerangriffs, der jahrelange Ermittlungen nach sich zog. Nun schildert die geschäftsführende Gesellschafterin Susanne Kunschert in einem bemerkenswerten Gespräch mit meinem Kollegen Martin Buchenau erstmals, wie das Familienunternehmen, das für seinen roten Not-Aus-Knopf bekannt ist, die Attacke erlebte. 

Kunschert spricht dabei auch offen über Emotionen in der Führung, denn sie bekommt jetzt noch feuchte Augen, wenn Sie an damals denkt – vor allem daran, wie der Angriff alle zusammengeschweißt hat. Angst, dass ihr Tränen als Schwäche ausgelegt werden, hat sie nicht. „Es zeigt meine Fürsorge und Dankbarkeit und wird als ehrliche Nähe zu meinen Leuten gewürdigt“, sagt sie. Und: „Ich schäme mich nicht dafür.“ 

5. Nachdem das Bundesverfassungsgericht dem Eilantrag eines CDU-Abgeordneten gegen die geplante Verabschiedung des Heizungsgesetzes noch vor der Sommerpause stattgegeben hatte, meldete sich der Präsident persönlich im Handelsblatt zu Wort.

Stephan Harbarth verteidigt den vorläufigen Stopp im Interview mit meiner Kollegin Heike Anger. Selbst wenn etwas Juristendeutsch durchklingt, ist die Aussage des 51-Jährigen klar zu verstehen: „Die Gesetzesverabschiedung hatte zu unterbleiben, weil die Verschiebung des Abschlusses des Gesetzgebungsverfahrens eher hinzunehmen ist als eine potenziell irreversible Verletzung der Abgeordneten-Beteiligungsrechte.“ 

6. In Deutschland können Transportkunden statt ganzer Züge noch einzelne Güterwaggons buchen. Das nennt sich dann etwas sperrig: Einzelwagenverkehr. Doch nun erwägt der Vorstand der Deutschen Bahn einen fast vollständigen Ausstieg aus dem Geschäft, weil die Bahn-Tochter DB Cargo tief in den roten Zahlen steckt, wie die Grafik zeigt. Dadurch könnten laut Betriebsrat bis zu 8400 von insgesamt 30.000 Mitarbeitern ihren Job verlieren.

7. „Die Auswirkungen sind von der Dimension vergleichbar mit denen des Dieselskandals“, warnt Christoph J. Crützen. „Künftig könnte für jede irreführende Werbeaussage ein empfindlich hohes Bußgeld drohen.“ Der Rechtsanwalt bezieht sich auf eine neue EU-Richtlinie gegen Greenwashing, die Bußgelder von bis zu vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vorsieht, wenn Unternehmen fälschlicherweise mit Labeln wie „klimaneutral“ oder „CO2-neutral“ werben. Viele sind schon jetzt alarmiert.  

8. Georg Kofler und Ralf Dümmel sind bekannt aus der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“. Jetzt hat die Finanzaufsicht Bafin zwei millionenschwere Fehlbuchungen im Konzernabschluss 2021 ihrer Onlinehandelsfirma Social Chain AG festgestellt. Die beiden Unternehmer, die in der Show einst gemeinsam Gründerinnen und Gründern Fragen zu ihrem Geschäftsmodell stellten, mussten nun selbst Rede und Antwort stehen. Social Chain betonte, dass es sich um Zuordnungsfehler in der Kapitalflussrechnung handele, die das Unternehmen bereits im Geschäftsbericht und Konzernabschluss 2022 korrigiert habe. 

Mit seinem speziellen Führungsstil hat Satya Nadella Microsoft verändert.

Foto: Handelsblatt

9. Zu lange ruhte sich Microsoft auf seiner Marktmacht aus und verschlief mehrere Innovationswellen. Doch mit dem Antritt von Satya Nadella als neuem Chef änderte sich das. KI-getriebene Anwendungen von Microsoft schreiben heute Softwarecode, entwerfen Geschäftsmodelle und erstellen Präsentationen mit passenden Bildern und Grafiken.

Die klassische Wissensarbeit steht vor einer tiefen Transformation – mit Microsoft als Treiber. Man werde den Rivalen Google „zum Tanzen bringen“, frotzelte Nadella einmal. Was sich von Microsofts Erfolg lernen lässt, das lesen Sie hier

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende, vielleicht bringen auch Sie jemanden zum Tanzen! 

Herzliche Grüße
Ihre

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Kirsten Ludowig

Stellvertretende Chefredakteurin Handelsblatt

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