Morning Briefing: Wie selektive Wahrnehmung den E-Auto Hype befördert hat
Große Kurskorrektur: Das Desaster mit den E-Auto-Aktien
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
wenn Aktionäre an eine Zukunftsvision glauben, legen sie darin gerne ihr Geld an. Oft blenden sie dabei Stimmen aus, die vor einem Hype warnen und zur Vorsicht mahnen. Selektive Wahrnehmung nennt sich das. So erging es auch vielen Anlegerinnen und Anlegern, die an der Vision des emissionsarmen Individualverkehrs mitverdienen wollten. In den Jahren 2021 und 2022 steckten Anleger ihr Geld massenhaft in Aktien der neuen Hersteller von E-Autos – und überschätzten dabei Wachstums- und Gewinnaussichten. Die logische Folge: eine E-Auto-Blase am Aktienmarkt. Doch das Schicksal jeder Blase ist es, dass sie eines Tages platzen wird.
Olaf Stotz von der Privatuniversität Frankfurt School of Finance & Management erklärt, dass solche Hypes immer nach demselben Muster ablaufen. Zunächst gebe es eine Innovation und sogenannte First-Mover, die als Erste davon profitierten. Diese Unternehmen wachsen stark. Anleger glauben dann, dass sich die Entwicklung der Vergangenheit in Zukunft fortsetzen werde – und nehmen nur noch Informationen wahr, die diese Meinung bestätigen.
Dann kommt jedoch oft der Knall: Erstens locke der Erfolg der Start-ups Wettbewerber an, die durch ihre Konkurrenz dafür sorgen, dass die hohen Erwartungen enttäuscht würden. Zweitens drohe die Neugier auf die neuen Produkte zu verblassen. Beides trifft auf den E-Auto-Markt zu.
Die Folge war ein dramatischer Kurssturz der E-Autobauer im Vergleich zum Höchstwert um bis zu 91 Prozent. Selbst Pionier Tesla ist von dem Negativtrend nicht verschont geblieben. Das zeigt sich beim Blick auf die unternehmerischen Kennzahlen. Nachdem sich das operative Ergebnis (Ebitda) 2020 und 2021 noch verdoppelt hatte, sank es im Jahr 2023 um 13 Prozent.
Doch obwohl der E-Auto-Markt die hohen Erwartungen in den vergangenen Jahren nicht erfüllen konnte, führt laut Marktbeobachtern langfristig kein Weg an der Technik vorbei. Elizabeth Krear vom Analysehaus J.D. Power ist optimistisch: „Wir erwarten, dass der Marktanteil von E-Autos in diesem Jahr auf zwölf Prozent steigt und 2031 die 50-Prozent-Marke überschreitet." Wenn diese Worte mal keinen neuen Hype auslösen…
Bei einem mutmaßlich israelischen Luftangriff gestern Abend in der syrischen Hauptstadt Damaskus ist nach Angaben aus Teheran ein General der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) getötet worden. Der Iran macht Israel für den tödlichen Angriff auf die Konsularabteilung der iranischen Botschaft verantwortlich. Der getötete Mohammad Resa Sahedi war laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim für Einsätze in Syrien und im Libanon verantwortlich.
Israels Armee sagte auf Anfrage, man kommentiere Berichte in den ausländischen Medien nicht. Israels Luftwaffe hatte immer wieder Ziele im benachbarten Syrien bombardiert und will damit verhindern, dass der Iran und mit ihm verbündete Milizen wie die libanesische Hisbollah ihren militärischen Einfluss in dem Land ausweiten.
Die FDP steckt in einem Dilemma. Einerseits sieht die Partei ein, dass Deutschland mehr Geld ausgeben muss – für Verteidigung, Bildung und Infrastruktur zum Beispiel. Andererseits ist die FDP unter ihrem Vorsitzenden Christian Lindner, außerdem noch Bundesfinanzminister, dafür bekannt, harte Verfechterin der Schuldenbremse zu sein. Kurz vor Ostern sprach Lindner deshalb noch davon, es brauche eine „Sozialstaatswende“. Was bedeutet: Der Sozialetat müsse gekürzt werden, damit das Geld an anderer Stelle zur Verfügung steht.
Doch mittlerweile scheint bei den Liberalen die Einsicht eingekehrt, dass auch das wohl nicht reichen wird. Es deutet sich so etwas wie eine Mini-Wende in der großen Frage um die Schuldenbremse an. Nach Informationen des Handelsblatts aus Koalitionskreisen kann sich selbst Christian Lindner mittlerweile vorstellen, den Spielraum großzügiger auszugestalten als ursprünglich geplant. Eine unliebsame Debatte für die Liberalen, mit der sie politisch wohl nichts gewinnen können. Egal wie es ausgeht: Entweder, sie gelten als Umfaller in der Ampel-Koalition oder als Hardliner, die wichtige Zukunftsinvestitionen blockieren.
Der Traum des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, die Metropole Istanbul politisch zurückzuerobern, ist am Wochenende gescheitert. Der amtierende Bürgermeister Ekrem Imamoglu entschied die Wahl mit knapp 52 Prozent für sich. Auch anderswo im Land lief es nicht besonders gut für Erdogans Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP). Die oppositionelle Republikanische Volkspartei (CHP) wurde laut vorläufigen Zahlen mit 37,7 Prozent landesweit stärkste Kraft.
Unser langjähriger Türkei-Korrespondent Ozan Demircan schreibt dazu: „Es ist eine angenehme und wichtige Erkenntnis, dass auch in einem Land mit einer autokratischen Führung demokratische Reflexe nicht unterdrückt werden können.“
Der Sieg sei ein Signal, das Mut mache – und ein Signal an andere Autokraten und Despoten, allen voran den russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Für Siemens Energy gibt es schlechte Nachrichten: Am heutigen Dienstag startet mit GE Vernova in New York ein neuer großer Konkurrent an der Börse. Es handelt sich dabei um die Abspaltung der Energietechniksparte des US-Industriekonzerns General Electric (GE). GE Vernova ist beinahe ein Duplikat von Siemens Energy – allerdings mit dem Unterschied, dass es profitabel arbeitet.
Das Unternehmen mit Sitz in Atlanta setzt wie Siemens Energy vor allem auf drei Geschäftsfelder: den Bau von Gaskraftwerken, die Produktion von Windturbinen und die Herstellung von Stromnetztechnik und Wasserstoffanlagen. Ein Zukunftsmarkt, der in den nächsten Jahren vor einem Milliardenwachstum steht. Bisher hat Siemens Energy seit seiner Ausgründung 2020 allerdings nur Verluste gemacht. Ein schwacher Trost für das Berliner Unternehmen am heutigen Tag: Konkurrenz belebt das Geschäft.
Manchmal überlege ich sehr lange, mit welcher Heiterkeit ich Sie zum Ende dieses Briefings in den Tag entlassen kann. Mich frustriert dabei sehr, dass bei meiner Suche nach besonderen Nachrichten immer wieder dieselben Themen aufploppen: Donald Trumps Aktie etwa oder das Trikot der deutschen Fußballmänner.
Deswegen will ich Sie heute lieber an meiner persönlichen Lieblingsnachricht des Osterwochenendes teilhaben lassen. In Großbritannien wollte eine Frau ein Igelbaby retten, das sie auf dem Bürgersteig gefunden hatte und das sich weder bewegte noch etwas essen oder trinken wollte. Das berichtet die britische Zeitung „Mirror“. Besorgt suchte die Frau Hilfe bei einer Tierärztin, die dann allerdings Entwarnung gab: Es handelte sich gar nicht um ein Igelbaby, sondern um den Bommel einer Mütze.
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag mit einem großen Herzen.
Es grüßt Sie herzlich
Ihre
Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt