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Morning BriefingWieso Blackstone in Europa auf Shoppingtour geht

Teresa Stiens 05.06.2024 - 06:20 Uhr
Handelsblatt Morning Briefing

Investor auf Shoppingtour: Blackstone schwärmt von Europa

05.06.2024
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser, 

wo normale Menschen eine Krise sehen, sehen Investoren eine Chance. So etwa im Fall von Gewerbeimmobilien, die erst durch die Coronapandemie an Attraktivität verloren und dann durch steigende Zinsen auch noch sehr teuer wurden. Doch Stephen Schwarzman, Chef der weltgrößten Private-Equity-Firma Blackstone, sieht in dem Trend einen Grund für eine Shoppingtour. Für Milliardenbeträge kauft Blackstone europäische Gewerbeimmobilien auf.

Im Handelsblatt-Interview gerät Schwarzman geradezu ins Schwärmen: „Was Immobilien angeht, ist Europa für uns der beste Markt der Welt“

Europäische Investoren hätten sich in Zeiten niedriger Zinsen übernommen. Als die Leitzinsen dann deutlich anstiegen, gerieten selbst gute Objekte in Schwierigkeiten, weil sie teuer refinanziert werden mussten. „Bei solchen Gelegenheiten sind wir dann oft zu sehr niedrigen Preisen eingestiegen, weil sich Investoren von ihren Projekten trennen mussten“, erklärt der Investor seine Strategie.

Blackstone-Chef Schwarzman Foto: Bloomberg

Großes Potenzial sieht Schwarzman auch beim Thema Rechenzentren und Künstliche Intelligenz. „Ich gehe davon aus, dass in den nächsten fünf Jahren weltweit 1,5 Billionen Dollar in Rechenzentren investiert werden müssen“, prognostiziert er. So einen Megatrend gebe es nur alle zehn oder fünfzehn Jahre.

Warum Schwarzman Donald Trump unterstützt und was er zu dem Vorwurf sagt, seine Investitionen würden die Mietpreise in die Höhe treiben, lesen Sie im Interview mit Handelsblatt-Chefredakteur Sebastian Matthes und Wall Street-Korrespondentin Astrid Dörner.

Während sich Blackstone quer durch Europa shoppt, wird der Kontinent für chinesische Investoren zunehmend unattraktiv. Die Investitionen chinesischer Unternehmen in Europa sind auf dem tiefsten Stand seit 13 Jahren. Das zeigt eine Analyse des Berliner China-Thinktanks Merics und des Analysehauses Rhodium Group, die meine Kollegin Dana Heide exklusiv vorab einsehen durfte.

Ein wichtiger Grund sei die Vorgabe des chinesischen Staates an heimische Unternehmen, internationale Investitionen zu begrenzen, sagt Alexander Brown, der bei Merics zu Chinas Industrie- und Außenpolitik forscht. Außerdem schrecke die Abwertung des chinesischen Yuans die Firmen von Investitionen im Ausland ab. Doch auch in Europa gibt es Faktoren, die den Trend erklären: etwa, dass die Europäer insgesamt sehr viel skeptischer gegenüber dem Einstieg aus Fernost geworden sind.

Wie schlägt sich der Bund als Notfallinvestor? Dieser Frage ist ein Team von Redakteuren nach der Pleite des Reisekonzerns FTI nachgegangen, in den der Bund 660 Millionen Euro investiert hatte. Zugegeben, die Investition war nicht freiwillig und geschah nicht aus rein wirtschaftlichem Kalkül – schließlich handelte es sich um die Rettung eines angeschlagenen Konzerns während der Pandemie.

Doch da der Bund im Rahmen des 600 Milliarden Euro schweren Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) einige solcher Notinvestitionen tätigte, lohnt sich ein Blick auf deren „Return on Invest“. Ein bisheriges, vorsichtiges Fazit lautet: Die meisten Rettungsaktionen wie etwa bei der Lufthansa liefen glatt ab, einige Beteiligungen stieß der Bund sogar mit ordentlichem Gewinn wieder ab. Doch in letzter Zeit mehren sich die Fehlschläge. Bei der Rettung von Galeria musste der Bund dreistellige Millionenbeträge abschreiben.

Insgesamt hat die Bundesregierung im Rahmen des WSF 33 Stabilisierungsmaßnahmen für 25 Unternehmen mit einem Gesamtvolumen von rund 9,7 Milliarden Euro beschlossen. In einigen Fällen wie bei Tui oder der Lufthansa hat der Bund das Geld bereits verzinst zurückerhalten. Doch eine steigende Zahl der Investitionen stellen sich als Geschäft heraus, das Verluste produzierte – mit dem Geld der Steuerzahler.

Narendra Modi (M) im Wahlkampf Foto: IMAGO/Pacific Press Agency

Das bevölkerungsreichste Land der Erde hat mal wieder bewiesen, dass Prognosen über seine Entwicklung schwer zu treffen sind. In Indien gewann der amtierende Premierminister Narendra Modi die Parlamentswahlen zwar wie erwartet – er muss in Zukunft aber mit einem Koalitionspartner regieren. Modis Partei BJP verlor die absolute Mehrheit im Parlament und ist in Zukunft auf eine Zusammenarbeit mit National Democratic Alliance (NDA) angewiesen. Sein aggressiv hindunationalistischer Kurs und seine Hetze gegen die muslimische Minderheit dürften ihm Stimmen gekostet haben.

„Nach diesem Wahlkampf dürfte auch den letzten Optimisten in Washington, Brüssel oder Berlin klar sein, dass die Erzählung vom Wertepartner Indien reines Wunschdenken ist“, kommentiert Südostasien-Korrespondent Mathias Peer. Die Sorge vor einem zunehmend autokratischen Staat sei nicht unberechtigt. Dennoch rät er Europa und den USA dazu, die Beziehungen mit Indien weiter zu vertiefen – ohne in Kritiklosigkeit zu verfallen.

Lars Windhorst. Foto: dpa

Erinnern Sie sich noch an Lars Windhorst? Wenn Sie in Berlin leben und Fan von Hertha BSC sind, wahrscheinlich schon. Windhorst war 2019 als Investor bei der Hertha eingestiegen mit dem Versprechen, aus ihr einen „Big City Club“ zu formen. Heute spielt der Verein in der zweiten Liga und Windhorst hat seine Anteile verkauft. So ganz haben die Menschen in der Hauptstadt den großen Versprechen des Investors nie vertraut.

Jetzt zeigt sich, was ich schon immer wusste: Die Berlinerinnen und Berliner scheinen eine gute Menschenkenntnis zu haben. Gestern erließ das Amtsgericht Hannover Haftbefehl gegen den Investor.

Windhorst soll in einem Insolvenzantragsverfahren gegen ein Unternehmen, das zu seinem Firmengeflecht zählen soll, Mitwirkungspflichten nicht nachgekommen sein. Windhorst selbst sagte dem Handelsblatt, er sei weder Gesellschafter noch Geschäftsführer bei der Firma, um die sich die Sache drehe. Heute will er sich bei einer Pressekonferenz in Flensburg zu den Vorwürfen äußern.

Zum Abschluss noch ein Blick in die USA, wo der republikanische Abgeordnete John Rose es bereut haben dürfte, seinen Sohn mit zur Arbeit gebracht zu haben. Als der Papa eine Rede hielt, in der er Donald Trumps Verurteilung im Schweigegeldprozess kritisierte, fing der Junior an, im Hintergrund Grimassen zu schneiden. Das Spektakel wurde vom Parlamentssender C-SPAN übertragen.

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Bleibt zu hoffen, dass sich amerikanische Politiker diese Taktik nicht von dem Sechsjährigen abschauen, um vom Inhalt gegnerischer Reden abzulenken. Wobei mich ehrlich gesagt bei den jüngsten Entwicklungen der amerikanischen Politik selbst das nicht mehr verwundern würde.

Ich wünsche Ihnen einen guten Tag, an dem Ihnen die ungeteilte Aufmerksamkeit zuteilwird.

Es grüßt Sie herzlich
Ihre
Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt

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