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NioSo will der chinesische Hersteller die Trendwende einleiten

Auf dem deutschen Markt ist der chinesische Hersteller Nio bislang irrelevant. Nur wenige hundert Autos konnte die Marke verkaufen. Das soll sich ändern – mit günstigen Einstiegsmodellen.Tomas Hirschberger 24.01.2025 - 10:18 Uhr Quelle: SpotpressArtikel anhören
Nio bringt seine Submarke Firefly nach Deutschland. Foto: Nio

Hamburg. Mit dem Ergebnis der Saison 2024 kann Nio-Trainer David Sultzer nicht zufrieden sein. Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) in Flensburg weist für vergangenes Jahr gerade mal 398 verkaufte Fahrzeuge aus, das macht ein Minus von 68,5 Prozent zum Vorjahr. Die Bilanz eines Aufsteigers im Abstiegskampf.

David Sultzer ist bereits der dritte Geschäftsführer seit Nio 2022 in Deutschland startete und sieht die Lage realistisch, wenngleich noch nicht dramatisch: „Wir kommen aus einem Tal der Tränen. 2024 war für alle E-Anbieter schwer, für uns besonders. Eine neue Marke aufzubauen ist aber viel mehr als KBA-Zahlen zu zählen“, sagt der Ex-Genesis-Manager, „wir können aber nicht nach zwei Jahren die Ergebnisse erwarten, für die andere 70-80 Jahre gebraucht haben.“

Wir treffen Sultzer zum Gespräch im Nio-House in der Hamburg City. Der elegante Showroom über zwei Ebenen, in bester Citylage direkt an der Außenalster, wurde im Juni eröffnet und ist Europas erfolgreichstes Nio-House. Rund 8.000 Interessierte bummeln pro Woche durch das mit hellem Holz nordisch kühl eingerichtete Autohaus mit angeschlossenem Kaffee.

Das muss man sich leisten können. Noch soll die Zentrale in Shanghai nicht nervös werden und die Füße stillhalten. „Hier in Deutschland ist die Geburtsstätte der Premiumfahrzeuge, das ist wichtig für das Image“ sagt Sultzer. „Wir haben eine erfolgreiche Marke, die expandieren möchte, hinter uns. Europa ist fester Bestandteil der Konzernstrategie“.

Global gesehen hat das erst 2014 als Start-Up gegründete Unternehmen von Selfmade-Milliardär und CEO William Le rund 600.000 Fahrzeuge auf der Straße. Die meisten in der Heimat, wo Nio 2024 um 70 Prozent zulegte.

Ex-VW-Chef Diess wirbt für Nio

Langfristig soll Deutschland der wichtigste Markt in Europa werden. Dafür setzt Sultzer in diesem Jahr auf Konsolidierung. Man habe mit Vergölst einen Partner gefunden, der sich in 150 Werkstätten um das Thema Reifen kümmere, zudem Verträge mit 20 neuen Servicepartnern sowie neun mobilen Werkstätten geschlossen, die direkt zum Kunden hinkommen.

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Das hat der chinesische Nio ET7 der deutschen Konkurrenz voraus

Neue Modelle sind 2025 nicht geplant. Auch das gerade in China mit Unterstützung von Testimonial Herbert Diess (Ex-VW-Chef) vorgestellte 5,30 Meter-Flaggschiff ET9 soll vorerst nicht nach Europa kommen. Der Fokus richtet sich vor allem auf den Ausbau der bislang 19 Swap-Stationen, an denen die Batterien der Fahrzeuge vollautomatisch gewechselt werden können. Hier habe man in Abläufen und Kosten große Fortschritte gemacht.

Kunden, die weite Strecken vor sich haben, könnten nun auch für einen Monat ihren 75 kWh-Akku gegen eine 100 kWh-Batterie tauschen. Kostenpunkt rund 120 Euro. Man prüfe auch Wechsel auf Tagesbasis. Die Wechselgebühr beträgt nach wie vor zehn Euro, zuzüglich der Batterieladung zu günstigen 39 Cent pro Kilowattstunde. „An den etwa 3.000 Swap-Stationen in China wurden bislang rund 60 Millionen Swaps getätigt“ sagt Sultzer. Für die aktuell 4. Generation wollen auch andere Hersteller ihre Modelle fit machen. Nio schwebt ein globaler Standard vor.

Wende mit Firefly und Flotten

Bis es so weit ist, hofft der Hersteller auf das Geschäft mit Fuhrparks, Flotten und Gewerbekunden wie der Taxi-App „Freenow“, über die in Hamburg aktuell rund 20 Nios laufen. Und auf den Charme von zwei neuen Nio-Töchtern.

Noch in diesem Jahr präsentieren die Chinesen mit Firefly (übersetzt: Glühwürmchen) eine Submarke, die preiswerte E-Autos in Konkurrenz zu Smart oder Mini anbieten soll. Während die Nio-Modelle ausschließlich über den Direktvertrieb und als Auto-Abo an den Kunden gebracht werden, ist für Firefly offensichtlich auch ein Händler-Modell denkbar.

Zunächst wird es ein kompaktes Firefly-Modell geben, das später auch seinen Akku swappen kann. Zu Miet- und Wechselkursen, die deutlich unter denen von Nio liegen sollen. Der zweite Sprössling heißt „Onvo“, hat mit dem Crossover L60 in erster Linie Familien im Blick und soll sich gegen Tesla positionieren. Preislich will sich „Onvo“ an der Konkurrenz orientieren, der Marktstart bei uns erfolgt 2026.

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Natürlich sind die angedrohten Strafzölle auf chinesische Importautos auch für Nio ein Thema. Preissenkungen kommen für David Sultzer derzeit nicht infrage: „Na klar ist die Wettbewerbsfähigkeit wichtig, aber „billig“ wird es bei uns nicht geben“. Vielmehr versucht Nio die höheren Preise zunächst durch „Lagerfahrzeuge, die wir rechtzeitig organisiert haben“, zu kompensieren. Ob die Liga damit gehalten werden kann, wird sich zeigen.

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