Michael Garvens: Überflieger am Boden
Der Chef des Flughafens Köln Bonn sieht sich bei seinem Abschied mit schweren Vorwürfen konfrontiert.
Foto: imago/Future ImageDüsseldorf. Geschlagene zehn Stunden debattierte der Aufsichtsrat des Flughafens Köln-Bonn am Freitag über die möglichen Verfehlungen des Geschäftsführers Michael Garvens. Der Verdacht auf Untreue stand im Raum. Garvens bestritt vorab alles, konnte in der Marathonsitzung aber offenbar nichts widerlegen. Am Ende stimmte er einer Aufhebungsvereinbarung zu. Seine Amtszeit endet am 31. Dezember.
Garvens‘ Anwalt bemühte sich um Vorwärtsverteidigung. Unerträglich sei die öffentliche Diskussion über Garvens‘ angebliche Verfehlungen gewesen, schrieb Rolf Bietmann. Der Anwalt von Garvens und ehemalige Bürgermeister von Köln hatte damit Erfahrung. 2013 hatte ihn die Staatsanwaltschaft Köln selbst wegen Untreue angeklagt. 2017 zahlte Bietmann 100.000 Euro an wohltätige Einrichtungen, sein Verfahren wurde eingestellt. Heute ist Bietmann nicht nur Anwalt, sondern auch Hochschullehrer. In einer Stellungnahme schrieb er am Freitag: für Garvens‘ Trennung vom Flughafen sei „ein vernünftiger Weg“ gefunden worden.
Die Worte lassen aufmerken. Der Schaden, den Garvens verursacht haben soll, wird auf mehrere Millionen Euro taxiert. Sein Vertrag lief aber noch bis 2022, und bisher verdiente Garvens pro Jahr mehr als 400.000 Euro. Wenn sein eigener Anwalt nun von einer „wirtschaftlich vertretbaren Lösung“ schrieb, klang das nicht, als zahle Garvens Geld zurück. Seine Abfindung – so heißt es aus Aufsichtsratskreisen – soll mehrere Hunderttausend Euro betragen.
Kein Vorwurf abschließend geklärt
Vom Flughafen war dazu am Freitag nichts zu erfahren – und das soll auch so bleiben. „Striktes Stillschweigen“ sei über die Inhalte der Aufhebungsvereinbarung mit Garvens vereinbart worden, teilte der Aufsichtsrat mit. Es folgte nur noch der Dank für dessen „15-jährige erfolgreiche“ Amtszeit.
Noch am Freitagmorgen schien eine solch freundliche Trennung unmöglich. Dem Aufsichtsrat lag ein praller Untersuchungsbericht vor. Das Gremium hatte sowohl die Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek als auch die Wirtschaftsprüfer von EY beauftragt, Garvens‘ Geschäftspraktiken zu analysieren. Heraus kam: Dutzende von Garvens veranlasste Demissionen waren offenbar rechtlich so wackelig, dass der Flughafen – oft über Jahre – weiterzahlen musste. Die Betroffenen bekamen Geld, durften aber nicht ins Haus. Das kostete letztlich den Steuerzahler Millionen – der Flughafen ist in öffentlichem Besitz. Damit nicht genug. Privatflüge rechnete der Hobbypilot Garvens zu Tarifen ab, die manchen Aufsichtsrat erstaunten. Für Rechnungen einer Logistikfirma wiederum waren keine Gegenleistungen zu finden, bezahlt wurden sie dennoch. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Köln. Garvens bestritt jedes Fehlverhalten, erstattete für den Flughafen aber „vorsorglich“ eine Selbstanzeige beim Finanzamt. Scheinrechnungen sind dort nicht gern gesehen.
Keines dieser Themen ist abschließend geklärt. Neuer Chef des Aufsichtsrats ist seit wenigen Tagen der ehemalige CDU-Politiker Friedrich Merz. Hält sich das Gremium unter seiner Führung an die eigenen Regeln, müsste es alles tun, um für einen Ausgleich des möglichen Schadens zu sorgen. Im Corporate-Governance-Kodex des Flughafens heißt es: „Verletzt ein Mitglied der Geschäftsführung die Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsführers, so haftet dieser gegenüber dem Unternehmen auf Schadenersatz.“
Allgemein gilt: Macht ein Aufsichtsrat berechtigte Ansprüche des Unternehmens gegen einen Manager nicht geltend, machen die Aufsichtsräte sich selbst haftbar. Merz wird dies wissen. Er war nicht nur Politiker, sondern ist noch immer Anwalt.