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Tübingen „Wir haben einfach losgelegt“: Ärztin Lisa Federle ist die Architektin des Tübinger Corona-Modells

Die Stadt prüft bis in den April hinein, ob flächendeckendes Testen und Öffnen zusammengeht. Die Ärztin Lisa Federle hat das Modell vorangetrieben.
29.03.2021 - 17:43 Uhr Kommentieren
„Es gibt genügend Tests, sie müssen nur bestellt werden.“ Quelle: dpa
Lisa Federle

„Es gibt genügend Tests, sie müssen nur bestellt werden.“

(Foto: dpa)

Berlin Sie gilt als Architektin des Tübinger Modellversuchs: Lisa Federle, Pandemiebeauftragte der baden-württembergischen Stadt. Tübingen testet seit Mitte März, ob mehr Öffnungsschritte mit möglichst flächendeckendem Testen umsetzbar sind, ohne dass die Zahl der Corona-Fälle deutlich zunimmt.

„Testen ist ein zentrales Mittel im Kampf gegen die Pandemie, nur so können wir möglichst viele Fälle entdecken”, sagt die Ärztin. „Diese einfache Erkenntnis haben wir hier konsequent umgesetzt.” Menschen können in der Stadt kostenlose Tests machen, das Ergebnis wird bescheinigt. Mit dem Zertifikat können die als gesund getesteten Personen zum Beispiel in Modeläden einkaufen, zum Friseur oder auch in Theater und Museen gehen. Das Modellprojekt wurde zuletzt bis zum 18. April verlängert.

Spätestens seit der Regierungserklärung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wird diskutiert, ob dieser Weg auch in anderen Städten und Kommunen funktionieren kann. „Es ist keinem Oberbürgermeister verwehrt, das zu tun, was in Tübingen getan wird”, sagte Merkel. Kritik kam hingegen vom SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach, der auf die steigenden Fallzahlen in Tübingen hinwies. „Auch Tübingen schafft es nicht”, twitterte er.

Tatsächlich hätten sich bei ihr schon Dutzende Bürgermeister von Städten und Kommunen aus ganz Deutschland nach dem Projekt erkundigt, sagt Federle. Die größte Sorge: Man frage sich, wo man die vielen Tests herbekommen könne. „Denen kann ich nur sagen: Es gibt genügend Tests, sie müssen nur bestellt werden.” Es habe nur kurze Zeit gedauert, das Projekt aufzubauen, die Gelder dafür zu besorgen und die Testkapazitäten aufzubauen, sagt sie. „Wir haben einfach losgelegt.“

Federle führte bereits 2015 eine fahrende Arztpraxis für Geflüchtete in Tübingen ein, die sie während der Pandemie zu einer mobilen Fieberambulanz umfunktionierte. Gleichzeitig warb sie in der Stadt für eine umfassende Teststrategie – früher als viele andere Städte testete Tübingen beispielsweise systematisch Bewohner von Pflegeheimen. „Im Oktober haben wir die ersten Tests bestellt, danach haben wir es stetig fortentwickelt.”

Geld aus einer Spendenaktion

25.000 Stück orderte Federle für 110.000 Euro – und bat das Deutsche Rote Kreuz in Tübingen, in Vorleistung zu gehen. Federle ist dort ehrenamtliche Präsidentin und hoffte darauf, dass der Betrag durch Spenden wieder reinkommen würde. „Hätte das nicht geklappt, hätte ich das selbst bezahlt”, sagt sie. Ihr Plan ging auf: Bei einer Weihnachtsspenden-Aktion kam mehr Geld rein, als das Projekt gekostet hatte.

Im November dann bot Tübingen seinen Bürgern kostenlose Tests an. Dass Tübingen als erster Landkreis in Baden-Württemberg unter eine Inzidenz von 50 fiel, führt sie auch auf das viele Testen zurück. Mit den 25.000 Stück konnten in Tübingen 350 positive Fälle entdeckt werden, die keine Symptome zeigten. Den Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) von ihrer Strategie zu überzeugen sei nicht schwer gewesen: „Er ist ja ein vernünftiges Kerlchen”, sagt sie.

Mehr: Tübingens Sonderweg könnte ein Modell für das ganze Land sein

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