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Wechsel an der BDA-Spitze Rainer Dulger: Klare Kante für die Arbeitgeber

Der Gesamtmetall-Chef löst Ingo Kramer als Arbeitgeberpräsident ab. Bisher ist der Prominent-Geschäftsführer vor allem als Lautsprecher aufgefallen.
26.11.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Für den künftigen Arbeitgeberpräsidenten galt Wirtschaftsminister Peter Altmaier einst als „Fehlbesetzung“. Quelle: imago images / photothek
Rainer Dulger

Für den künftigen Arbeitgeberpräsidenten galt Wirtschaftsminister Peter Altmaier einst als „Fehlbesetzung“.

(Foto: imago images / photothek)

Berlin Die Themen bleiben die gleichen, auch wenn die Person an der Spitze wechselt: Als Arbeitgeberpräsident wolle er sich um bezahlbare Arbeit und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, eine leistungsfähige Infrastruktur, Klimaneutralität und Strukturwandel kümmern, sagt Rainer Dulger. Und die angesichts des langjährigen Jobwunders erlahmte Gründerkultur will er wieder stärken: „Wo ist der Anreiz für junge Menschen in diesem Land, Unternehmer zu werden?“

An diesem Donnerstag will sich Dulger, 56, an die Spitze der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) wählen lassen. Der bisherige Gesamtmetall-Präsident und Geschäftsführer des Heidelberger Dosiertechnikherstellers Prominent, den er zusammen mit seinem Bruder Andreas führt, tritt damit die Nachfolge von Ingo Kramer als politische Stimme der Arbeitgeber an.

Kramer war vor einem Jahr entgegen seiner ursprünglichen Absicht noch einmal in die Verlängerung gegangen. Begründung: Er könne dazu beitragen, die Verhältnisse in Berlin stabil zu halten; Polarisierer gebe es schon genug. Das war damals durchaus auch als Seitenhieb auf Dulger verstanden worden.

Denn während der scheidende BDA-Chef zuletzt wie ein wandelnder Vermittlungsausschuss auftrat und selten mal öffentlich laut wurde, ließ Dulger als Chef der Metallarbeitgeber deutliche Kritik an der Regierungspolitik vernehmen – etwa als er Mitte 2019 Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) als „schwächsten Minister“ und „Fehlbesetzung“ abkanzelte.

Kommt da also jetzt jemand, der stärker klare Kante zeigt als sein Vorgänger? „Ich werde entschieden in der Sache, aber immer fair im Umgang bleiben“, verspricht Dulger, der künftig zwei Tage pro Woche in Berlin sein will und anders als FDP-Mann Kramer kein Parteibuch besitzt. Politik sei die Gestaltung des Machbaren. „Und da kommen Sie allein mit scharfen Worten auch nicht weiter.“

Sozialbeiträge nicht weiter steigen lassen

Auch Kramer hatte sich bei seinem Amtsantritt von Kanzlerin Merkel sagen lassen müssen, für einen Neuling gebe er sich doch sehr selbstbewusst – und erst nach und nach seine Rolle gefunden. Ein Neuling ist Dulger nicht. Seit acht Jahren vertritt er die Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie, die ihre Branche liebevoll das „Herz der Wirtschaft“ nennen und in der BDA den Ton angeben.

Als Arbeitgeberpräsident muss der erfahrene Tarifpolitiker künftig auch die Interessen der Banken, des Einzelhandels oder der Pflegeanbieter in den Blick nehmen. Er wolle den Spitzenverband „weiter stark und geeint sehen“, sagt der promovierte Ingenieur, der seine berufliche Karriere bei Audi in Ingolstadt begann, bevor er ins Familienunternehmen einstieg. Die entsprechenden Kontakte hat er in seinen acht Jahren als BDA-Vizepräsident aufbauen können.

Die Haare sind in dieser Zeit etwas grauer geworden, die zwei Kinder größer, die randlose Brille ist einem markanteren schwarzen Horn-Modell gewichen. Und die wirtschaftliche Lage hat sich eingetrübt. Die Industrie steckt schon länger in der Rezession, und dann kam auch noch Corona.

Kramer konnte gegen steigende Sozialbeiträge und zusätzliche Regulierung wettern – lange in der Gewissheit, dass beides dem Jobwunder wenig anhaben kann. Zu Beginn von Dulgers Amtszeit herrscht dagegen Unsicherheit über die weitere Beschäftigungsentwicklung, viele Arbeitnehmer fürchten um ihren Job.

Möglicherweise, sagt der künftige BDA-Präsident, liege in der Krise aber auch eine Chance, den Anliegen der Arbeitgeber Geltung zu verschaffen: „In Zeiten, in denen es wirtschaftlich nicht so gut läuft, findet man vielleicht besser und schneller Gehör.“

Ein Ziel will Dulger mit besonderem Nachdruck verfolgen, nämlich die Arbeitskosten nicht weiter steigen zu lassen. Und er hat auch gleich einen Wunsch an die Regierungsparteien: „Die 40-Prozent-Grenze bei den Sozialabgaben sollte am besten in Form eines Gesetzes mit Verfassungsrang garantiert werden.“

Mehr: Dulgers designierter Nachfolger bei Gesamtmetall: Stefan Wolf im Interview.

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