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Parlamentswahlen Dieser Ex-Playboy soll Pakistan aus der Krise führen

Der ehemalige Sportler Imran Khan lässt sich bereits als Regierungschef feiern. Der einstige Frauenheld muss nun Pakistans Wirtschaft stabilisieren.
26.07.2018 - 13:11 Uhr Kommentieren
Der ehemalige Sportler Imran Khan lässt sich bereits als Regierungschef feiern. Quelle: AFP
Imran Khan

Der ehemalige Sportler Imran Khan lässt sich bereits als Regierungschef feiern.

(Foto: AFP)

Bangkok Die Stimmen werden noch ausgezählt, aber die Partei von Imran Khan feiert schon. „Ich gratuliere der Nation”, sagte Asad Umar, ein wichtiger Mitstreiter von Khan. „Unter der Führung von Imran Khan wird Pakistan eine Nation werden, die nicht nur uns stolz macht, sondern die ganze Welt.”

Mehreren inoffiziellen Ergebnissen zufolge liegt Khans Partei Pakistan Tehreek-i-Insaf (PTI) (Pakistanische Bewegung für Gerechtigkeit) bei der Parlamentswahl in Pakistan weit vorne. Der ehemalige Cricket-Spieler muss sich zwar wohl einen Koalitionspartner suchen, doch dürfte er der kommende Regierungschef des Landes mit 200 Millionen Einwohnern werden.

Es wäre der erst zweite Machtwechsel in der 70-jährigen Geschichte des Landes, der durch Wahlen herbeigeführt wurde. Wie demokratisch die aber war, ist zweifelhaft: Mehrere Bombenanschläge erschütterten den Wahlkampf. Kritiker werfen Khan außerdem vor, nur dank der Unterstützung der einflussreichen Armee des Landes an die Macht gekommen zu sein.

Die wohl unterlegene Regierungspartei Muslimliga (PML-N) von Interimsregierungschef Shahbaz Sharif hat bereits angekündigt, die Wahl nicht zu akzeptieren. Auch die andere große Partei, die Pakistanische Volkspartei PPP, klagt über Unregelmäßigkeiten und Einschüchterungen durch die Armee. Allerdings rechnen Beobachter nicht damit, dass Sharif sich gewaltsam gegen einen Regierungswechsel wehren könnte.

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    Damit könnte erstmals seit den 70er-Jahren ein gewählter Politiker außerhalb der mächtigen pakistanischen Clans Sharif oder Bhutto an die Macht kommen. Und der Sieg wäre überraschend: Bis zuletzt lag Khans Partei in Umfragen noch hinter der PML-N.

    Einst Playboy, jetzt Politiker

    Imran Khan hat das Image eines Quereinsteigers, der mit dem Establishment aufräumt – obwohl er sich bereits seit 1996 politisch engagiert. Er kommt aus einer wohlhabenden Familie, studierte in Oxford und gehörte schon immer der Oberschicht des Landes an.

    Berühmt wurde er aber erst als Kapitän der Cricketmannschaft, die 1992 den Weltmeistertitel holte. Mit den anschließenden Werbeeinnahmen hob er in den internationalen Jetset ab.

    In seinem Leben hat er eine beachtliche Verwandlung durchgemacht. Einst zog er als Playboy gemeinsam mit „Rolling Stones“-Sänger Mick Jagger durch das Nachtleben von London. Er hatte Affären mit zahlreichen Frauen, manchmal an einem Abend hintereinander.

    Heute gibt er sich eher traditionell – und verteidigt sogar die strengen und umstrittenen Blasphemie-Gesetze Pakistans, um extrem konservative Wähler zu gewinnen.

    Sein politisches Hauptthema ist die grassierende Korruption im Land. Die amtierende Regierungspartei PML-N lieferte ihm hierzu eine Steilvorlage: Khan sorgte entschieden dafür, dass eine 2016 durch die Panama Papers aufgedeckte Affäre um Ex-Regierungschef Nawaz Sharif aufgeklärt wurde. Dieses Jahr wurde Sharif deswegen zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.

    Und der wohl neue Regierungschef steht vor gewaltigen politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen.

    „Der Wahlkampf hat vor dem Hintergrund einer wachsenden Wirtschaftskrise stattgefunden”, warnt Gareth Leather, Asien-Ökonom beim Beratungsunternehmen Capital Economics. Zwar wächst die Wirtschaft derzeit mit rund sechs Prozent. Doch die Zahlungsbilanz des Landes sei in den vergangenen Monaten außer Balance geraten.

    Die Pakistanische Rupie hat im Vergleich zum US-Dollar rund 15 Prozent an Wert verloren. Gleichzeitig haben sich die Währungsreserven des Landes etwa halbiert.

    Verantwortlich macht Leather dafür die massiven Stahl- und Baustoffimporte aus China. Die Lieferungen werden in von China finanzierten gigantische Infrastrukturprojekten verbaut. In Pakistan treibt die Volksrepublik das wohl wichtigste Seidenstraße-Projekt voran: den Chinesisch-Pakistanischen Wirtschaftskorridor (CPEC) mit dem Hafen Gwadar als Zentrum.

    Die Projekte haben insgesamt ein Volumen von mehr als 50 Milliarden US-Dollar und kurbeln derzeit die Konjunktur an. Dramatisch könnte es aber werden, wenn sich die riesigen Projekte als überdimensioniert herausstellen und nicht rentieren. Ökonom Leather befürchtet Investitionsruinen – so wie es Sri Lanka mit dem Hambatoto-Hafen ergangen ist. „Den Erfolg des chinesisch-pakistanischen Wirtschaftskorridors sicherzustellen, wird eine der wichtigsten Aufgaben der neuen Regierung”, sagt Leather.

    Khan hatte den CPEC im Wahlkampf häufig als intransparent und korruptionsanfällig kritisiert. Stoppen oder Bremsen dürfte er die gigantischen Baustellen aber nicht. Dafür ist Pakistans Wirtschaft schon zu abhängig von den Projekten.

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