Ukraine-Krieg: „Hat Putin genug von ihm, ist Prigoschin mit einem Fingerschnippen weg“
Der Einsatz in Bachmut sei für Prigoschin eine Gelegenheit gewesen, seine Loyalität dem Kreml gegenüber zu demonstrieren, sagt Galeotti.
Foto: IMAGO/ITAR-TASSDrohnen über Moskau und ein russischer Präsident, der eine Verbesserung der russischen Luftabwehr fordert. Waren Sie von den Ereignissen zu Beginn der Woche überrascht?
Zum Teil, denn die Angriffe auf russisches Territorium haben zuletzt stark zugenommen: der Drohneneinschlag auf dem Dach des Kremls oder die Attacke in Belgorod. Ein neuer Angriff war also nur eine Frage der Zeit. Dass es dann gleich mehrere Drohnen bis nach Moskau geschafft haben, kam allerdings überraschend. Für Russland ist das enorm peinlich.
In den sozialen Medien gibt es die Theorie, es könnte sich um eine sogenannte False-Flag-Operation des Kremls handeln, um so einen Vorwand für eine neue Mobilisierung zu haben. Was halten Sie davon?
Für mich ist das aus mehreren Gründen unwahrscheinlich. Zum einen waren es, soweit sich das anhand der verfügbaren Bilder beurteilen lässt, ukrainische Drohnen, die dort abgeschossen wurden. Und ich wüsste nicht, warum Russland über mehrere solcher Drohnen verfügen sollte.
Wichtiger jedoch ist die Reaktion des Kremls, der versucht hat, die Vorfälle herunterzuspielen. Man hatte keine passende Erzählung parat. Stattdessen gab es lediglich ein schmallippiges Statement, dass die Luftabwehr größtenteils gut funktioniert und Moskau schon deutlich schlimmeres erlebt hätte. Putin zog dabei sogar eine Parallele zur Invasion Napoleons 1812. Wäre es eine Operation unter falscher Flagge, würde Moskau versuchen, die ganze Sache deutlich mehr aufzubauschen. Und um ein Propaganda-Narrativ aufzubauen, müsste sich der Kreml auch nicht selbst bloßstellen. Er könnte einfach eines erfinden.