Verteidigung: Wie der Zwang zur Aufrüstung Großbritannien spaltet
London. Nick Wilson fühlt sich von seinem Land im Stich gelassen. 14 Jahre hat er als Soldat in der britischen Armee gedient, unter anderem in Afghanistan und im Irak. Heute ist der 48-Jährige auf einen Rollstuhl angewiesen. Und erklärt den Passanten, die ihm bei einer Kundgebung in der Innenstadt von Northampton zuhören: „Ich traue der Fürsorge des Staates nicht mehr, dem ich mein Leben geopfert hätte.“
In der Stadt mit 250.000 Einwohnern, anderthalb Autostunden nordwestlich von London gelegen, protestiert Wilson Anfang April mit etwa 20 Leidensgenossen gegen die jüngsten Sparbeschlüsse der Labour-Regierung. „Nicht einmal die Veteranen sind vor den Sozialkürzungen sicher“, ruft er wütend ins Mikrofon. Das Geld ist knapp. Ohne die staatliche Beihilfe für Behinderte von monatlich umgerechnet 320 Euro könne er nicht überleben, fürchtet der Kriegsveteran.
So wie Wilson geht es nach Schätzungen der Nichtregierungsorganisation (NGO) „Policy in Practice“ mehr als 230.000 Menschen mit Behinderungen in Großbritannien. Knapp fünf Milliarden Pfund will Premierminister Keir Starmer einsparen, indem er den Zugang zu den „Personal Independence Payments“ (PIP) erschwert. Tatsächlich geht es dem Regierungschef um viel mehr als um ein paar Sozialreformen.
Die Briten müssen aufrüsten. Denn die verbündeten USA sind unter Präsident Donald Trump nicht mehr willens, Europa vor Aggressionen zu schützen – vor allem russischen. Zum ersten Mal seit dem Ausbau ihres Wohlfahrtsstaats nach dem Zweiten Weltkrieg müssen die Briten die Grundsatzentscheidung treffen: äußere Sicherheit oder soziale Wohltaten?