Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Konjunktur Wachstum nach dem Corona-Schock: Fast alle Branchen sind auf Erholungskurs

Nach dem Einbruch konnte die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal wieder wachsen. Doch die Erholung braucht Zeit. Angesichts der Krise will das Amt nun mehr Daten und Fakten liefern.
15.09.2020 - 13:39 Uhr Kommentieren
Das Baugewerbe zeigt sich von der Corona-Pandemie bislang unbeeindruckt. Andere Branchen verzeichneten im zweiten Quartal massive Auftragseinbrüche, haben sich zuletzt aber erholt – das zeigen neue Daten des Statistischen Bundesamts. Quelle: dpa
Baubranche im Aufschwung

Das Baugewerbe zeigt sich von der Corona-Pandemie bislang unbeeindruckt. Andere Branchen verzeichneten im zweiten Quartal massive Auftragseinbrüche, haben sich zuletzt aber erholt – das zeigen neue Daten des Statistischen Bundesamts.

(Foto: dpa)

Berlin Das dritte Quartal wird für die Bundesrepublik das des Wiederaufschwungs. Das verkündet das Statistische Bundesamt schon jetzt auf Basis der aus dem Juli und August vorliegenden Daten. „In fast allen Branchen zeigt der Konjunkturverlauf die Form des Buchstabens V“, sagte Albert Braakmann, Leiter der Abteilung „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung“ des Amtes, am Dienstag. Doch ein Wermutstropfen bleibt, denn das V ist asymmetrisch: Der Absturz im März und April war kurz und heftig. Der Wiederaufschwung braucht demgegenüber länger.

Üblicherweise geben die Statistiker des Bundesamts keine Konjunkturprognosen ab, doch angesichts der Corona-Pandemie will die Behörde für einen besseren Überblick über die Konjunkturlage sorgen.

Dazu hat das Statistische Bundesamt nun die bis Ende August vorliegenden, bereits öffentlichen Branchendaten zusammengestellt. Zudem bezogen die Experten Frühindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima und den GfK-Konsumklimaindex für einen Gesamtüberblick über die aktuelle Wirtschaftslage ein. „Wir versuchen, in der Krise schneller zu werden“, sagte Braakmann.

Im zweiten Quartal war die Wirtschaft um 9,7 Prozent eingebrochen – der steilste Absturz seit Aufzeichnung der Quartalsdaten des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Seit Juni hat nun eine meist kräftige Erholung eingesetzt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    In der Automobilindustrie zum Beispiel stiegen im Juli die Auftragseingänge gegenüber Juni um 8,5 Prozent. Damit liegt das Auftragsniveau allerdings noch immer um 2,4 Prozent unter dem des Vorkrisenmonats Februar. Deutschlands wichtigster Branche geht es damit aber schon wieder besser als dem Maschinenbau: Der freute sich im Juli gegenüber Juni über eine Auftragszunahme um 5,2 Prozent. Das Minus gegenüber Februar beträgt aber immer noch 13,4 Prozent. Und die Chemieindustrie wuchs im Monatsvergleich um 3,5 Prozent. Die Schlüsselbranchen zeigten dabei „Vs in unterschiedlichen Tiefen“, fasst Braakmann die Daten zusammen.

    Das Februarniveau mit plus 0,9 Prozent leicht übertroffen hat bei den Umsätzen im Juli bereits der Einzelhandel. Allerdings entwickelten sich in dieser Branche die Sparten höchst unterschiedlich: Während der Lebensmittelhandel inzwischen etwas weniger als im Februar umsetzt, wurden im Sommer vor allem Möbel und Haushaltsgeräte gekauft, der „Nicht-Lebensmitteleinzelhandel“ verzeichnete ein Plus von 3,5 Prozent.

    Nach wie vor liegen die Umsätze im Onlinehandel erheblich höher als vor der Krise. Im Juli aber waren sie rückläufig: Offenbar kehren die Konsumenten doch wieder stärker in den stationären Handel zurück. 

    Gemischtes Bild im Handel

    Allerdings zeigen Mobilitätsdaten aus den Fußgängerzonen, dass dort noch immer etwas weniger Menschen unterwegs sind als vor der Krise. Bei einem Produkt halten sich die Menschen beim Einkauf weiter zurück: Kleidung. Die Umsätze mit Textilien, Bekleidung und Schuhen liegen noch immer um 8,1 Prozent unter dem Februarniveau. Den Kaufhäusern fehlten sogar 16,4 Prozent Umsatz.

    Noch gemischter sieht die Bilanz des Gastgewerbes aus: Es verzeichnete zwar im Juli gegenüber Juni ein Umsatzplus von 21,9 Prozent. Aber gegenüber Februar bleibt ein Minus von 28,7 Prozent. Die Leidenszeit dauert dort also an.

    Ähnlich schlimm sieht es bei den Übernachtungen in Hotels und Pensionen aus: Zwar stieg deren Zahl im Juli gegenüber Juni um 54,8 Prozent. Doch gegenüber dem Vorjahres-Juli ist das ein Minus von 22,8 Prozent. Vergleicht man die Übernachtungszahlen von Januar bis Juli, fehlen den Hoteliers 42,2 Prozent der Gäste im Vergleich zum Vorjahr.

    Eine Branche konnte sich dem Corona-Effekt nicht nur ganz entziehen, sondern sogar wachsen: das Baugewerbe. Für den Zeitraum Januar bis Juli 2020 liegt die Zahl der Baugenehmigungen im Wohnungsbau um 5,6 Prozent über dem Vorjahreszeitraum, auch die Umsätze steigen. Nach dem Boom bei den Baugenehmigungen ging deren Zahl zuletzt leicht zurück. Ob das lediglich eine Korrektur nach dem langen Bauboom ist, konnten die Statistiker aus dem Einmonatswert nicht herauslesen. Eine andere mögliche Erklärung wäre, dass der Bau womöglich später doch noch eine Coronadelle bekommt – etwa weil die Bürger um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes und damit um ihre Einkommen fürchten.

    Auch den Arbeitsmarkt haben die Statistiker unter die Lupe genommen. Dort hat die Kurzarbeit viel abgefedert, und die Zahl der Erwerbstätigen ist im Juli bereits gegenüber Juni leicht gestiegen. Sie liegt aber noch um 450.000 Personen unter dem Vorkrisenniveau. 

    Wegen Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit haben viele Bundesbürger weniger verdient. Das sorgte im August für einen Einbruch beim GfK-Konsumklima: Dieser Kauflaune-Index sank nach drei Anstiegen in den Monaten davor.

    Der Konsum ist daher nach Aussage Braakmanns weniger eine Stütze als während der Finanzmarktrezession vor zehn Jahren. Und ein weiterer Unterschied zeigt sich: Damals verlief die Rezession langsamer: Der Absturz dauerte länger – und auch der Wiederaufschwung. Bleibt die große Frage, wie asymmetrisch das V bis zum Jahresende aussehen wird. Die August-Frühindikatoren zeigen: Fast alle Branchen erholen sich weiter – aber langsamer als im Juli.

    Mehr: So trotzt der deutsche Mittelstand der Krise

    Startseite
    Mehr zu: Konjunktur - Wachstum nach dem Corona-Schock: Fast alle Branchen sind auf Erholungskurs
    0 Kommentare zu "Konjunktur: Wachstum nach dem Corona-Schock: Fast alle Branchen sind auf Erholungskurs"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%