Chipkonzern: Infineon wächst weiter – und warnt vor Engpässen
Der Infineon-Chef legte an diesem Donnerstag zum letzten Mal die Quartalszahlen vor. Ende März hört der Manager nach knapp zehn Jahren an der Spitze des Chipkonzerns auf.
Foto: dpaMünchen. Ende gut, alles gut: Reinhard Ploss verabschiedet sich nach knapp zehn Jahren an der Spitze von Infineon mit sehr guten Zahlen. Der Umsatz im abgelaufenen Quartal sei um 20 Prozent auf rund 3,2 Milliarden Euro gestiegen, teilte der Dax-Konzern an diesem Donnerstag mit. Unterm Strich stand ein Gewinn von 457 Millionen Euro, 79 Prozent mehr als im selben Zeitraum des Vorjahrs.
Die operative Marge betrug 22,7 Prozent. Damit hat Deutschlands größter Chiphersteller seine eigene Prognose leicht übertroffen.
„Die Nachfrage nach unseren Produkten und Lösungen ist weiterhin sehr hoch“, sagte Ploss. Die Kapazitäten seien stark ausgelastet, Infineon baue sie schrittweise aus. Bei den Produkten, die Infineon selbst fertige, werde die Lieferfähigkeit im Laufe des Jahres steigen.
Insgesamt sei der Halbleiterbedarf aber nach wie vor deutlich höher als das Angebot. Die Kunden brauchen daher weiter viel Geduld. Ploss: „Wir rechnen damit, dass die Liefersituation in einigen Anwendungsbereichen noch weit in das Kalenderjahr angespannt bleiben wird.“ Es fehlt vor allem an Chips, die Infineon von Auftragsfertigern bezieht, sogenannten Foundries wie TSMC aus Taiwan.
Der 66-jährige Ploss gibt den Chefposten am 31. März auf. Für ihn übernimmt dann Jochen Hanebeck.
Der Produktionsvorstand von Infineon wird zum 1. April neuer Vorstandschef.
Foto: ReutersDer bisherige Produktionsvorstand braucht sich um das Geschäft wenig Sorgen zu machen, im Gegenteil: Es geht noch stärker aufwärts als erwartet. So erhöhte Ploss die Prognose für das laufende Geschäftsjahr, das am 30. September endet. Der Konzern rechnet nun mit einem Umsatz von 13 Milliarden Euro, das sind 300 Millionen mehr als bisher erwartet. Die operative Marge soll auf 22 Prozent steigen, ein Prozentpunkt mehr als im alten Plan. So profitabel war Infineon schon lange nicht mehr.
Die Infineon-Rivalen legen massiv zu
Nicht nur Infineon wächst stark, die gesamte Branche boomt. Die Digitalisierung des täglichen Lebens sowie die Elektromobilität sorgen für Rekordumsätze bei den Konzernen.
Die schärfsten Rivalen von Infineon haben in den vergangenen Tagen ebenfalls überzeugende Ergebnisse vorgelegt. So ist der Umsatz von NXP im vierten Quartal um gut ein Fünftel gestiegen, der Gewinn hat sich fast verdoppelt. Der Konzern aus Eindhoven ist hinter Infineon die Nummer zwei im Geschäft mit Autochips.
Für das laufende Quartal prognostiziert NXP-Vorstandschef Kurt Sievers gegenüber dem Vorjahr erneut ein Umsatzplus von etwa 20 Prozent. Ein Ende des Booms ist dem Manager zufolge nicht in Sicht: „Ich sehe im täglichen Umgang mit den Kunden, dass sie einen unglaublichen Appetit auf mehr Produkte haben.“
Beim italienisch-französischen Konkurrenten STMicroelectronics sind die Erlöse im jüngsten Quartal um zehn Prozent, der Gewinn um 29 Prozent. Zwischen Januar und Ende März sollen die Erlöse im Vergleich zum Vorjahr um etwa 20 Prozent steigen. Der Aufwärtstrend dürfte sich das gesamte Jahr so fortsetzen, glaubt CEO Jean-Marc Chery. Um die Bestellungen zügiger abzuarbeiten, will der Konzernherr dieses Jahr zwar rund die Hälfte mehr investieren als 2021. Über drei Milliarden Euro sollen in Neubauten und Fabrikerweiterungen fließen. „Aber diese zusätzlichen Kapazitäten sind bereits komplett vergeben“, sagte der Franzose.
Infineon hält an den für das laufende Geschäftsjahr geplanten Investitionen von 2,4 Milliarden Euro fest. Schwerpunkt sei der Ausbau der Fabriken, „um das erwartete Nachfragewachstum unserer Kunden mittelfristig weiter bedienen zu können“.