1. Startseite
  2. Meinung
  3. Kommentare
  4. Kommentar: Siemens ist einer der wenigen Kandidaten für die Champions League

KommentarSiemens ist einer der wenigen Kandidaten für die Champions League

Auf der Messe CES tritt CEO Busch in der Riege der großen Tech-Konzerne auf. Um sich in der Top-Liga weiter zu behaupten, muss er jetzt seine Strategie schärfen.Axel Höpner 06.01.2026 - 18:30 Uhr
Artikel anhören
Siemens-Chef Roland Busch: In den vergangenen zwölf Monaten hat die Aktie des Konzerns 25 Prozent an Wert gewonnen, in den vergangenen drei Jahren den Kurs fast verdoppelt. (Archivbild) Foto: Michael Matthey/dpa

Das Jahr hat schon einmal gut begonnen für Siemens-Chef Roland Busch. Auf der Tech-Messe CES durfte er am Dienstag auf großer Bühne gemeinsam mit Nvidia-CEO Jensen Huang zur Eröffnung eine Keynote halten. Anerkennung aus der Technologieszene tut gut in diesen unsicheren Zeiten.

In der deutschen Öffentlichkeit werden Position und Potenzial des Münchener Konzerns eher unterschätzt. Viele denken bei Siemens noch immer an Kühlschränke und Handys, die aus unterschiedlichen Gründen längst nicht mehr zum Portfolio gehören. Auch wenn manche nicht so recht wissen, was Siemens außer ICE-Zügen noch so macht: Das Traditionsunternehmen ist neben SAP, der Deutschen Telekom und Infineon einer der wenigen Tech-Konzerne in Deutschland von Weltrang.

Um das Potenzial auszuspielen und dauerhaft in der Champions League mit Nvidia und Co. mitzuhalten, muss sich Siemens in diesem Jahr aber noch weiter bewähren. Es gibt auch unter Investoren noch Skepsis über die neue „One Tech Company“-Strategie. Das zeigte der Kurseinbruch am Kapitalmarkttag im November. CEO Roland Busch muss seinen Kurs noch verständlicher erklären und die Strategie weiter schärfen.

Erste Erfolge gibt es bereits: In einem wahrlich schwierigen Umfeld erzielte der Dax-Konzern im vergangenen Geschäftsjahr den dritten Rekordgewinn in Folge. Vielleicht noch wichtiger: Das Kerngeschäft mit der Digitalisierung der Industrie könnte seine Schwächeperiode überwunden haben. Und die Aktie hat sich im Kalenderjahr 2025 mit einem Plus von mehr als 25 Prozent besser geschlagen als der Dax.

Und doch war der Kapitalmarkttag eine Enttäuschung mit Ansage. Über Monate hinweg hatte der Dax-Konzern die Erwartungen aufgebaut, bei vielen Fragen auf das Strategieevent verwiesen. Doch arg viel Konkretes zu verkünden hatte CEO Busch nicht.

Ein leicht erhöhtes Wachstumsziel und ein angekündigter Ausstieg bei den Healthineers, der sich hinziehen wird und noch Fragen offenlässt, reichten den Investoren an diesem Tag nicht. Das Handelsblatt hatte bereits im Sommer darauf hingewiesen, dass die Erwartungen von Investoren enttäuscht werden dürften.

Auch wenn Busch nun nachlegen muss und den Erfolg verstetigen: Eine Absage an die Strategie war die Börsenreaktion nicht. Am Tag vor dem großen Tag hatte die Aktie ein Allzeithoch von gut 250 Euro erreicht. Siemens war in den vergangenen Jahren eine Erfolgsgeschichte, auch die Einbußen am Kapitalmarkttag hat Siemens in den vergangenen Wochen zum guten Teil wieder wettgemacht.

Der Umbau der vergangenen Jahre, den Ex-CEO Joe Kaeser eingeleitet und den Busch mitentwickelt hatte, trägt Früchte. Siemens erzielt mehr als zehn Milliarden Euro Gewinn und wächst stabil. Während andere Konglomerate wie Thyssenkrupp orientierungslos durch die Krise mäandern, hat Siemens sich in weiten Teilen erfolgreich rechtzeitig auf zukunftsträchtige Kerngeschäfte konzentriert.

Auch die ausgegliederten Healthineers und Siemens Energy stehen heute gut da. Siemens ist ein erfolgreiches Transformationsprojekt – das jetzt auf die nächste Stufe gehoben werden muss.

Einer der wenigen Kandidaten für die Champions League

Für Deutschland und Europa ist ein Erfolg von Siemens und Busch wichtig. Im Konsumentenbereich ist das Rennen längst verloren. Doch hat Siemens eine reelle Chance, bei der Digitalisierung in der Industrie die führende Rolle zu spielen. Zeitweise sah es so aus, als könnten IT-Riesen aus den USA wie Microsoft mit Azure und Amazon mit AWS entscheidend ins Revier von Siemens vordringen.

Doch mussten auch sie erkennen, dass das sogenannte Domänen-Know-how – tiefes Branchenwissen mit den dazu notwendigen Daten – nicht so einfach zu gewinnen ist. Bislang konnte Siemens seine Position auf entscheidenden Feldern verteidigen oder sogar ausbauen, auf anderen mit Partnern kooperieren.

Lange hatte Siemens gehofft, seine superstarke Position in der Automatisierungstechnik auch auf dem Feld der Digitalisierung mit eher geschlossenen Systemen verteidigen zu können. Inzwischen hat der Konzern gelernt, dass es nur mit offenen Schnittstellen und Digitalplattformen wie dem Xcelerator geht. Busch steht für diese moderne Strategie der Partnerschaften und Kooperationen wie kaum ein anderer. Auf der CES hat er das Bündnis mit Nvidia noch einmal vertieft und neue KI-Technologien präsentiert.

Früh Künstliche Intelligenz integriert

Mit dem digitalen Zwilling hat Siemens früh die Grundlage für das industrielle Metaverse geschaffen und ist vor allem durch Zukäufe zum Weltmarktführer bei Industriesoftware aufgestiegen. Busch will nun noch stärker die verbliebenen Geschäfte zu einem integrierten Technologiekonzern zusammenschweißen und in neuen Branchen wie zum Beispiel der Medikamentenentwicklung Fuß fassen.

Von Megatrends wie dem wachsenden Stromhunger der Welt – unter anderem für Datenzentren und Elektroautos – und dem Druck, den Automatisierungsgrad in der Produktion weiter zu erhöhen und die in der Fertigung gewonnenen Daten besser zu nutzen, wird Siemens in den kommenden Jahren profitieren. Bei der Integration von Künstlicher Intelligenz ist Siemens vorn mit dabei. Vielleicht gelingt es Technologiechef Peter Körte ja wirklich, das prägende KI-Modell für die Industrie zu entwickeln.

Die Restskepsis der Investoren aber kommt nicht von ungefähr. In der Kernsparte Digital Industries droht der Konzern gegen neue Wettbewerber Marktanteile zu verlieren. Auch bei der neuen „One Tech Company“-Strategie sind noch viele Fragen offen. Busch muss erklären, wie er den Konzern konkret digital weiterentwickeln will.

Verwandte Themen
Siemens
Roland Busch
CES
Deutschland
Nvidia
Siemens Healthineers

Wenn ihm dies gelingt, werden auch die Investoren einen der erfolgreichsten Tech-Konzerne in Deutschland gern weiter begleiten.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt