Datenschutz: Telekom-Tochter soll in USA Millionenstrafe wegen Standortdaten-Skandal zahlen
San Francisco. T-Mobile soll systematisch die Standortdaten ihrer Kunden ausgewertet und weiterverkauft haben. Das wirft die Aufsichtsbehörde FCC der US-Tochter der Deutschen Telekom vor und verhängte am Montag eine Strafe in Höhe von 80 Millionen Dollar gegen den Netzbetreiber.
FCC-Chefin Jessica Rosenworcel erhob schwere Anschuldigungen gegen den Netzbetreiber. T-Mobile habe Zugriff auf sehr sensible Daten seiner Kunden. Anstatt dieser Verantwortung gerecht zu werden, habe das Unternehmen die heiklen Daten weiterverkauft. „Diese hässliche Praxis verstößt gegen das Gesetz“, sagte Rosenworcel.
Bereits 2018 sei das Unternehmen auf die illegale Praxis aufmerksam gemacht worden, habe aber dann nicht ausreichend reagiert, schrieb die FCC. T-Mobile war demnach nicht das einzige Unternehmen, das Standortdaten seiner Kunden weiterverkaufte. Auch die Rivalen AT&T und Verizon sollen ähnlich vorgegangen sein. Sie bekamen etwas geringere Strafen in Höhe von 57 Millionen Dollar und 47 Millionen Dollar. Auch der Netzbetreiber Sprint wurde mit einer Strafe belegt – T-Mobile hatte die Firma 2020 gekauft.
Die sensiblen Standortdaten seien mehrmals weiterverkauft worden. So seien sie in die Hände von „Kautionsagenturen, Kopfgeldjägern und anderen fragwürdigen Akteuren gelangt“, sagte Rosenworcel. Auch nachdem diese Praxis offengelegt wurde, hätten die Firmen weitergemacht, ohne angemessene Schutzmaßnahmen zu ergreifen, erklärte Rosenworcel.
Der Senatsabgeordnete Ron Wyden klagte am Montag: „Niemand, der einen Mobilfunkvertrag abschließt, denkt daran, dass er seiner Telefongesellschaft die Erlaubnis erteilt, eine detaillierte Aufzeichnung seiner Bewegungen an irgendwen, der eine Kreditkarte hat, zu verkaufen.“ In seinem Statement lobte Wyden das Vorgehen der FCC und sagte, es sei richtig, dass die Behörde „diese Unternehmen zur Rechenschaft gezogen hat, weil sie das Leben und die Privatsphäre ihrer Kunden aufs Spiel gesetzt haben“.
Alle drei Netzbetreiber kritisierten hingegen die Entscheidung der FCC. Eine Sprecherin von T-Mobile sagte auf Anfrage: „Diese Entscheidung ist falsch, und die Geldbuße ist überhöht. Wir beabsichtigen, sie anzufechten.“ T-Mobile habe vor fünf Jahren aufgehört, Standortdaten zu teilen, sagte die Sprecherin. Das wäre allerdings, ein Jahr nachdem die Praxis erstmals aufgedeckt worden war.
Der Skandal in den USA dürfte die Deutsche Telekom und Konzernchef Timotheus Höttges beschäftigen. Höttges betont stets, dass Datenschutz ein hohes Gut für Deutschlands größten Netzbetreiber ist.
Telekom verfügt über strenge Regeln zum Datenschutz
Die Deutsche Telekom war selbst für eine Überwachungsaffäre verantwortlich. Der Konzern hatte in den Jahren 2005 und 2006 Manager, Journalisten, Gewerkschafter und Mitglieder des Aufsichtsrats ausspionieren lassen. Anschließend hatte sich die Firma besonders strenge Regeln im Umgang mit sensiblen Kundendaten verordnet.
Über die gesetzlichen Vorgaben hinaus hatte sich die Telekom konzernübergreifende interne Regelungen zum Datenschutz verordnet. Nahezu alle Tochtergesellschaften haben die Konzernrichtlinien ratifiziert. Die größte Landesgesellschaft in den USA hat sich den Regeln jedoch nicht angeschlossen.
Die Deutsche Telekom teilte am Dienstag auf Handelsblatt-Anfrage mit, dass T-Mobile als einziger Netzbetreiber in den USA den California Customer Privacy Act (CCPA) anwende, das „schärfste US-Datenschutzgesetz“ – und das nicht nur im Bundesstaat Kalifornien, sondern landesweit.
Allerdings liegt das Datenschutzniveau in Kalifornien deutlich unterhalb der Datenschutzgrundverordnung in Europa. Die Telekom lässt es also zu, dass ihre wichtigste Landesgesellschaft nicht die strengen Regeln erfüllt, die für den Rest des Konzerns gelten.
Bereits vor zwei Jahren hatte der Konzern den Kurs verteidigt und argumentiert: "T-Mobile US kann und will sich nicht schlechter stellen als ihre amerikanischen Wettbewerber." Auf diese Aussagen verwies ein Sprecher nun erneut. Die Aussage lässt sich so verstehen: Die Telekom sieht in den USA einen so hohen Datenschutz als einen Wettbewerbsnachteil.