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Sennder-Gründer im InterviewAngel-Investor David Nothacker: „Unser erstes Investment passierte fast zufällig“

Der Sennder-Gründer wurde einst von Business-Angels vor der Insolvenz gerettet. Inzwischen hat er selbst in zehn Start-ups investiert.Christoph Kapalschinski 18.05.2021 - 03:51 Uhr Artikel anhören

Vom Gründer zum Investor.

Foto: Sennder

Düsseldorf. Herr Nothacker, wie sehr haben Ihnen selbst Kontakte zu Angel-Investoren beim Aufbau der Digitalspedition Sennder geholfen?
Es war die Investition eines Business-Angels, die uns in der frühen Phase vor der Insolvenz gerettet hat. Andere Gründer, wie die von Flixbus, haben uns nicht nur mit Kapital, sondern auch mit ihrer Erfahrung beim Aufbau und Wachstum von Sennder zur Seite gestanden und unterstützt. Es ist unklar, wie Sennder die erste Phase ohne Business-Angels und Gründer, die an uns geglaubt haben, gemeistert hätte. Meine Mitgründer Julius Köhler, Nicolaus Schefenacker und ich wissen also, dass auch ein kleineres „Ticket“ den Unterschied ausmachen kann. Das motiviert und lässt uns auch in unbequemen Zeiten weitermachen.

Was sind Ihre Motive dafür, als Gründer selbst zu investieren?
Wir investieren seit etwa zwei Jahren in die nächste Gründergeneration. Unser erstes Investment passierte damals fast zufällig. Einer unserer Investoren hat uns gefragt, ob wir eines seiner Start-ups unterstützend beraten können – mit der Option, selbst zu investieren. Das war unser erstes Investment. Es hat wahnsinnig Spaß gemacht – wir konnten aktiv unsere Erfahrung weitergeben, gerade aus den schwierigen Anfangsjahren. Inzwischen haben wir in zehn junge Unternehmen investiert. Darunter auch Gorillas, Schüttflix oder Cargo.one. Bei Cargo.one sitze ich mittlerweile auf der „anderen Seite“ im Advisory Board. Das unterstützt natürlich auch beim Umgang mit Investoren und dem Management-Board bei Sennder.

Sehen Sie in der zunehmenden Verflechtung der deutschen Gründerszene auch Risiken?
Natürlich gibt es auch Risiken, wenn ein Ökosystem beispielsweise nicht inklusiv ist. Aus meiner Sicht überwiegen aber aktuell die Vorteile der zunehmenden Vernetzung der deutschen Gründerinnen und Gründer. Deutschland braucht eine starke Gründerszene, um Innovationen weiter voranzutreiben. Durch den Austausch lernen wir voneinander, das Ökosystem wächst enger zusammen, man entdeckt neue Start-ups und investiert gemeinsam. Damit stärken wir langfristig den Tech-Standort Deutschland.

Welche Erfahrungen können Sie weitergeben?
Persönlich gebe ich dabei vor allem Erfahrungen aus den Phasen, in denen es mal nicht so gelaufen ist, weiter – und wie wir diese überwunden haben. Oder bei Themen, in denen institutionelle Investoren, die selbst nicht Gründer oder Gründerinnen waren, sich schwertun. Beispielsweise wie man Konflikte im Gründerteam löst, wie man Investoren und den Fundraisingprozess handhabt oder gerade auch Themen wie Vergütungspakete unter Gründern.

Bislang haben solche Netzwerke eine starke lokale Wirkung – in Deutschland etwa die starke Konzentration auf Berlin.
Das stimmt. Aktuell sind vor allem Netzwerke aus Business-Angels oder Frühphasen-Unternehmen sehr national oder auch regional angelegt. Netzwerke funktionieren oft sehr stark vertrauens- und personenbasiert. Der enge Austausch untereinander ist wichtig. In einer sogenannten Berlin- oder DACH-„Blase“ ist dies zunächst einfacher als auf internationaler oder globaler Ebene. Gerade für Investoren schaffen lokale Netzwerke aber auch immense Vorteile. Wenn ich in Übersee investieren möchte, bin ich mit Sitz in Berlin einfach nicht so nah dran – es ist schwerer, an gute Deals zu kommen.

Lässt sich das Netzwerk dennoch auf weitere Regionen ausweiten?
In Deutschland, vor allem in Berlin, wo wir unseren Hauptsitz haben, habe ich einen Überblick, was passiert. Insbesondere im Logistikbereich. Meine Mitgründer Julius Köhler, Nicolaus Schefenacker und ich schauen aber auch über den Berliner Tellerrand. In vielen Regionen in Deutschland und auch Europa, die noch unter dem Radar sind, gibt es interessante Start-ups und starke Gründerteams. Wir haben beispielsweise auch in Gütersloh (Schüttflix), Koblenz (Sdui) und Zürich (Archlet) investiert.

Bringen Ihnen die Erfahrungen aus solchen Angel-Investitionen auch etwas für ihren „Hauptjob“ bei Sennder?
Definitiv. Nach der Übernahme unserer Wettstreiter Everoad und Uber Freight Europe und dem Joint Venture mit Poste Italiane im letzten Jahr sind wir auf mittlerweile mehr als 840 Mitarbeiter an sieben europäischen Standorten angewachsen. In meinem Alltag als Gründer hilft mir dabei zum einen meine Erfahrung im Advisory Board von Cargo.one. Die Investorenperspektive einzunehmen ist sehr wertvoll, wenn es darum geht, die eigenen Investoren und das Management-Board von Sennder zu verstehen. Zum anderen inspirieren mich Unternehmen wie Gorillas, die innerhalb kürzester Zeit und mit massivem Tempo schnell und sehr fokussiert bereits die internationale Expansion angegangen sind. Der Einblick in rapide Skalierungsmethoden ist auch für unsere weiteren Expansionspläne bei Sennder spannend. Dazu kommt das Thema „Netzwerk stärken“.

Was meinen Sie damit konkret?
Durch meine Investitionen als Business-Angel bin ich näher mit unseren eigenen Investoren zusammengerückt. Einer unserer wichtigsten Investoren, Accel, hat selbst ein enges Netzwerk an Gründern, die Accel Starter. Seit letztem Jahr spüre ich für Accel Frühphasen-Start-ups auf – mit der Option, gemeinsam zu investieren.

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Herr Nothacker, vielen Dank für das Interview.

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