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Smartphone-Marke Xiaomi plant Europazentrale mit Hunderten Mitarbeitern in Deutschland

Der Hersteller aus China ist bereits zur drittwichtigsten Smartphone-Marke in Deutschland aufgestiegen. Nun will Xiaomi das Geschäft weiter ausbauen.
17.02.2021 - 03:47 Uhr Kommentieren
Der chinesische Technologiekonzern war vor Gericht erfolgreich. Quelle: AFP
Xiaomi-Filiale in Peking

Der chinesische Technologiekonzern war vor Gericht erfolgreich.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Der Zeitpunkt war denkbar ungünstig: Mitten in der Corona-Pandemie eröffnete der chinesische Smartphone-Hersteller Xiaomi im vergangenen Juli seinen ersten Flagshipstore in Deutschland. Im Dezember musste der Laden in der Düsseldorfer Altstadt aufgrund der Kontaktbeschränkungen bereits wieder schließen.

Dem Geschäft von Xiaomi hat das kaum geschadet. Ganz im Gegenteil: Nach starken Absatzzahlen will Deutschlandchef Alan Chen Li das Geschäft deutlich ausbauen. „Wir werden unsere Europazentrale in Düsseldorf errichten“, kündigte der Manager im Gespräch mit dem Handelsblatt an.

Ein genauer Zeitplan für den Aufbau der Europazentrale sei aufgrund der Corona-Pandemie schwer abzusehen. „Wir werden mit mehreren Hundert Mitarbeitern vor Ort sein“, kündigte Alan Chen Li an. Bereiche wie Logistik, Finanzen, Service und Marketing sollen künftig von Düsseldorf aus gesteuert werden. Für den Standort spreche die zentrale Lage in Europa.

Nur rund ein Jahr nach dem Deutschland-Start hat sich Xiaomi im abgelaufenen Quartal bereits als drittwichtigste Smartphone-Marke hierzulande etabliert. Hinter Samsung und Apple kam Xiaomi laut dem Marktforscher Canalys auf einen Marktanteil von zehn Prozent. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lege der Geräteabsatz um 140 Prozent zu.

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    In anderen EU-Staaten wie Spanien, Polen oder Kroatien ist Xiaomi bereits seit längerer Zeit die meistverkaufte Smartphone-Marke. Auch weltweit konnte Xiaomi im vierten Quartal kräftig zulegen. Insgesamt setzt Xiaomi 43,4 Millionen Geräte ab, das waren 31 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

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    Die ersten Plätze auf dem Smartphone-Weltmarkt dominieren weiterhin Apple und Samsung. „Das iPhone 12 ist ein Hit“, sagte Canalys-Analyst Vincent Thielke. Hinter Xiaomi folgen die chinesischen Rivalen Vivo und Oppo, die ebenfalls in Düsseldorf ihre Europazentralen aufgebaut haben.

    Für Xiaomi läuft es derzeit sehr gut. Bei der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen konnte der Konzern die Analystenerwartungen deutlich übertreffen. Im dritten Quartal 2020 steigerte er seinen Umsatz im Jahresvergleich um 35 Prozent auf 72 Milliarden Yuan, umgerechnet etwa 9,3 Milliarden Euro. Der Nettogewinn stieg um 18 Prozent auf rund 530 Millionen Euro.

    Monatlich nutzen 370 Millionen Anwender aktiv das Smartphone-Betriebssystem Miui, 26 Prozent mehr als im Vorjahr. Auf der Plattform für vernetzte Geräte wie Fitnessbänder oder Saugroboter waren es 290 Millionen aktive Nutzer, 36 Prozent mehr als im Vorjahr.

    Ein wichtiger Grund für das starke Wachstum war die Schwäche des Rivalen Huawei. Der chinesische Hersteller wurde von den USA mit Sanktionen belegt. Die Firma darf daher neue Smartphones nicht länger mit Google-Diensten wie Maps oder Youtube ausliefern.

    Gleichzeitig fehlt Huawei der Zugang zu Chips, die für die Produktion der Smartphones wichtig sind. Xiaomi habe die Schwäche von Huawei genutzt, um den eigenen Marktanteil auszubauen, folgerten die Analysten des Marktforschers IDG.

    Xiaomi gerät auf „schwarze Liste“ der US-Regierung

    Manager Alan Chen Li, der selbst mehrere Jahre für Huawei in Deutschland gearbeitet hatte, sieht sich jedoch nicht als Profiteur der Schwierigkeiten eines Konkurrenten. „Wir konnten unsere Kunden mit guten Produkten überzeugen“, sagte er.

    Allerdings ist auch Xiaomi beim Technologiestreit zwischen den USA und China nicht länger außen vor. Mitte Januar stufte das US-Verteidigungsministerium, damals noch unter Präsident Donald Trump, Xiaomi als „kommunistisch-chinesische Militärfirma“ ein. Das Ministerium forderte US-Investoren auf, bis spätestens November Anteile an dem Unternehmen abzustoßen.

    Xiaomi wehrt sich juristisch gegen den Schritt. Da es sich um ein laufendes Verfahren handele, wolle er sich dazu nicht äußern, sagte Alan Chen Li. Das Vorgehen der US-Regierung hat jedoch Spuren hinterlassen.

    Noch im Dezember feierte Xiaomi, endlich in den Klub der mit mehr als 100 Milliarden Dollar bewerteten Unternehmen aufgestiegen zu sein. Nach der Nachricht aus den USA im Januar gab der Kurs deutlich nach. Mittlerweile hat der Konzern bei der Börsenbewertung wieder zugelegt und steht bei einer Marktkapitalisierung von umgerechnet rund 96 Milliarden Dollar.

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    Klar ist: Xiaomi könnte tiefer in den Konflikt zwischen den USA und China gezogen werden. Im Gegensatz zu Huawei produziert die Firma jedoch vor allem Geräte für Endkunden, während Huawei auch Ausrüstung für kritische Infrastruktur wie Mobilfunknetze liefert. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass weitere Schritte der US-Regierung gegen Xiaomi folgen könnten.

    Der chinesische Technologiekonzern will sich jedoch nicht bremsen lassen, sondern den Fokus auf das Geschäft in Europa deutlich ausweiten. Mit den drei Netzbetreibern Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland arbeitet die Firma schon zusammen.

    Mit Telefónica („O2“) weitete Xiaomi zuletzt die Vertriebspartnerschaft aus. „Schon heute hat sich Xiaomi als die Nummer drei bei den O2-Hardwareverkäufen dank seines umfangreichen, innovativen und relevanten Portfolios etabliert“, begründete Telefónica den Schritt.

    Das Geschäft ist wichtig, weil Kunden häufig zusammen mit Mobilfunkverträgen leistungsstarke Smartphones zu vergünstigten Preisen kaufen. Mit dem Mi 11 hat Xiaomi zudem vor wenigen Tagen das neue Vorzeigegerät präsentiert. Es bietet einen ähnlichen Leistungsumfang wie Spitzengeräte von Samsung und Apple, kostet aber in der Variante mit 128 Gigabyte Speicher mit 799,90 Euro deutlich weniger als Konkurrenzprodukte der beiden Premiummarken, die weit über 1000 Euro verlangen.

    Smarte Endgeräte sollen Wachstum treiben

    Künftig will sich Alan Chen Li stärker auf Produkte jenseits der Smartphones in Deutschland konzentrieren. Die Firma hat über die Jahre eine breite Produktpalette entwickelt. Dazu zählen vernetzte Haushaltsgeräte wie Reiskocher oder Personenwaagen ebenso wie Drohnen oder auch Reisetaschen und Kinderspielzeug.

    Xiaomi hat laut eigenen Angaben mehr smarte Fitnessbänder verkauft als jede andere Firma der Welt. Gleiches gilt für E-Scooter. Der Xiaomi-Partner Ninebot hatte im Jahr 2015 den US-Rivalen Segway gekauft. Ebenso gehören Saugroboter, Luftfilter und kabellose Kopfhörer zu den häufig verkauften Produkten aus dem Xiaomi-Sortiment. Laut den jüngsten verfügbaren Quartalszahlen könnte der Konzern im dritten Quartal 2020 den Absatz mit vernetzten Geräten außerhalb Chinas um 56 Prozent steigern.

    Das Smartphone soll als Einstiegsgerät in den Xiaomi-Produktkosmos fungieren. Schon heute zählt die Firma 5,6 Millionen Nutzer, die fünf oder mehr Geräte mit der Xiaomi-Plattform verbunden haben. Das Konzept scheint aufzugehen.

    Dieses Prinzip will Alan Chen Li nach Deutschland bringen. „Viele Kunden wissen gar nicht, wie viele Produkte wir im Sortiment haben“, sagte der Deutschlandchef. Beim Verkauf setzt er auf mehrere Wege. Xiaomi betreibt einen eigenen Onlineshop für Deutschland. Gleichzeitig hat die Firma Partnerschaften mit großen Elektronikketten.

    Und auch mit Discountern arbeitet Xiaomi zusammen. Die Fitnessbänder und auch Handstaubsauger vertreibt das Unternehmen zum Beispiel auch über den Discounter Aldi.

    Streitthema Datenschutz

    Deutschlandchef Alan Chen Li kündigte an, das Thema Datenschutz werde eine große Rolle für das Unternehmen spielen. „Unser Prinzip ist, dass die Daten der Nutzer dort auf dem Markt bleiben, wo sie herkommen“, sagte der Manager. „Wir speichern die Daten von EU-Nutzern innerhalb der EU in Zusammenarbeit mit den wichtigsten Cloud-Dienstleistern Amazon, Microsoft und Alibaba Cloud.“

    In der Vergangenheit war Xiaomi bei dem Thema mehrfach in die Kritik geraten. Im vergangenen Jahr hatte der IT-Sicherheitsspezialist Gabriel Cirlig berichtet, jede mit dem Browser von Xiaomi besuchte Internetseite werde an einen von Alibaba in China gehosteten Server geschickt. Das gelte auch, wenn der Browser im Privatsphäremodus genutzt wurde, der für höchste Anonymität gedacht ist.

    Xiaomi hatte zunächst mitgeteilt, es handle sich um anonymisierte Statistiken oder um Funktionen zum Synchronisieren des Browserverlaufes. Wenige Tage später kündigte der Konzern ein Update der Software an, nach dem sich das Teilen der Daten abschalten lässt.

    Letztlich ist Xiaomi ein Technologiekonzern mit Hauptsitz in Peking. Die Firma ist damit chinesischen Sicherheitsgesetzen unterworfen. Die Staatsführung hatte zuletzt die Zugriffsmöglichkeiten für Sicherheitsbehörden im Land massiv ausgeweitet. Die Skepsis westlicher Behörden gegenüber Huawei stützte sich auch auf die Sorge, Peking könnte die Regeln einsetzen, um den Konzern zu Spionage zu zwingen.

    Anders als Huawei stellt Xiaomi keine kritische Infrastruktur bereit, sondern vor allem Geräte für Endkunden. Da Xiaomi jedoch eine modifizierte Version des Betriebssystems Android auf die Geräte aufspielt, besitzt der Konzern Zugriffsmöglichkeiten auf viele verkaufte Produkte. Das gilt jedoch ebenfalls für die meisten Geräte von US-Herstellern – diese fallen unter entsprechende US-Sicherheitsgesetze. Für Endkunden gibt es letztlich kaum Möglichkeiten, wirklich sichere Geräte zu kaufen.

    Mehr: „Kommunistisch-chinesische Militärfirma“: USA setzen Xiaomi auf schwarze Liste.

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