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Tech-Konzerne „Kommunistisch-chinesische Militärfirma“: USA setzen Xiaomi auf schwarze Liste

Das US-Verteidigungsministerium wertet Chinas Smartphone-Star als Gefahr und belegt die Firma mit Sanktionen. Peking kündigt Vergeltung an.
15.01.2021 Update: 15.01.2021 - 16:28 Uhr Kommentieren
Das Unternehmen ist mittlerweile die Nummer drei auf dem globalen Smartphone-Markt. Quelle: Reuters
Xiaomi-Logo in Peking

Das Unternehmen ist mittlerweile die Nummer drei auf dem globalen Smartphone-Markt.

(Foto: Reuters)

Frankfurt, Düsseldorf Nach Huawei ist auch der chinesische Technologiekonzern Xiaomi von der US-Regierung mit Sanktionen belegt worden. Das US-Verteidigungsministerium führt das Pekinger Unternehmen auf einer Liste „kommunistisch-chinesischer Militärfirmen“. Die Xiaomi-Aktie sackte daraufhin an der Hongkonger Börse um mehr als zehn Prozent ab. Auch für Papiere von Zulieferern ging es abwärts.

Die Sanktionen gegen Xiaomi gehen jedoch nicht so weit wie im Fall von Huawei. Während die US-Regierung den Netzausrüster weitgehend von Zulieferern abgeschnitten hat, wurden bei Xiaomi zunächst US-Investoren aufgefordert, bis spätestens November ihre Anteile abzustoßen. Neben Xiaomi stehen acht weitere chinesische Firmen auf der Liste (PDF-Dokument). Der Schritt gehört zu einer der letzten Maßnahmen von US-Präsident Donald Trump.

Ein Xiaomi-Sprecher widersprach gegenüber dem Handelsblatt der Einschätzung der US-Behörden. „Die Firma ist weder mit dem chinesischen Militär verbunden, noch gehört sie dem Militär oder wird vom Militär kontrolliert“, sagte er.

Die Firma bereite Gegenmaßnahmen vor, kündigte der Sprecher an, ohne nähere Details zu nennen. Xiaomi expandierte Ende 2019 nach Deutschland und hat im vergangenen Sommer einen Flagship-Store in Düsseldorf eröffnet.

Die chinesische Regierung verurteilte das US-Vorgehen. „Die chinesische Seite wird notwendige Maßnahmen ergreifen, um die Interessen chinesischer Unternehmen zu schützen“, sagte ein Sprecher des Außenministeriums.

Trump hat über die Jahre China als größte internationale Gefahr für die USA dargestellt und im Wahlkampf unter anderem ohne jegliche Belege behauptet, sein Konkurrent Joe Biden sei von Peking gekauft. Seine Regierung ging gegen diverse chinesische Unternehmen vor.

Am härtesten traf es dabei Huawei. Der Netzwerkausrüster und Smartphonehersteller verlor den Zugang zu US-Technologie – aufgrund des Vorwurfs, die chinesische Regierung könne ihn zur weitreichenden Kooperation zwingen. Huawei weist dies zurück.

Vor den Sanktionen setzte Huawei zum Sprung an die Weltmarktspitze beim Smartphone-Absatz an. Seit den US-Verboten kann der Konzern jedoch unter anderem keine neuen Modelle mit vorinstallierten Google-Diensten verkaufen. Diese sind aber extrem wichtig für Käufer im Westen. Der Absatz von Smartphones in China blieb zwar unbeschadet, doch weltweit etablierte sich zuletzt Xiaomi als Nummer drei im Markt nach Samsung und Apple.

Das US-Handelsministerium setzte auch Chinas drittgrößte staatliche Ölgesellschaft CNOOC auf eine schwarze Liste, die es US-Firmen deutlich erschwert, mit dem Unternehmen Geschäfte zu machen. Bereits im Dezember hatten die USA 60 weitere chinesische Firmen mit Beschränkungen belegt.

Xiaomi ist mit dem Verkauf günstiger, aber technisch hochgerüsteter Smartphones im Internet groß geworden. Inzwischen hat die Firma auch alle möglichen vernetzten Geräte vom Fernseher bis hin zum Reiskocher im Angebot.

Auswirkungen für internationale Investoren

Dass Anleger aus den USA künftig nicht mehr in Wertpapiere des Unternehmens investieren dürfen, bedeutet für internationale Investoren einen großen Einschnitt. Seit Mitte November war die Aktie um über 26 Prozent gestiegen, seit Januar 2020 sogar um insgesamt über 130 Prozent. Nun dürfte der Aufwärtstrend zumindest gedämpft werden.

Auch für Investoren außerhalb der USA hat das Vorgehen Trumps Konsequenzen. Sogenannte ADRs, mit denen Anleger im Ausland Xiaomi-Wertpapiere handeln können, brachen zwischenzwischenzeitlich um über zehn Prozent ein. Diese American Depositary Receipts sind auf US-Dollar lautende Aktienzertifikate oder Hinterlegungsscheine, die eine bestimmte Anzahl von Aktien eines ausländischen Unternehmens verkörpern und an ihrer Stelle an US-Börsen gehandelt werden können.

Außerdem verloren auch die Aktien wichtiger Xiaomi-Zulieferer am Freitag: FIH Mobile, ein Unternehmen, das bei der Montage von Smartphones hilft, fiel nach einer starken Rally in den letzten Tagen um fast 14 Prozent. Die Aktien der Zulieferer Largan Precision, Sunny Optical Technology und AAC Technologies Holdings gaben ebenfalls nach. Laut Kredithändlern haben sich die Spreads für Xiaomis Dollar-Anleihen am Freitag um bis zu 60 Basispunkte erhöht.

Finanzanalysten vor Ort zeigten sich von der Entscheidung überrascht. So beschrieb Kevin Chen von der Hongkonger Wertpapierhandelsfirma China Merchants Securities die Neuigkeit als „sehr überraschend“. Viele Investoren dürften laut Chen nun Gewinne aus der Rally des vergangenen Jahres einstreichen. Dennoch erklärt er, dass die Rückgänge an der Börse „von kurzer Dauer“ sein könnten und dass für Xiaomi kein fundamentaler Schaden entstehen dürfte.

Trump hatte seit dem Sommer auch versucht, einen Verkauf zumindest des US-Geschäfts der populären Video-App Tiktok an amerikanische Investoren zu erzwingen. Die chinesische Regierung torpedierte die Pläne jedoch mit Ausfuhrbeschränkungen für Software. Ungeachtet dieses Fiaskos setzte Trumps Regierung Anfang Januar jedoch an, acht weitere Apps aus dem US-Markt zu drängen, darunter die in China populären Bezahldienste Alipay und Wechat Pay.

In der Schlussphase von Trumps Amtszeit nahm seine Regierung bereits mehrere größere Weichenstellungen in der Außenpolitik vor, die Biden vor vollendete Tatsachen setzen. So wurde vor wenigen Tagen Kuba wieder auf die US-Terrorliste gesetzt. Im Jemen nahm die US-Regierung die Huthi-Rebellen, einen Verbündeten des Irans in dem Bürgerkriegsland, ins Visier. Zuvor hatte Washington etwa überraschend die Hoheit Marokkos über die Westsahara anerkannt.
Mit Agenturmaterial

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