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Tech-Konzern„Hässlich und peinlich“ – Apples KI-Krise spitzt sich zu

Trotz großer Ankündigungen kann Apple die neue KI-Assistentin Siri bislang nicht ausliefern. Intern wächst nun offenbar der Frust. Die Probleme kommen für den Konzern zur Unzeit.Philipp Alvares de Souza Soares 15.03.2025 - 03:12 Uhr Artikel anhören
Apple-Logo in New York: Der Konzern zieht mit überzogenen Marketingversprechen Aufmerksamkeit auf sich. Foto: Bloomberg

San Francisco. Apples Probleme mit der Auslieferung von neuen, auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierenden Funktionen für seine wichtigsten Produkte sind offenbar größer als bislang bekannt.

So berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag, dass unklar sei, wann die bereits im vergangenen Juni angekündigte KI-Version der Sprachassistentin Siri auf den Markt kommen werde. Die Software, hieß es, sei bislang zu fehleranfällig.

Apple hatte den Start ursprünglich für April dieses Jahres vorgesehen und ihn vor Kurzem zunächst auf Mai und dann auf 2026 verschoben. Bloomberg zufolge räumte der für die Überarbeitung von Siri verantwortliche Manager Robby Walker nun intern ein, dass selbst dieser vage Zeitpunkt nicht zwingend feststehe. Offenbar funktioniert die neue Technologie in lediglich 80 Prozent der Fälle zuverlässig.

Die Verzögerungen seien „hässlich und peinlich“, soll Walker gesagt haben. Die Entscheidung des Managements, die Technologie öffentlich zu bewerben, bevor sie einsatzbereit war, habe die Situation noch verschlimmert.

Ein Apple-Sprecher wollte sich gegenüber dem Handelsblatt nicht konkret dazu äußern. Die „personalisierte Siri“ werde später starten, sagte er und verwies auf ein vorheriges Statement, das der Konzern einem US-Blog gegeben hatte. Darin schreibt Apple, dass eine Auslieferung im kommenden Jahr erwartet werde.

KI-Siri sollte Kern von „Apple Intelligence“ werden

Eine personalisierte, grundsätzlich überarbeitete Version von Siri war eines der wesentlichen Marketingversprechen, die Apple-Chef Tim Cook im vergangenen Juni mit dem neuen iPhone 16 verknüpft hatte. Die Assistentin wurde als Kern von „Apple Intelligence“ inszeniert, der neuen Konzern-KI, die künftig in alle wesentlichen Produkte einziehen sollte. Der Kurs der Apple-Aktie erreichte daraufhin ein neues Rekordhoch.

Der Konzern hatte die Sprachassistentin Siri vor 13 Jahren eingeführt. Apple war damals mit der Technologie ein Pionier – auch wenn sie maßgeblich von einem gleichnamigen Start-up entwickelt worden war, das der Konzern damals aufgekauft hatte.

Mittlerweile gilt das System als langsam und fehleranfällig. Alternativen wie Amazons Alexa bieten erheblich mehr Funktionen. Auf Smartphones des Konkurrenten Samsung bietet Googles KI-Assistent Gemini zudem bereits heute Fähigkeiten, die Apple bislang nur beworben hat – zum Beispiel die Verknüpfung von Nutzerdaten über die Grenzen von Apps wie Mail, Kalender und Fotos hinweg.

Mithilfe von Apple Intelligence sollte sich das ändern. So kündigte Craig Federighi, Senior Vice President für Softwareentwicklung bei Apple, auf der Entwicklerkonferenz WWDC im Juni 2024 eine Siri an, die auch komplizierte Fragen versteht oder verkettete Nachfragen verarbeiten kann.

Apple-Chef Tim Cook bei der WWDC 2024: Es ist sehr ungewöhnlich für Apple, eine Verspätung einzuräumen. Foto: Getty Images News/Getty Images

Da der Assistent nun den „persönlichen Kontext“ berücksichtige, seien erheblich sinnvollere Antworten und Funktionen möglich, sagte Federighi damals. So wisse Siri in der Regel etwa, wer der Ehemann einer Nutzerin sei, wie er aussehe und wann er Geburtstag habe. Diese Daten, hieß es, wolle man nun auf sichere Weise nutzbar machen. Siri werde vom „Sprach- zum Geräteassistenten aufgewertet“, sagte seinerzeit John Giannandrea, der bei Apple die KI-Strategie verantwortet. Entsprechend hoch war der Erwartungsdruck.

Apple weicht von eigenen Standards ab

„Es ist sehr ungewöhnlich für Apple, die Verspätung eines Produkts anzukündigen“, schrieb der einflussreiche Blogger John Gruber vergangenen Freitag. Der Konzern würde deshalb in der Regel Produkte, die noch nicht fertig seien, gar nicht erst vorstellen.

Offenbar sah sich das Management im Fall Siri gezwungen, von den eigenen Standards abzuweichen. Ein Grund dürfte die hohe Wettbewerbsintensität unter den Tech-Konzernen gewesen sein. Während Google, Meta und Microsoft bereits eigene KI-Modelle oder Assistenten vorgestellt hatten, stand Apple bis zur Ankündigung auf der WWDC 2024 ohne eigenen Ansatz da.

Apple-Manager Craig Federighi: Siri wurde als Kern von „Apple Intelligence“ inszeniert. Foto: AFP

Selbst Amazon, das den Technologiesprung zu sogenannten großen Sprachmodellen (Large Language Models, LLMs) zunächst ebenfalls verpasst hatte, gelang mittlerweile der Anschluss. Dank der Partnerschaft mit dem KI-Start-up Anthropic konnte Chef Andy Jassy Ende Februar in New York eine runderneuerte KI-Version seiner Assistentin Alexa vorstellen. Auch Alexas Renaissance war lange von Fehleranfälligkeit und Verzögerungen geprägt. Nun soll die neue Plus-Version noch im März auf den Markt kommen.

Die Verzögerungen kommen für Apple zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Vor allem aufgrund von Absatzproblemen in China verkaufte der Konzern im letzten Quartal weniger iPhones als im Vorjahr – trotz neuer Modelle und der groß angelegten Werbekampagne für Apple Intelligence.

Chinesischen Kunden sind KI-Funktionen besonders wichtig, so Marktforscher. Doch auf eine Integration von heimischen Anbietern müssen sie nach wie vor warten. Apples Partner OpenAI ist in China nicht verfügbar. Die Verzögerungen bei Siri vergrößern den Abstand zu heimischen Konkurrenten wie Xiaomi oder Huawei nun abermals.

China ist Apples wichtigster Produktionsstandort

Apple leidet zudem unter den neuen Zöllen, die US-Präsident Donald Trump auf Einfuhren aus China eingeführt hat. Auch wenn der Konzern zuletzt versucht hatte, Fabriken in Ländern wie Indien oder Vietnam auszubauen, ist die Volksrepublik nach wie vor Apples wichtigster Produktionsstandort.

230
Millionen
verkaufte iPhones erwartet Erik Woodring für 2025.

Analysten beginnen die Probleme bereits einzupreisen und sehen für das laufende Jahr geringere Verkaufszahlen voraus als bislang. Erik Woodring von Morgan Stanley geht für 2025 nun etwa nur mehr von 230 Millionen verkauften iPhones aus. Im Vergleich zum Vorjahr wäre das eine Stagnation – statt des zunächst erwarteten Wachstums. Das Kursziel für die Apple-Aktie korrigierte er entsprechend nach unten.

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Sein Kollege Dan Ives von Wedbush Securities bleibt hingegen optimistisch. Aufgrund der engen Beziehung zu seinen Kunden werde Apple das KI-Zeitalter dominieren – trotz der jüngsten Probleme. Wedbush geht davon aus, dass mittelfristig 20 Prozent der Weltbevölkerung KI über ein Apple-Gerät nutzen werden. Apple werde „gewinnen, so oder so“, sagte Ives am Freitag.

Deutsche Nutzer kommen bislang gar nicht in den Genuss von Apples neuen KI-Funktionen. Erste Teile von Apple Intelligence – etwa Textzusammenfassungen oder Formulierungshilfen – sollen „im April“ freigeschaltet werden. Auf ein konkretes Datum will Apple sich bislang nicht festlegen.

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