Bilanzcheck: Zwischen Traumurlaub und Albtraum: Zinslast gefährdet das Comeback von Tui
Die Anleger hoffen, dass der Konzern nach dem Ende von Corona zu alter Stärke zurückkehren wird.
Foto: HandelsblattDüsseldorf. Die Bilanz des Reiseveranstalters Tui, die die Aktionäre am Dienstag auf der Hauptversammlung vorgelegt bekommen, liest sich wie das Zahlenwerk eines frisch gegründeten Start-ups: Für jeden Euro Umsatz legte die Firma aus Hannover im abgelaufenen Geschäftsjahr 52 Cent obendrauf. Am Ende stand für 2020/21 ein Verlust von annähernd 2,5 Milliarden Euro.
Die seit Jahresbeginn per Kapitalerhöhung und Stille Einlagen bereitgestellten Eigenmittel, in Summe 1,6 Milliarden Euro, verbrannten vollständig. Auch eine weitere Kapitalerhöhung über 1,1 Milliarden Euro, die Anfang November 2021 und damit wenige Tage nach dem Bilanzstichtag ins Unternehmen flossen, dürfte schon wieder aufgebraucht sein. Denn CEO Fritz Joussen rechnet von Oktober bis Dezember saisonal bedingt mit einem Cash-Verbrauch von rund einer Milliarde Euro.
Die Aktionäre des von der Coronapandemie schwer angeschlagenen Touristikkonzerns schwanken zwischen Traumurlaub und Albtraum. Joussen wird ihnen zur virtuellen Hauptversammlung voraussichtlich erneut ein negatives Eigenkapital präsentieren müssen.
Was bedeutet: Würde der Tui-Konzern nach den aktuellen Buchwerten in Einzelteile zerschlagen und verkauft, wären die Aktien faktisch wertlos.