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Duales System DeutschlandDie Übernahme des Grünen Punkts ist für Remondis riskant

Deutschlands größter Abfallentsorger greift nach dem mächtigen Verpackungsverwerter. Die Wettbewerbshüter könnten das allerdings noch verhindern.Christoph Schlautmann 27.09.2018 - 17:06 Uhr Artikel anhören

Der Kauf des Dualen Systems durch Remondis könnte noch am Bundeskartellamt scheitern.

Foto: picture alliance / Keystone

Düsseldorf. Zweieinhalb Stunden nach Mitternacht war es so weit. Vor Sonnenaufgang unterzeichneten die Verhandlungspartner am Donnerstag einen Kaufvertrag, für dessen Verhandlung sie sich zwei Jahre Zeit gelassen hatten.

Danach übernimmt Deutschlands größter Abfallentsorger Remondis, eine Tochter des 7,3 Milliarden Euro Umsatz schweren Familienkonzerns Rethmann aus dem westfälischen Lünen, das Duale System Deutschland (DSD) zu einem ungenannten Preis. Insider schätzen die Kaufsumme, die an die Finanzfirmen HIG Capital und Bluebay sowie an mehrere Top-Manager um den CEO Michael Wiener zu zahlen ist, auf 200 bis 250 Millionen Euro.

Doch die Übernahme ist brisant – und könnte nach Meinung von Experten in den kommenden sechs Monaten von den Kartellbehörden noch gekippt werden. Grund ist das Geschäftsmodell des DSD, das vielen geeignet erscheint, Wettbewerber von Remondis aus dem Markt zu drängen.

Gegründet worden war der einstige Monopolist als Konsequenz der Verpackungsverordnung von 1991. Sie hatte bestimmt, dass jeder Gewerbebetrieb Verpackungen zurücknehmen muss, die er in Verkehr bringt. Weil es aber Aldi oder Saturn kaum zuzumuten war, riesige Mülltonnen vor der Kasse aufzubauen, übernahm das DSD – zunächst als Non-Profit-Organisation – die Abwicklung.

Das Duale System versprach Herstellern und Händlern, die den Grünen Punkt bei ihm kostenpflichtig zeichnen, vereinbarte Abfallmengen über gelbe Tonnen und Säcke einzusammeln. Den Job übernimmt das DSD seither nicht selbst, sondern über Abfallfirmen, die man beauftragt. Bezahlt werden sie aus den Lizenzzahlungen der Konsumgüterfirmen für den Grünen Punkt.

Doch schon zehn Jahre nach Gründung brachte das DSD die EU-Wettbewerbskommission gegen sich auf, weil sie in der Grüne-Punkt-Organisation einen gigantischen Selbstbedienungsladen der Entsorgungswirtschaft sah.

Der Grund: Abfallkonzerne wie Rethmann und Tönsmeier zählten damals zu den DSD-Gesellschaftern, was sie in die Lage versetzte, eigenen Firmen lukrative Entsorgungsverträge zuzuschanzen. Erst als die Kartellwächter drohten, das DSD komplett zu untersagen, verkauften Rethmann & Co. 2003 ihre Anteile an der Verpackungsmüll-Gesellschaft.

Entsprechend heikel könnte daher nun der Wiedereinstieg werden. Viele mittelständische Entsorger hätten sich in der Vergangenheit an Ausschreibungen des DSD beteiligt, berichtet Eric Rehbock, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE).

„Die Zeche wird der Verbraucher zahlen“

„Mit der DSD-Übernahme aber wird ihr Hauptkonkurrent Remondis gleichzeitig auch Auftraggeber“, moniert er und warnt: „Das kann nur zu einer weiteren Marktkonzentration führen. Die Zeche wird früher oder später der Verbraucher zahlen.“

Kaum anders sieht es Patrick Hasenkamp, Vizepräsident des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU). Schlössen sich Remondis und DSD zusammen, kritisiert er, könnten sich beide gegenseitig mit maßgeschneiderten Angeboten versorgen und damit den Preis für die Verpackungsentsorgung beeinflussen, den die Verbraucher zahlen. „Der VKU wünscht sich einen gründlichen und äußerst kritischen Blick der Kartellwächter auf diese Übernahme“, kommentiert er den Vertragsabschluss.

Was die Kartellwächter freilich milder stimmen könnte als 2001: Seit 15 Jahren muss das DSD Wettbewerber neben sich dulden. Acht weitere duale Verpackungssysteme, darunter Belland Vision, Reclay und Interseroh, haben den Marktanteil des einstigen Monopolisten inzwischen unter 40 Prozent gedrückt. Remondis selbst spricht sogar nur von 28,5 Prozent im Marktsegment Leichtverpackungen, der BVSE schätzt den DSD-Anteil auf rund 35 Prozent.

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Im Hause Rethmann zeigt man sich daher optimistisch, den Deal bei den Kartellbehörden durchzubekommen. Denn auch die französischen Abfallkonzerne Suez und Veolia, die beide umsatzstärker seien als man selbst, betrieben mit „Belland Vision“ und „Veolia Dual“ Grüne-Punkt-Konkurrenten in Deutschland. Zudem habe die mächtige Schwarz-Gruppe („Lidl“, „Kaufland“) angekündigt, mit der Neugründung „Pre Zero Dual“ selbst in das Geschäft einzusteigen.

Bis vor vier Jahren hatte es Remondis selbst mit einer Neugründung („Eko-Punkt“) versucht, das erfolglose Geschäft aber aufgegeben. Der Zukauf DSD dagegen ist profitabel. Bei 561 Millionen Euro Umsatz kam 2016 ein Betriebsgewinn (Ebit) von 21,4 Millionen Euro zusammen.

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