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WirtschaftsprüferDeloitte wächst, bleibt aber auf Distanz zu PwC

Die Gesellschaft profitiert vom klassischen Geschäft mit Wirtschaftsprüfung. Nach einer Delle zieht aber auch das Beratungsgeschäft wieder an. Was Deloitte jetzt plant.Bert Fröndhoff 18.11.2025 - 14:14 Uhr Artikel anhören
Bürogebäude von Deloitte: Das Beratungsunternehmen verstärkt den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Foto: Imago [M]

Düsseldorf. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte legt trotz der Wirtschaftskrise in Deutschland weiter zu. Allerdings kann das Unternehmen das Wachstumstempo der vergangenen beiden Jahre mit zweistelligen Prozentwerten nicht beibehalten.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2024/25 (zum 31. Mai) erzielte Deloitte in Deutschland einen Umsatz von 2,71 Milliarden Euro, 4,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Deutschlandchef Volker Krug zeigte sich vor dem Hintergrund der insgesamt schwachen Konjunktur dennoch zufrieden.

„Wir haben ein robustes Ergebnis erzielt und verzeichnen einen guten Start in das neue Geschäftsjahr“, sagte er bei der Vorlage der Bilanz am Dienstag. „Ich bleibe optimistisch, auch wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen noch nicht zwingend den Rückenwind geben, den wir uns alle wünschen.“

Deloitte-Chef Krug setzt mehrere Schwerpunkte, um im laufenden Jahr wieder stärker zulegen zu können.

Ein Fokus liegt dabei auf dem Beratungsgeschäft, das im abgelaufenen Geschäftsjahr bei Deloitte mit 2,4 Prozent auf 1,28 Milliarden Euro Umsatz überraschend schwach gewachsen ist. Laut Krug hatten sich die Kunden ab Mitte 2024 bei Neuaufträgen vorsichtig gezeigt.

Seit Anfang 2025 ziehe das Consultinggeschäft aber wieder an und sei aktuell in einer starken Verfassung. Nachgefragt würden große Projekte der Unternehmen zur Digitalisierung und Umstellung auf Cloud-Technologien. Besonders ausgeprägt sei dieser Trend bei Kunden aus den Bereichen Banken und Versicherungen, dem öffentlichen Sektor, Energie und Chemie sowie bei Versorgern.

PwC bestätigte vor wenigen Wochen bei der Ergebnisvorlage, dass der Beratungsmarkt anziehe. Beide Prüfer stellen fest: Große Transformationsprojekte, etwa zum digitalen Umbau und zur Einführung von Künstlicher Intelligenz, werden von den Kunden vorangetrieben. Vielerorts ist dies mit dem Umbau der Organisation und Kostensenkungen verbunden. Bei den nicht drängenden, kleineren Projekten sparen die Firmen aber Berater ein.

Der direkte Konkurrent und Marktführer PwC ist im gleichen Zeitraum stärker gewachsen und legte 8,5 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro zu. Der Vergleich basiert auf den Umsatzzahlen, die sich aus dem aktuellen Transparenzbericht von PwC ergeben. Der Marktführer kann damit Angreifer Deloitte auf Distanz halten.

Ein weiterer Branchentrend: Neben dem Digital Consulting drängt auch Deloitte in den Wachstumsmarkt Rüstung und Sicherheit – als Berater der öffentlichen Hand, also Bundeswehr und Behörden, sowie der Privatwirtschaft. Man werde sich in dem Segment demnächst auch personell noch einmal deutlich verstärken, sagte Krug. Deloitte prüft den führenden deutschen Rüstungsproduzenten Rheinmetall.

Der Deloitte-Chef will den Fokus auf Künstliche Intelligenz bei Deloitte vorantreiben, bei Beratungsprojekten ebenso wie in der internen Organisation. In Deutschland hat Deloitte im vergangenen Geschäftsjahr rund 25 Millionen Euro in die Entwicklung von KI-Technologie sowie in die Aus- und Weiterbildung der Belegschaft investiert – mehr als doppelt so viel wie 2023/24.

„Alles, was bei uns mit KI erstellt wird, muss am Ende von Menschen überprüft werden“, sagte Krug. Deswegen sei für ihn entscheidend, dass die gesamte Belegschaft KI-Technologie akzeptiert und selbstverständlich einsetzt. „Wer das nicht tut, wird es im Job künftig schwer haben.“

Deloitte-Deutschlandchef Volker Krug: Die Gesellschaft will keine Finanzinvestoren an Bord holen. Foto: Deloitte

Das gilt auch für das klassische Geschäft mit Wirtschaftsprüfung, in dem KI mittlerweile einfache Tätigkeiten wie Belegmanagement bis hin zur Analyse großer Datenmengen übernimmt. Die Prüfungssparte war bei Deloitte im abgelaufenen Geschäftsjahr der Wachstumstreiber: Sie wuchs um elf Prozent auf 718 Millionen Euro Umsatz.

Darin spiegeln sich die zahlreichen Mandatsgewinne von Deloitte bei Abschlussprüfungen im Dax 40 wider. Die Gesellschaft ist mit neun Mandaten der zweitgrößte Bilanzprüfer in dem Segment hinter PwC. Allerdings wird Konkurrent KPMG im kommenden Jahr durch neue Wechsel gleichziehen.

Neue Investitionen plant Deloitte auch im Geschäft mit der Übernahme von Funktionen, die Unternehmen auslagern. Dabei geht es um komplette Prozesse wie Steuererklärungen und andere Finanzfunktionen. Vor allem mittelgroße deutsche Firmen treiben dieses Outsourcing seit einiger Zeit voran, wodurch sich für die Prüfer ein neues Wachstumsgeschäft auftut.

Munition von Rheinmetall auf einer Ausstellung: Deloitte prüft den führenden deutschen Rüstungsproduzenten. Foto: Getty Images

Klar ist für Deloitte: Die weitere Expansion soll allein aus eigener Kraft finanziert werden. Eine Beteiligung von Finanzinvestoren, wie es kleinere Wettbewerber planen, sei bei Deloitte kein Thema, unterstrich Krug. So hat sich auch PwC positioniert.

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Private-Equity-Firmen haben sich in den vergangenen Monaten bei zahlreichen kleineren und mittelgroßen Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern eingekauft. Den bisher größten Deal markiert die Mehrheitsübernahme von Grant Thornton Deutschland durch den Finanzinvestor Cinven. Mit dem Kapital der neuen Anteilseigner rüsten sich die Dienstleister für den eigenen technologischen Umbau und für weitere Übernahmen.

„Ich bewerte die Entwicklung ganz neutral“, sagte der Deloitte-Deutschlandchef mit Blick auf die Private-Equity-Engagements. „Jedes Unternehmen muss für sich selbst entscheiden, ob eine solche Beteiligung und Konstellation passt.“

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