Wirtschaftsprüfer: „Ohne internationales Netzwerk keine Chance“ – Aus Warth-&-Klein wird Grant Thornton
Der Wirtschaftsprüfer führt die Düsseldorfer Gesellschaft als Vorstandschef seit 2019.
Foto: Warth & Klein Grant ThorntonGut drei Wochen noch prangen die Namen der beiden Gründer auf dem Firmenschild, dann ist Schluss. Die Düsseldorfer Prüfungsgesellschaft Warth & Klein, Nummer zehn auf dem deutschen Markt, benennt sich um. Unter dem neuen Namen Grant Thornton will CEO Michael Häger die Firma ins nächste Rekordjahr führen.
Grant Thornton ist das internationale Wirtschaftsprüfer-Netzwerk, dem Warth & Klein bereits seit einigen Jahren angehört. Bislang zeigte dies nach außen der erweiterte Firmenname, jetzt rückt es komplett in den Vordergrund. „Für unsere Wachstumsstrategie ist die Zugehörigkeit zu Grant Thornton einer der wichtigsten Hebel“, sagt Häger im Gespräch mit dem Handelsblatt.
Einen kräftigen Sprung nach vorn hat Warth & Klein schon im Geschäftsjahr 2021 (zum 30.9.) gemacht, wie die am Mittwoch veröffentlichten Zahlen zeigen. Der Umsatz legte um 15 Prozent auf 169 Millionen Euro zu. Mit einem rein organischen Wachstum von elf Prozent zeigten sich die Düsseldorfer stärker als die größten Wettbewerber und als der Gesamtmarkt in dem schwierigen Pandemiejahr.
Für die 1958 gegründete Warth & Klein war es das beste Jahr der Firmengeschichte. Zugelegt haben alle Bereiche von der Prüfung über Steuerberatung bis zum Consulting. Doch das Stammgeschäft mit Bilanztestaten stach mit einem Zuwachs von 17 Prozent heraus. Die Firma machte sich als neutraler Gutachter für den Insolvenzverwalter von Wirecard und Grenke AG auch in der Öffentlichkeit bemerkbar.
Jetzt haben die Düsseldorfer weitere Großmandate im Visier, vor allem unter den international tätigen deutschen Mittelständlern, aber auch bei den börsennotierten Konzernen bis hin zum Dax 40. So hat sich Warth & Klein 2021 schon um den renommierten Abschlussprüferauftrag von SAP beworben – zwar erfolglos, aber: „Wir behalten die Dax-Unternehmen weiter im Visier“, sagt Häger.
Lesen Sie mehr zur Entwicklung der großen Prüfungsgesellschaften
- Nach dem Wirecard-Skandal: „Big Four“ investieren Milliarden in digitale Prüfungstechnik
- Deloitte gewinnt Telekom – und wird zum Schwergewicht der Abschlussprüfer im Dax
- Wie die „Big Four“ der Wirtschaftsprüfer durch die Pandemie kommen
- Äußerst knapper Wahlsieg: Was nun auf die neue PwC-Deutschlandchefin zukommt
Mit der Zugehörigkeit zu Grant Thornton will Warth & Klein im Wettbewerb mit PwC, EY, KPMG und Deloitte mithalten können. Denn egal, aus welchem Segment die Kunden kommen: Im Zuge der eigenen Globalisierung verlangen Unternehmen auch von ihren Wirtschaftsprüfern starke internationale Präsenz. Wer die nicht nachweist, wird heute selbst von Mittelständlern schon zu Beginn der Auswahlverfahren ausgesiebt.
„Ohne internationales Netzwerk haben Wirtschaftsprüfer heute keine Chancen bei den großen Unternehmen“, sagt Häger. Warth & Klein kooperiert schon seit 2000 mit anderen Landesgesellschaften von Grant Thornton und ist seit 2011 exklusives deutsches Mitglied in dem sechstgrößten Prüfer-Netzwerk.
Organisatorisch ändert sich zwar nichts: Warth & Klein bleibt auch unter dem neuen Namen eine eigenständige Firma, die den 62 Partnern gehört. Doch die Zusammenarbeit soll vertieft werden, auch personell. So will die Firma dem begehrten Wirtschaftsprüfer-Nachwuchs mehr Auslandseinsätze in seiner Karriere bieten.
Doch es geht auch um mehr Schlagkraft. Auf alle großen Prüfungsgesellschaften kommen in den nächsten Jahren hohe Investitionen in die digital gesteuerte Abschlussprüfung zu. Künstliche Intelligenz und Datenanalyse sollen die Testate von Bilanzen schneller und sicherer machen.
Weil es noch kein „Microsoft für die Bilanzprüfung“ gibt, entwickeln die Prüfungsgesellschaften eigene Softwarelösungen für die digitale Abschlussprüfung. Die „Big Four“ stecken Milliarden in dieses Geschäft, kleinere Gesellschaften können die Investitionen allein kaum stemmen.
Dafür wollen die Mitgliedsfirmen von Grant Thornton, die zusammen 2021 auf einen Umsatz von rund sieben Milliarden Dollar (mehr als sechs Milliarden Euro) kamen, ihre Kräfte bündeln. „Die Digitalisierung der Prozesse wird nicht nur bei den Kunden, sondern auch bei Prüfungsunternehmen selbst in diesem Jahr einen kräftigen Schub bekommen“, erwartet Häger.