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KPMG, EY, PwC, DeloitteWie die „Big Four“ der Wirtschaftsprüfer durch die Pandemie kommen

Die letzten der großen Prüfungsgesellschaften haben ihre Jahresbilanz vorgelegt. Das im Wirecard-Skandal belastete EY überrascht dabei besonders.Bert Fröndhoff 20.12.2021 - 16:14 Uhr Artikel anhören

Die Beratungsgeschäfte wachsen schon wieder mit zweistelligen Raten.

Foto: Reuters

Düsseldorf. Die vier großen Wirtschaftsprüfer in Deutschland haben die Coronazeit bisher weitgehend unbeschadet weggesteckt und gehen gestärkt aus dem Pandemiejahr 2021. Derzeit wachse das Geschäft vor allem in der Unternehmensberatung schon wieder mit zweistelligen Raten, heißt es unisono bei den „Big Four“. Dazu zählen die Unternehmen PwC, EY, KPMG und Deloitte.

Am Montag legten mit KPMG und EY die letzten beiden großen Prüfungsgesellschaften ihre Ergebnisse vor. Bei der vom Wirecard-Skandal stark belasteten EY zeigte sich zwar ein leichter Umsatzrückgang von 1,5 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro.

Dies habe aber an Pandemie-Sondereffekten gelegen, ohne die EY in dem Ende Juni beendeten Geschäftsjahr leicht gewachsen wäre. Ausgerechnet in der unter öffentlichem Beschuss stehenden Prüfungssparte legte EY mit sechs Prozent Wachstum im Spartenvergleich am stärksten zu.

Corona-Sondereffekte zeigten sich auch bei den übrigen der „Big Four“. Während der Pandemie sind die Berater kaum noch zu Kunden gereist und haben auf virtuelles Arbeiten umgestellt. Die sonst den Klienten in Rechnung gestellten Reisekosten fehlten somit im Umsatz und führten so zu Rückgängen, obwohl das Volumen der Aufträge selbst stabil blieb.

Die Nummer drei Branche, KPMG, ist mit der Pandemie den Zahlen zufolge am besten zurechtgekommen. Vorstandssprecher Klaus Becker zeigte sich am Montag hochzufrieden mit dem Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr. Der Umsatz legte um drei Prozent auf 1,99 Milliarden Euro zu. Ebenso wie bei EY ist dieses Ergebnis unbereinigt, also inklusive der negativen Corona-Sondereffekte.

Bei KPMG zeigte sich deutlich eine Verlagerung von der angestammten Abschlussprüfung hin zu den Beratungsgeschäften. Die Gesellschaft dominierte lange Zeit die Abschlussprüfung im Dax, muss aber im Vergleich der „Big Four“ die meisten Mandate wegen der gesetzlich vorgeschriebenen Rotation abgeben.

Das führte im abgelaufenen Geschäftsjahr im klassischen Prüfergeschäft zu einem Umsatzrückgang von vier Prozent auf 634 Millionen Euro. Verloren hat KPMG Großmandate wie das der Deutschen Bank mit allein 58 Millionen Euro Honorar. Neu gewonnen wurden zuletzt Commerzbank und Puma.

An die Unternehmen, die KPMG nicht mehr prüfen darf, tritt die Firma als Berater heran – offenbar mit Erfolg: Die Consultingsparte legte 2020/21 um neun Prozent auf 773 Millionen Euro zu. KPMG wächst damit in diesem Geschäft deutlich stärker als die Konkurrenten. Allerdings haben diese ihr Geschäftsjahr schon im Juni beendet. Deswegen sind bei ihnen mehr Krisenmonate aus 2020 und weniger Wachstumsmonate aus diesem Jahr in den Ergebnissen enthalten.

ESG-Themen werden zum großen Wachstumstreiber

Neben den klassischen Themen wie der digitalen Transformation und Cybersecurity buchten die Kunden bei KPMG vor allem Dienstleistungen für Nachhaltigkeit. Die sogenannten ESG-Themen erweisen sich für alle großen Prüfungsgesellschaften zum neuen Wachstumstreiber. Dabei geht es um Umweltschutz, Diversität im Management und gute Unternehmensführung. Die Prüfungsgesellschaften mischen hier gleich an mehreren Stellen mit.

Schon heute erstellen zahlreiche Unternehmen aufwendige Nachhaltigkeitsberichte, die von ihren Wirtschaftsprüfern abgezeichnet werden. Ab dem Geschäftsjahr 2023 werden diese Berichte für geschätzt 15.000 deutsche Unternehmen zur Pflicht – so sieht es eine im Entwurf vorliegende EU-Richtlinie vor. Bei Kunden, die sie nicht prüfen, sind die Gesellschaften als Berater für Messung, Analyse und Controlling von Nachhaltigkeitskennzahlen engagiert und gestalten die Strategien mit.

Dieses Geschäft bauen die „Big Four“ immer mehr aus. KPMG wird weltweit in den nächsten drei Jahren rund 1,5 Milliarden Euro ins ESG-Geschäft investieren, vor allem in Technologie und Spezialisten. PwC baut derzeit globale Kompetenzzentren zu wichtigen ESG-Themen wie Klima, Nachhaltigkeitsrisiken und Lieferketten auf.

In Deutschland konnte PwC seine Marktführerschaft verteidigen. Das Unternehmen kam 2020/21 auf einen Umsatz von rund 2,35 Milliarden Euro, rund ein Prozent mehr als im Vorjahr. Darin sind aber die coronabedingt nicht entstandenen Reisekosten fiktiv eingerechnet. Nimmt man die unbereinigten Zahlen, so ergibt sich ein leichter Rückgang in ähnlicher Größenordnung wie bei EY.

KPMG-Chef Becker hält wenig davon, fiktive Reisekosten in die Bilanz einzurechnen. „Wir können ja gar nicht absehen, wie stark wir künftig noch reisen werden“, sagte er. In der Pandemie hat die virtuelle Zusammenarbeit mit den Kunden für alle Beratungshäuser gut funktioniert. Die Projektarbeit per Videokonferenz hat sich etabliert.

Die Nummer vier Deloitte setzt stark auf die virtuelle Zusammenarbeit mit den Kunden und geht davon aus, dass die in Rechnung gestellten Reisekosten dauerhaft niedriger bleiben. Der Effekt hat bei Deloitte im Ende Juni abgelaufenen Geschäftsjahr zu einem Umsatzrückgang von acht Prozent geführt.

Zahlen zeigen keinen Vertrauensverlust in EY

Bei EY wiederum zeigt sich ein anderes Bild als bei KPMG: Die Gesellschaft wächst am stärksten in der Abschlussprüfung, während in der Beratung wegen der beschriebenen Coronaeffekte der Umsatz um sieben Prozent zurückging. Ein Vertrauensverlust gegenüber EY wegen der Vorwürfe einer mangelhaften Prüfung beim Skandalkonzern Wirecard ist aus den Zahlen nicht herauszulesen.

„Unter anderem aufgrund des Gewinns einer ganzen Reihe von großen Mandaten sind wir in der Wirtschaftsprüfung nachhaltig sehr gut ausgelastet“, sagte Jean-Yves Jégourel, Co-Vorsitzender von EY in Deutschland, am Montag.

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Zwar hat EY das wichtige Mandat der Deutschen Telekom im Zuge des Wirecard-Skandals verloren. Doch die Deutsche Bank hat sich zuletzt hinter EY gestellt und will die Gesellschaft weiter als Abschlussprüfer mandatieren. Entscheiden wird darüber die Hauptversammlung.

EY erwartet fürs laufende Geschäftsjahr ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich. KPMG-Chef Becker wollte auch mit Blick auf mögliche neue Beschränkungen im Zuge der Coronapandemie keine konkrete Prognose abgeben. Doch er ließ durchblicken, dass wie bei den „Big Four“ insgesamt auch im eigenen Haus die Beratungseinheiten derzeit boomen und mit zweistelligen Raten zulegen.

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