1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Handel + Konsumgüter
  4. Fleisch: Clemens Tönnies zieht sich im Poker um Vion-Schlachthöfe zurück

FleischClemens Tönnies zieht sich im Poker um Vion-Schlachthöfe zurück

Das Kartellamt untersagte der Premium Food Group, drei Rinderschlachthöfe von Vion zu übernehmen. Nun überlässt Deutschlands größter Schlachter überraschend Westfleisch das Feld.Katrin Terpitz 17.11.2025 - 20:37 Uhr Artikel anhören
Clemens Tönnies: Der Miteigentümer der Premium Food Group steigt aus dem Übernahmekampf um Vion-Schlachthöfe aus. Foto: picture alliance/dpa

Düsseldorf. Beim Übernahmekampf um die Vion-Rinderschlachthöfe in Süddeutschland gibt es erneut eine unerwartete Wende. Unternehmer Clemens Tönnies hat angeboten, den Kaufvertrag mit Vion zu lösen – verknüpft mit der Zusage von Wettbewerber Westfleisch, die Standorte zu übernehmen.

„Die Hängepartie muss ein Ende haben“, sagte der geschäftsführende Gesellschafter der Premium Food Group am Montag auf dem Herbstdialog des Bayerischen Bauernverbands in Herrsching. Auch Westfleisch-Chef Wilhelm Uffelmann saß auf dem Podium.

„Wenn du hier vor versammelter Mannschaft versprichst, dass du die drei Betriebe übernimmst, treten wir mit sofortiger Wirkung von dem Vertrag mit der Vion zurück“, sagte Tönnies. Darauf antwortete Uffelmann: „Gut, dann machen wir das.“ Zuerst hatte das „Bayerische Wochenblatt“ berichtet.

„Westfleisch hält Wort und ist bereit, gemeinsam mit Vion an einer tragfähigen Lösung im Sinne der bayerischen Landwirtschaft zu arbeiten“, teilte die Münsteraner Genossenschaft am Abend auf Anfrage des Handelsblatts mit. Vion bestätigte, sich mit der Premium Food Group in den vergangenen Tagen abgestimmt zu haben, „wie der Weg für andere potenzielle Interessenten freigemacht werden kann“.

Wilhelm Uffelmann: Der Vorsitzende von Westfleisch bietet sich als Vion-Käufer an. Foto: Westfleisch

Der niederländische Großschlachter Vion will sich aus Deutschland zurückziehen, wo er Marktführer bei Rind ist. Mit der Premium Food Group, vormals Tönnies-Gruppe, schloss Vion einen Kaufvertrag über die drei Schlachthöfe Crailsheim, Buchloe und Waldkraiburg und weitere Geschäfte. Damit wäre Deutschlands größter Schweineschlachter auch zum führenden Rinderschlachter aufgestiegen.

Kartellamt verbot Tönnies die Übernahme

Doch die oberste Wettbewerbsbehörde hatte die Übernahme im Juni nach monatelanger Prüfung untersagt. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, begründete das Verbot so: „Die Übernahme der Vion-Standorte hätte die Marktposition von Tönnies zum Nachteil der Landwirte und der verbleibenden kleineren Wettbewerber in den betroffenen Regionen bedenklich verstärkt.“

Tönnies zeigte sich enttäuscht. Das Unternehmen aus Ostwestfalen klagte vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf gegen das Übernahmeverbot. Auch eine Ministererlaubnis von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) fasste der Fleischkonzern ins Auge.

Westfleisch bot sich überraschend als Käufer an

Im Juli hatte dann überraschend Konkurrent Westfleisch Interesse an der Übernahme der drei Vion-Schlachthöfe bekundet, wie das Handelsblatt berichtete. Die Genossenschaft, Nummer zwei im deutschen Schlachtmarkt, war im vorangegangenen Bieterkampf um Vion nicht aktiv.

Westfleisch-Vorstandschef Uffelmann und Aufsichtsratschef Jochen Westermann schrieben in einem Brief an Ministerin Reiche: „Die Übernahme der Vion-Standorte durch Tönnies würde den Wettbewerb in Deutschland erheblich beschränken.“ Da Westfleisch ausschließlich im Nordwesten Standorte betreibe, sei die Genossenschaft ein „wesentlich besser geeigneter Erwerber als Tönnies“.

Fleisch

Kampfansage an Tönnies – Westfleisch will Vion-Schlachthöfe kaufen

Nach dieser Kampfansage von Westfleisch ging auch Clemens Tönnies in die Offensive: „Wir werden um die Vion-Standorte kämpfen – und alle rechtlichen Mittel ausschöpfen.“

Nun machte Tönnies eine Kehrtwende. Die Premium Food Group hätte weiterhin gute Chancen gesehen, über eine Entscheidung beim OLG oder eine mögliche Ministererlaubnis zum Zuge zu kommen. Allerdings wäre dadurch noch mehr wertvolle Zeit verloren gegangen. Der Unternehmer klagte über ständige „Störfeuer“. Zum Rückzug erklärt er: „Hier geht es nicht um Tönnies. Hier geht es um Bayern und die bayerischen Bauern.“

Vion-Schlachthof: Die Niederländer wollen sich aus Deutschland zurückziehen. Foto: picture alliance / dpa

Westfleisch begrüßte auf Anfrage des Handelsblatts die Entscheidung der Premium Food Group, die „Hängepartie zur Restrukturierung der süddeutschen Schlachthofstruktur zu beenden“. Damit würde für Vion der Weg für neue Gespräche freigemacht.

Auch Anbieter aus dem Ausland haben Interesse an Vion

Ob Westfleisch am Ende die Vion-Standorte übernimmt, ist keineswegs ausgemacht. Da die Genossenschaft erst jetzt für die Vion-Schlachthöfe bietet, kennt sie nicht einmal die Zahlen. „Da uns eine detaillierte Einsicht in die Unterlagen bislang nicht möglich war, können wir derzeit noch keine konkreten Aussagen treffen“, sagt Westfleisch.

Auch Fleischproduzenten aus Irland, Frankreich und Österreich sollen Branchenkreisen zufolge Interesse an den Vion-Schlachthöfen haben. Sie sollen schon in der ersten Bieterrunde aktiv gewesen sein. Vion teilte am Montag mit: „Einige Interessenten haben sich bereits gemeldet. Wir werden alle ernst gemeinten Vorschläge sorgfältig prüfen.“

Auch für die Viehhalter und -vermarkter kam der Rückzieher von Clemens Tönnies überraschend. Dies sagte Sebastian Brandmaier, Geschäftsführer der Viehvermarktungsgenossenschaft (VVG) Bayern, dem Handelsblatt. „Jetzt werden die Karten neu gemischt.“

Letztlich werde der Preis entscheiden, wer bei den Vion-Schlachthöfen zum Zuge komme. Ein deutscher Käufer sei nicht von Nachteil, aber nicht zwingend, sagte Brandmaier. Tönnies hatte vor ausländischen Käufern gewarnt: „Wir laufen in Deutschland in eine Unterversorgung mit Fleisch.“

Verwandte Themen
Deutschland
Bayern

Die VVG vermarktet 100.000 Rinder im Jahr von Landwirten an Schlachter. Viele Viehhalter in Bayern hätten ihre Investitionen wegen der Hängepartie um Vion zurückgestellt. Es müsse endlich Klarheit geben, wie es mit den Schlachthöfen weitergehe, sagte Brandmaier.

Die Premium Food Group, vormals Tönnies, erwirtschaftete 2024 einen weltweiten Umsatz von 7,8 Milliarden Euro. Mit 4,2 Milliarden Euro Umsatz im Heimatmarkt ist sie laut „Lebensmittelzeitung“ der größte Lieferant des deutschen Lebensmitteleinzelhandels. Die Genossenschaft Westfleisch machte 2024 einen Umsatz von 3,4 Milliarden Euro.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt