Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Luftfahrt Airlines warnen in Coronakrise vor dem Kollaps – Auch Condor prüft Antrag auf Staatshilfe

Fluggesellschaften reduzieren drastisch ihr Angebot und fordern Hilfe. Easyjet verzichtet auf eine Geschäftsprognose, Ryanair schließt auch den Stopp des Betriebs nicht aus.
16.03.2020 Update: 16.03.2020 - 19:41 Uhr Kommentieren
Coronavirus: Airlines warnen in der Krise vor dem Kollaps Quelle: AFP
Easyjet-Maschine

Das Unternehmen verzichtet für 2020 vorerst auf einen Ausblick.

(Foto: AFP)

London Die Coronakrise bringt weltweit Fluggesellschaften in existenzielle Schwierigkeiten. Der Ferienflieger Condor braucht wegen des Geschäftseinbruchs womöglich erneut Staatshilfe nach der Thomas-Cook-Pleite. „Wir prüfen die Beantragung von Staatshilfen zur weiteren Unterstützung“, sagte eine Sprecherin am Montag. Wegen des starken Rückgangs der Flüge durch die um sich greifenden Reisebeschränkungen sei die Airline auch in Gesprächen, um Kurzarbeit einzuführen.

Easyjet-Chef Johan Lundgren warnte kurz zuvor, dass es keine Garantie gebe, dass die europäischen Airlines einen möglicherweise langfristigen Reisestopp und die Risiken einer langsamen wirtschaftlichen Erholung überleben werden. Es sei „koordinierte staatliche Unterstützung erforderlich“, um die Existenz der Unternehmen zu sichern.

Mit seinen Forderungen ist Airline-Manager Lundgren nicht allein: Lufthansa will vorbeugend mit den Regierungen in den Heimatländern der Airlines über eine mögliche Unterstützung sprechen, sofern diese nötig werden sollte, hatte CEO Carsten Spohr zuvor in einer internen Botschaft erklärt. Zudem richteten die drei Verbände Star Alliance, Oneworld und Skyteam, zu denen fast 60 Fluggesellschaften zählen, einen öffentlichen Appell an die Regierungen.

Aufgrund enormer geschäftlicher Schäden wegen des neuartigen Coronavirus wollen US-Fluggesellschaften Staatshilfen im Volumen von über 50 Milliarden Dollar (45 Mrd Euro) beantragen. Die rapide Ausbreitung des Virus belaste die Branche in beispielloser Weise, teilte die Lobbygruppe Airlines for America am Montag in Washington mit. Es wäre das erste Mal seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001, dass die US-Luftfahrtbranche in größerem Stil Staatshilfen erhält.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Airlines for America fordert 25 Milliarden Dollar an sofortiger Nothilfe zur Liquiditätssicherung und mittel- bis langfristig weitere 25 Milliarden an Nullzins-Krediten oder Kreditgarantien für Passagierfluggesellschaften. Zusätzliche insgesamt rund acht Milliarden Dollar seien für Frachtfluganbieter nötig. Darüber hinaus macht sich die Organisation, die alle großen US-Fluglinien vertritt, für weitere Subventionen etwa in Form von Steuernachlässen stark.

    Durch die Corona-Pandemie können sich die Einnahmen der globalen Fluggesellschaften nach Hochrechnungen des Branchenverbands IATA, die noch vor dem US-Bann erstellt wurden, im Jahr 2020 um bis zu 113 Milliarden Dollar reduzieren.

    Die Krise wird nach Einschätzung der Beratungsgesellschaft Capa zu einer riesigen Pleitewelle in der internationalen Luftverkehrswirtschaft führen. Ende Mai dürften die meisten Airlines der Welt zahlungsunfähig sein, schreibt das Unternehmen am Montag. Die Folgen des Virus und die vielfältigen Reiseeinschränkungen hätten bereits jetzt zahlreiche Gesellschaften in die technische Insolvenz getrieben.

    Daniel Röska, Branchenexperte beim Analysehaus Bernstein, rechnet damit, dass die meisten EU-Airlines dem Beispiel der chinesischen Gesellschaften folgen und ihren Flugplan um mindestens 70 bis 80 Prozent zusammenstreichen, alle Ausgaben verschieben und die Dividenden kürzen müssen.

    Die großen europäischen Fluggesellschaften dürften die Krise laut seiner Einschätzung überleben, kleinere womöglich nicht. Auch wenn viele Airlines bereits ihr Angebot reduzierten, um Kosten zu sparen, hätten viele Röska zufolge deutlich schneller auf die Coronakrise reagieren müssen.

    Easyjet mit starker Bilanz

    Trotz der Krise verwies Easyjet am Montag auf seine zuletzt starke Bilanz. Man habe 1,6 Milliarden Pfund in der Kasse, man habe eine Kreditlinie von 500 Millionen Dollar nicht in Anspruch genommen und nicht mit Schulden belastete Flugzeuge im Wert von über vier Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2022 stünden keine Umschuldungen an, und man befinde sich in laufenden Gesprächen mit Liquiditätsanbietern, „die um unsere starke Bilanz und unser Geschäftsmodell wissen“.

    Wegen der Ungewissheit über die weitere Entwicklung sei es aber nicht möglich, eine Prognose zur Entwicklung des Geschäfts in diesem Jahr abzugeben, räumte Easyjet ein. Es sei möglich, dass ein Großteil der Flotte am Boden bleibe. Wenn möglich wolle man aber weiterhin Rettungs- und Rückführungsflüge durchführen, um Passagiere nach Hause zu bringen.

    Auch die Holdinggesellschaft IAG, zu der unter anderem die Fluggesellschaften British Airways (BA) und Iberia gehören, verkündete am Montag weitere Maßnahmen: Flugzeuge würden am Boden bleiben, nicht unbedingt notwendige Investitionen in die IT verschoben und Arbeitszeiten verkürzt.

    In den vergangenen Wochen seien die Buchungen „erheblich zurückgegangen“, sagte IAG-Chef Willie Walsh. Es sei damit zu rechnen, dass das bis weit in den Sommer so bleibe. Im April und Mai werde man wohl drei Viertel des Angebots streichen – ähnlich wie Lufthansa. Der Konzern teilte am Montagmittag mit, dass ab Dienstag nur noch zehn Prozent der Langstreckenflüge und 20 Prozent der Flüge in Europa stattfinden werden.

    Handelsblatt Morning Briefing - Corona Spezial

    Ryanair betonte ebenfalls in einer Stellungnahme die finanzielle Stärke, warnte aber gleichfalls davor, dass man womöglich in den kommenden Tagen die meisten seiner Maschinen am Boden lassen müsse. Das Management erwartet nach eigenen Angaben, die Sitzkapazität in den kommenden beiden Monaten um 80 Prozent zu reduzieren.

    Die österreichische Ryanair-Tochter Lauda stellt ihren Flugbetrieb vorübergehend komplett ein. Wegen der raschen Ausbreitung des Virus sowie der Ein- und Ausreisebeschränkungen der Regierungen ruhe das Lauda-Flugprogramm bis 8. April um Mitternacht, teilte die Laudamotion GmbH am Montagnachmittag mit. Betroffene Kunden können umbuchen oder ihr Geld zurückfordern.

    Angesichts der Herausforderungen hat Walsh seine privaten Pläne geändert: Ursprünglich wollte sich der 58-Jährige in diesem Monat in den Ruhestand verabschieden. Seine Nachfolge war bereits geregelt, der bisherige Iberia-Chef Luis Gallego sollte aufrücken, seinen Posten sollte Vueling-Manager Javier Sanchez übernehmen. Doch nun werden die drei vorerst auf ihren jeweiligen Posten bleiben.

    Mit Agenturmaterial

    Mehr: Lesen Sie die aktuellen Entwicklungen in der Coronakrise in unserem Newsblog.

    Startseite
    0 Kommentare zu "Luftfahrt: Airlines warnen in Coronakrise vor dem Kollaps – Auch Condor prüft Antrag auf Staatshilfe"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%