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Tengelmann verkauft an Edeka „Wir sehen keine Perspektive mehr“

Knaller im Lebensmitteleinzelhandel: Die Tengelmann-Gruppe verkauft ihre Supermärkte an den Konkurrenten Edeka. Gesellschafter Haub sieht keine Perspektive mehr, das Geschäft seines Vaters fortzuführen.
07.10.2014 Update: 07.10.2014 - 12:17 Uhr 1 Kommentar
Erivan Haub hatte Tengelmann zu einem großen Konzern ausgebaut. Nun wird das Traditionsgeschäft – die Supermarktkette Kaiser's – verkauft. Quelle: Imago

Erivan Haub hatte Tengelmann zu einem großen Konzern ausgebaut. Nun wird das Traditionsgeschäft – die Supermarktkette Kaiser's – verkauft.

(Foto: Imago)

Düsseldorf Die Supermärkte der Tengelmann-Gruppe wechseln den Besitzer. Nach Informationen des Handelsblatts gehen die Kaiser's-Supermärkte an den Konkurrenten Edeka. In einem Statement kündigte Tengelmann an, die Supermarkttochter Kaiser's Tengelmann zum 30. Juni 2015 an Edeka abzugeben. Zum Verkaufspreis äußerte sich das Unternehmen nicht. Darüber haben die beiden Vertragspartner Stillschweigen vereinbart. Die kartellrechtliche Zustimmung steht noch aus.

Bereits im Sommer hatte das Mülheimer Handelshaus angekündigt, sein defizitäres Supermarktgeschäft zu überprüfen. „Das Ergebnis der Analyse ist auf schmerzliche Weise eindeutig“, sagt Karl-Erivan Haub, Geschäftsführender und persönlich haftender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Tengelmann. „Wir sehen leider keine Perspektive mehr, unsere Supermärkte aus eigener Kraft zu einem profitablen Unternehmen zu machen.“

Es begann mit Kolonialwaren...
Tengelmann's Kaffee-Geschaeft / Foto - -
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Im Jahr 1867 gründen der Kaufmann Wilhelm Schmitz und seine Ehefrau Louise, geborene Scholl, in Mülheim an der Ruhr die Schokoladenfabrik Wissoll und bald darauf einen Kolonialwarenhandel - seit fünf Generationen liegt das international agierende Imperium inzwischen in den Händen der Familie.

(Das Foto stammt aus den 20er Jahren und zeigt Angestellte)

(Foto: akg-images)
huGO-BildID: 5752567 Eriwan Haub, 1969
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Der Urenkel Erivan Haub, der 1932 zur Welt kommt, macht eine Lehre als Großhandelskaufmann in den USA, studiert in Hamburg und Mainz Volkswirtschaftslehre, volontiert bei Banken - unter anderem bei der Commerzbank - und in der Immobilienbranche, ehe sich 1963 ein Platz bei Tengelmann in Wiesbaden für ihn findet. Im Jahr 1969 tritt Erivan Haub die Nachfolge seines Onkels, der plötzlich verstorben ist, an und beginnt mit der gezielten Expansion durch die Übernahme mehrerer Handelsketten.

(Foto: Pressefoto Tengelmann Gruppe)
huGO-BildID: 29158806 mehr Foto-Infos gibt es nicht! USO Golfturnier, rechts Helga Haub, Tengelmann Wiesbaden 19xx
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Helga Otto (rechts) wächst mit ihren Eltern Irma und Rudolf Otto sowie drei Geschwistern im südbadischen Emmendingen und Hinterzarten (Schwarzwald) auf. Nach dem Abitur schreibt sie sich in Hamburg für Wirtschaftswissenschaften ein – damals ein Fach, in dem Frauen noch eine Rarität sind.

(Foto: Privataufnahme)

(Foto: Tengelmann)
huGO-BildID: 29158780 mehr Foto-Infos gibt es nicht! Privataufnahme, 1984, links Erivan Haub, rechts Helga Haub, Tengelmann
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1958 heiratet der Amerika-Fan Erivan Haub die Diplomkauffrau Helga. Als in den fünfziger Jahren der Kalte Krieg zu eskalieren droht, schafft sich die Familie ein zweites Zuhause in Tacoma bei Seattle an der Westküste; hier kommen zwischen 1960 und 1964 alle drei Söhne, Karl-Erivan, Georg und Christian, zur Welt.

(Foto: Provataufnahme aus dem Jahr 1984)

(Foto: Tengelmann)
Tengelmann-Gruppe
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In den folgenden Jahrzehnten baut Erivan Haub den überschaubaren Betrieb zu einem der weltweit größten Handelsunternehmen aus.

(Foto: dpa)
China, Shenyang: German home department store "Obi"
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Im Jahr 2000 wagt der Unternehmer die Expansion nach China und eröffnet den ersten Obi-Baumarkt. Zwei Jahre später träumt er von 100 Filialen im Reich der Mitte, doch 2005 muss Obi seine 18 Märkte wieder verkaufen, weil sie keine schwarzen Zahlen schreiben.

(Foto: Antonio Pisacreta/ROPI)
huGO-BildID: 2469409 NUMBER :96122706 DATE :19 12 96 CAPTIONWRITER :WvB PHOTOGRAPHER :¬ Wolfgang von Brauchitsch 53113 Bonn Tel.: 0228 21 53 08 C
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Der Auslistung von Froschschenkeln und Schildkrötensuppe Anfang der 80er Jahre verdankt das Unternehmen seine Pionierrolle im Umweltschutz und gleichzeitig sein einprägsames Umweltzeichen.

(Foto: )

Kaiser's besitzt nach Angaben von Tengelmann lediglich einen Marktanteil von 0,6 Prozent. Die Supermarktkette betreibt 451 Filialen in Deutschland und beschäftigt knapp 16.000 Mitarbeiter. Tengelmann selbst gibt einen Nettoumsatz von 1,8 Milliarden Euro aus.

Nach Unternehmensangaben hat sich die Familie Haub lange „gegen einen Verkauf des Traditionsgeschäftsfeldes gesträubt“, hieß es in einem Statement. „Zu erkennen, dass der Verkauf unseres Supermarktunternehmens letztlich unausweichlich wurde, war für meine Familie und mich persönlich sehr schwer“, sagte Haub demnach. Nun hofft er, den Mitarbeitern mit diesem Schritt eine Zukunftsperspektive bieten zu können.

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    Neben Kaiser's sollen auch die Online-Töchter an Edeka gehen. Dazu zählen die beiden Internetportale Plus.de und GartenXXL.de. Sie soll laut Tengelmann in die Edeka-Tochter Netto integriert werden. Dort habe der Onlineshop „deutlich größere Marktchancen“ denn als alleiniger Spieler, so Haub. Edeka-Chef Markus Mosa gab an, dass dies nach dem Zusammenschluss von Plus und Netto vor sechs Jahren „ein weiterer wichtiger und strategischer Entwicklungsschritt“ sein werde.

    Tengelmann will Anteile an Obi, Tedi und Netto behalten
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    1 Kommentar zu "Tengelmann verkauft an Edeka: „Wir sehen keine Perspektive mehr“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Zu klein, zu wenig produktiv und unter Druck auch der Online-Konkurrenz.

      Edeka hat es mit dem Konzept selbständiger Kaufleute leichter, denn vor Ort läßt sich eine Menge variieren, wenn man seine Kundschaft dort sehr gut kennt.

      Zwar ist die Konzentration der Ketten im Einzelhandel zu beklagen.
      Andererseits können die Kleinen nur in recht engen Spezialsegmenten überleben, deren Konzept von den Ketten dazu immer öfter in ihren Bereich hinein kopiert wird.

      Wahrlich keine leichte Entscheidung der Kartellbehörde.

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