BMW-Markenchef: Manager Jens Thiemer wechselt zur Schwarz-Gruppe
BMW-Chef Oliver Zipse mit Annalena Baerbock auf der Automesse IAA. Die Messe gilt als einer der Erfolge von Markenchef Jens Thiemer.
Foto: dpaMünchen, Düsseldorf. Der BMW-Konzern verliert einen seiner wichtigsten Manager an die Schwarz-Gruppe. Jens Thiemer, seit 2018 Marketing-Chef der Marke BMW, wechselt nach Informationen des Handelsblatts zu einem Unternehmen des Lidl-Mutterkonzerns nach Neckarsulm. Thiemer soll Branchenkreisen zufolge eine wichtige Rolle in der Schwarz-Gruppe spielen, die genaue Funktion ist noch nicht bekannt.
Zuvor hatte BMW den Abgang des Marketing- und Digitalexperten bekannt gegeben, allerdings ohne Angabe des neuen Arbeitgebers. Nachfolger Thiemers wird Bernd Körber, der bislang das Produktmanagement bei BMW verantwortete.
Der Wechsel kommt überraschend, zuvor hatte die „Automobilwoche“ darüber spekuliert. Thiemer geht auf eigenen Wunsch, sein Abgang wird im Konzern bedauert. Insidern zufolge muss der Aufsichtsrat in der Schwarz-Gruppe die Personalie noch absegnen, bevor sie verkündet wird. Das soll voraussichtlich im November so weit sein.
Die Schwarz-Gruppe kann Unterstützung in der Markenführung gut gebrauchen. Schwarz-Chef Gerd Chrzanowski baut Europas größten Händler derzeit radikal zu einem Digitalkonzern samt Fokus auf Kreislaufwirtschaft um. Er hat eine eigene Digitalsparte gegründet, die nach dem Vorbild von Amazon ihre Cloud-Services auch externen Kunden anbieten will. Dafür hat das Unternehmen die neue Marke „Schwarz Digits“ eingeführt.
Thiemer hat in den vergangenen Jahren eine zentrale Rolle in der Autoindustrie gespielt. Vor seiner Zeit bei BMW verantwortete er fünf Jahre das Marketing bei Mercedes, mit Erfolg. Unter dem damaligen Konzernchef Dieter Zetsche renovierte der gebürtige Essener das Image der Marke und half, die Verkäufe wieder zu steigern.
Das reizte die Konkurrenz. Der ehemalige BMW-Chef Harald Krüger holte Thiemer 2018 nach München – obwohl zwischen beiden Häusern ein unausgesprochenes Abwerbeverbot für Führungskräfte gilt.
BMW: Jens Thiemer gilt als einer der Treiber für den Neustart der „IAA“
Doch die Not bei BMW war nach zahlreichen Führungswechseln im Marketing groß. BMW war im Absatz nicht nur hinter Mercedes zurückgefallen, auch der Aufstieg Teslas wurde für die Münchener zum Problem. Es fehlten frischer Wind und Kompetenz in Digitalisierung und Markenführung.
BMW verliert seinen erfolgreichen Markenchef an die Schwarz-Gruppe.
Foto: Thorsten Jochim für HandelsblattThiemer hat bei BMW die Submarke „i“ gestärkt und nach dem Vorbild amerikanischer Tech-Konzerne eine eigene Hausmesse unter dem Label „Next Gen“ geschaffen. Thiemer gilt auch als eine der treibenden Kräfte für den geglückten Neustart der Automesse „IAA“, die Anfang September zum zweiten Mal nach 2021 in München stattfand.
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Der große Coup, den Erzrivalen Audi als Sponsor des FC Bayern abzulösen, gelang aber auch ihm nicht – der Klub und BMW konnten sich trotz weit fortgeschrittener Verhandlungen nicht einigen. Die Tatsache, dass BMW die Strahlkraft des ortsansässigen Weltklubs immer noch Audi und dem Stadionsponsor Allianz überlassen muss, schmerzt viele im Konzern. Dafür zog BMW 2022 bei den Absätzen erstmals wieder an Mercedes vorbei. Und auch dieses Jahr liegt der Konzern bei Absätzen auf Rekordkurs.
Schwarz und Lidl sind wichtige BMW-Großkunden
Einen Anteil daran hat auch die Schwarz-Gruppe – die ihre Dienstwagenflotte weltweit vor allem mit BMW bestückt. 2018 schlossen beide Unternehmen dafür eine eigene Vereinbarung. Im Frühjahr erst hatte BMW-Chef Oliver Zipse Chrzanowski in dessen Zentrale in Neckarsulm besucht und sich über die IT-Ambitionen der Schwarz-Gruppe informiert.
Für BMW zeichnet sich nach Thiemers Abgang in Marketing und Vertrieb ein Neustart ab. Denn zuvor hatte der Konzern bekannt gegeben, dass auch Vertriebsvorstand Pieter Nota zum November das Haus verlässt. Sein Nachfolger Jochen Goller muss neben der aktuell verkündeten Einführung des Direktvertriebs (Agenturmodell) die Einführung der „Neuen Klasse“ vorbereiten. BMW will ab 2025 eine ganz neue Modellreihe von Elektroautos auf den Markt bringen.
Erstpublikation: 06.10.2023, 12:29 Uhr.