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Branchenausblick Der deutsche Maschinenbau steht vor schweren Zeiten

2019 war gut für Unternehmen, die Baumaschinen herstellten – und schlecht für Firmen mit Kunden in der Autoindustrie. 2020 dürfte kaum besser werden.
06.01.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Für Unternehmen, die für die Autoindustrie produzieren, war 2019 keine gutes Jahr. Quelle: dpa
Lackierroboter der Dürr AG

Für Unternehmen, die für die Autoindustrie produzieren, war 2019 keine gutes Jahr.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Eisenmann im schwäbischen Böblingen, Hefter in Prien am Chiemsee, Schiess am Nordrand des Harz-Gebirges: Die Liste deutscher Maschinen- und Anlagenbauer, die im Angesicht der Krise bereits Insolvenz anmelden mussten, ist im vergangenen Jahr um einige Namen länger geworden.

Der Strukturwandel in der Autoindustrie, das zunehmend rauer werdende Handelsklima und die daraus folgende Investitionszurückhaltung vieler Kunden haben 2019 zu einem spürbaren Produktionsrückgang in der exportstarken Branche geführt. Dabei sind die einzelnen Sektoren sehr unterschiedlich betroffen.

Während Firmen mit Kunden in der Autoindustrie litten, kamen Unternehmen mit Kunden aus der Prozessindustrie bislang vergleichsweise gut durch die Krise. Im Schnitt fiel die Produktionsmenge der Branche ersten Prognosen zufolge 2019 um zwei Prozent. Experten rechnen derweil nicht damit, dass sich die Lage im neuen Jahr bessern wird: So kalkuliert etwa der Verband deutscher Maschinen - und Anlagenbauer (VDMA) für 2020 erneut mit einem Minus von zwei Prozent.

Den Schätzungen zufolge wird die Branche 2020 so Maschinen im Wert von insgesamt 218 Milliarden Euro produzieren. Zwar hätten sich beim Auftragseingang vor dem Jahreswechsel „erste Anzeichen für eine Seitwärtsbewegung“ gezeigt, erklärte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Doch ob es sich um eine echte Bodenbildung oder bloß um eine Atempause handelt, ist derzeit schwer zu sagen.“

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    In den Chefetagen der Maschinenbauer überwiegen die Zweifel an einer baldigen Erholung. Laut dem Maschinenbau-Barometer, einer vierteljährlichen Umfrage der Beratungsgesellschaft PwC unter 100 Führungskräften, die dem Handelsblatt vorab vorlag, blicken 38 Prozent der Entscheider in den Unternehmen eher pessimistisch auf die Konjunkturentwicklung in Deutschland. Optimistisch beurteilen die Lage nur 22 Prozent der Unternehmen. 40 Prozent bleiben unentschlossen.

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    Dabei sind es vor allem externe Risiken, die die deutschen Maschinenbauer derzeit am meisten fürchten. Denn der Erfolg der Branche hängt maßgeblich auch von Faktoren ab, die die Unternehmen selbst kaum beeinflussen können. So geben rund drei von vier Maschinenbauern (74 Prozent) in der Untersuchung an, politische Entwicklungen im Ausland als größtes Risiko für das zukünftige Wachstum zu bewerten.

    „Die Sorgen der Branche sind groß“, sagte Klaus-Peter Gushurst, Leiter des Bereichs Industries & Innovation bei PwC und einer der Autoren der Studie. Dass diese Sorgen durchaus begründet sind, zeigt wohl kein Beispiel so gut wie der Handelsstreit zwischen den USA und China. Zwar sind die deutschen Maschinenbauer hier meist nicht direkt von Zöllen oder anderen Handelsbarrieren betroffen. Dafür treffen die Maßnahmen aber oft wichtige Kundenindustrien – in den USA ebenso wie in China.

    Beide Länder zählen nach der EU zu den wichtigsten Exportregionen des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus. Sie standen in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres für jeweils 11,2 beziehungsweise 10,5 Prozent des Außenhandelsvolumens der Branche, das insgesamt bei 134,6 Milliarden Euro lag.

    Handelskonflikt und Brexit hinterlassen Spuren

    Dabei konnte der US-Markt im Vergleich zum Vorjahr noch deutlich zulegen (6,2 Prozent), während der chinesische bereits Rückgänge zeigte (minus 0,7 Prozent). Die Ökonomen des VDMA machen für den großen Unterschied die Nachwirkungen der US-Unternehmensteuerreform verantwortlich, die die Investitionslaune der US-Kunden entfacht hat. Für 2020 jedoch rechnet der Verband auch hier mit einer nachlassenden Dynamik.

    Wie sich die Unsicherheit eines Handelskonflikts schlimmstenfalls auswirken kann, zeigt der immer wieder verschobene Brexit: Zwischen Januar und September gingen die Ausfuhren in das Vereinigte Königreich im Vergleich zum Vorjahr um 4,8 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro zurück. Damit rutschte das Land auf Platz sechs der Exportrangliste ab.

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    Besserung ist auch hier auf absehbare Zeit nicht in Sicht: Zwar haben sich die EU und Großbritannien darauf verständigt, dass das Land die Staatengemeinschaft am 31. Januar verlassen wird. Danach allerdings beginnt eine elfmonatige Übergangsphase der Verhandlungen über die zukünftigen Beziehungen. Wobei noch völlig unklar ist, wie diese ausgehen werden.

    Dabei treffen die globalen Exportrisiken die verschiedenen Maschinenbau-Branchen höchst unterschiedlich. So konnten beispielsweise die Verfahrenstechniker (mit Kunden etwa in der Chemie-, Öl- und Werkstoffindustrie) ebenso wie die Fördertechnikhersteller (unter anderem Intralogistik) ihre Ausfuhren zuletzt kräftig um je 8,3 beziehungsweise sieben Prozent steigern.

    Dagegen litten etwa die Hersteller von Werkzeugmaschinen (minus 7,7 Prozent) und Präzisionswerkzeugen (minus 5,3 Prozent). Sie beliefern zu großen Teilen Kunden aus der produzierenden Industrie, darunter insbesondere viele Autohersteller – und sind deshalb gleich in doppelter Hinsicht von wachsender Unsicherheit betroffen: Ihr Geschäft wird auch vom technologischen Wandel bedroht.

    Branche zahlt den Preis der Elektromobilität
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