Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Von den Arbeitsmarktzahlen sollte man sich nicht verunsichern lassen

Es besteht kein Grund zur Panik, wenn die Jagd auf dem Arbeitsmarkt jetzt eine Pause einlegt. Nach Rekordjahren ist man zurück auf dem Weg zum Normalmaß.
05.01.2020 - 15:33 Uhr Kommentieren
Während Autozulieferer ihre Beschäftigungspläne herunterfahren, werden in anderen Branchen weiter Mitarbeiter gesucht. Quelle: Reuters
Autofertigung

Während Autozulieferer ihre Beschäftigungspläne herunterfahren, werden in anderen Branchen weiter Mitarbeiter gesucht.

(Foto: Reuters)

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht neue Hiobsbotschaften von der erfolgsverwöhnten deutschen Industrie zu hören sind. Sparpläne, Kurzarbeit, Stellenstreichungen – der Konjunkturabschwung und der Strukturwandel schlagen sich erst in den Auftragsbüchern der Unternehmen und dann auf dem Arbeitsmarkt nieder. Und die Alarmglocken schrillen, wenn bekannte Namen wie Volkswagen, Siemens oder BASF sich im großen Stil von Personal trennen wollen.

Doch eines sollte auch angesichts sich häufender schlechter Nachrichten nicht vergessen werden: Die export- und konjunkturabhängige Industrie ist zwar das Kraftzentrum der hiesigen Volkswirtschaft, aber auf dem Arbeitsmarkt nicht allein tonangebend. Während Autozulieferer oder Maschinenbauer ihre Beschäftigungspläne herunterfahren, werden im Handel, in der Logistik, im Gastgewerbe, im Pflegebereich oder auf dem Bau weiter Mitarbeiter gesucht.

Und selbst in der Industrie hat sich der Arbeitsmarkt von der Konjunkturentwicklung abgekoppelt und eine Hamstermentalität durchgesetzt: Auch wenn es die aktuelle Auftragslage eigentlich nicht mehr hergibt, halten Unternehmen ihr Personal – aus Sorge, bei wieder anziehender Konjunktur nicht mehr die nötigen Fachkräfte zu finden.

Wenn jetzt die Arbeitslosigkeit wieder leicht steigt und die Beschäftigung nicht mehr ganz so stark wächst wie in den Vorjahren, dann ist das kein Grund zur Panik. Es ist vielmehr ein Anzeichen dafür, dass der Arbeitsmarkt nach Jahren immer neuer Rekorde zurück auf dem Weg zum Normalmaß ist. Seit 14 Jahren in Folge ist die Zahl der Beschäftigten gestiegen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung lagen im abgelaufenen Jahr auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Die jetzt erwartete kleine Delle auf dem Arbeitsmarkt ist also statistisch schon lange überfällig.

    Überbrückbare Schwächephase

    Und es spricht viel dafür, dass es nur eine kleine Delle bleiben wird. Deutschland hat bereits in den Jahren der Euro- und Finanzkrise bewiesen, dass sich wirtschaftliche Schwächephasen mit ausgeweiteter Kurzarbeit überbrücken lassen, sodass es nicht zu massenhaften Jobverlusten kommen muss. Diese wirksame Waffe gegen Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt steht auch jetzt zur Verfügung und muss bei Bedarf rasch scharf geschaltet werden.

    Vor allem in der Auto- und Zuliefererindustrie, aber auch in stark von der Digitalisierung betroffenen Branchen geht es zudem darum, Beschäftigten Sicherheit und neue Perspektiven zu eröffnen, ohne dabei notwendigen Strukturwandel zu blockieren oder nicht mehr gebrauchte Jobs künstlich zu konservieren.

    Hier sind Politik und Sozialpartner noch auf der Suche nach den richtigen Rezepten. Auch wenn die Industrie schwächelt, wird Deutschland die Arbeit nicht ausgehen. So hat etwa die Kultusministerkonferenz jüngst die Prognose für die Schülerzahlen kräftig nach oben korrigiert.

    An den Schulen, wie generell im öffentlichen Dienst, fehlt also Personal. Die alternde Gesellschaft lässt auch den Bedarf an Pflegern oder Medizinern wachsen. Der Wohnungsmangel schreit nach Bauarbeitern. Und die Digitalisierung schafft mit Sicherheit neue Jobs, die sich heute noch nicht erahnen lassen.

    Das erklärt, warum Arbeitsagentur-Chef Detlef Scheele der Fachkräftemangel derzeit größere Sorgen macht als die leicht anziehende Arbeitslosigkeit. Denn die Demografie lässt das Erwerbspersonenpotenzial, das diese Jobs besetzen könnte, immer weiter schrumpfen. Das jüngste Jobwunder war nur deshalb möglich, weil Einwanderer gut die Hälfte der neu geschaffenen Arbeitsplätze besetzten.

    Wanderungsüberschuss wieder rückläufig

    Doch der Wanderungsüberschuss von Bürgern aus EU-Ländern ist seit dem Höchststand im Jahr 2015 rückläufig. Ob es eine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte auf dem Arbeitsmarkt gibt, hängt deshalb auch davon ab, ob das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz attraktiv genug ist, um Ausländer aus Drittstaaten jenseits der EU anzulocken. Daran allerdings hegen Migrationsexperten berechtigte Zweifel.

    Auch muss es darum gehen, inländische Potenziale stärker zu heben. Deutschland sollte es sich nicht länger erlauben, Hunderttausende junge Erwachsene ohne Ausbildung oder gar Schulabschluss ins Berufsleben zu entlassen. Und Eltern, die gerne Vollzeit arbeiten möchten, dürfen nicht durch fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten daran gehindert werden.

    Die Politik muss aber nicht nur für ausreichend Kita-Plätze sorgen, wenn das Jobwunder weitergehen soll, sondern auch für ein beschäftigungsfreundliches Klima. Dazu gehört: Gründern, die neue Geschäftsideen umsetzen wollen, Steine aus dem Weg räumen. Arbeit nicht über Gebühr verteuern und die Schaffung neuer Jobs nicht durch überzogene Regulierung behindern.

    Wird all dies beherzigt, stehen die Chancen gut, dass 2020 nicht als das Jahr in die Geschichte eingehen wird, in dem das beispiellose deutsche Jobwunder endete. Sondern in dem es nur eine kurze Pause einlegte.

    Mehr: Der frühere Chef des Motorsägen-Herstellers Stihl sieht die Produktion in Deutschland gefährdet. Gewerkschaften erhöhten die Kosten mit ihren Forderungen übermäßig.

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Von den Arbeitsmarktzahlen sollte man sich nicht verunsichern lassen
    0 Kommentare zu "Kommentar: Von den Arbeitsmarktzahlen sollte man sich nicht verunsichern lassen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Serviceangebote
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%