Trotz Fachkräftemangel: Und raus bist du – Die neue Welle des Personalabbaus
- Deutsche Unternehmen stehen unter Druck: Wachstumsschwäche, hohe Kapitalkosten und der technologische Wandel zwingen Firmen, auf Sparkurs zu gehen.
- Unternehmen wie Bayer, ZF und SAP sprechen von Umstrukturierungen. Wie das gelingen soll? Ein Stellenabbau scheint für die meisten Unternehmen der schnellste Weg zu sein.
- Dabei ist Deutschland mehr denn je mit einem Fachkräftemangel konfrontiert.
- Warum Unternehmen Abfindungen so häufig auch an qualifizierte Beschäftigte zahlen, und ob Umschulungen ein alternativer Lösungsweg sein können, lesen Sie im Interview mit der Personalexpertin Jutta Rump.
Ein Freitag Ende Januar in der Bosch-Hauptstadtvertretung in Berlin-Charlottenburg. Die „Allianz der Chancen“ hat eingeladen, um über die Transformation der Wirtschaft und die Fachkräftesicherung zu diskutieren.
65 namhafte Unternehmen gehören dem Bündnis an, von der Deutschen Bahn über die Autozulieferer Bosch und Continental bis hin zu Siemens und der Deutschen Telekom.
Die Allianz hat sich ein hehres Ziel gesetzt: Beschäftigte, deren Jobs wegzufallen drohen, sollen möglichst in neue Jobs vermittelt werden.
Bundeskanzler Olaf Scholz ist erkältet, aber absagen will er den Termin dann doch nicht. Zu wichtig ist ihm das Thema. „Es gibt Veränderung, davor können wir niemanden beschützen“, sagte der mit Aspirin gedopte Regierungschef. „Aber wir alle gemeinsam können es als unsere Aufgabe begreifen, dass das keine Bedrohung ist.“
Es sind wohlmeinende Kanzler-Worte. Doch die Zeichen im Frühjahr 2024 stehen nicht nur auf Veränderung, sondern auch auf Bedrohung. Immer mehr Firmen beschließen Sparprogramme, die einen umfangreichen Stellenabbau vorsehen:
- Der Autozulieferer Bosch will mehr als 3000 Stellen in Deutschland streichen.
- Beim Konkurrenten ZF ist sogar von 12.000 Stellen die Rede.
- Continental, der dritte im Bunde der großen deutsche Autozulieferer, verkündete am Mittwoch, dass zusätzlich zum Abbau von 5400 Stellen in der Verwaltung weitere 1750 Stellen in Forschung und Entwicklung entfallen sollen.
- Das große Jobsterben hat längst auch weitere Branchen erfasst. Der Haushaltsgeräteproduzent Miele plant den Abbau von 2000 Arbeitsplätzen und eine Verlagerung der Produktion nach Osteuropa.
- Beim Softwarekonzern SAP entfallen 8000 Stellen.
- Bei der Bayer AG stehen Tausende Arbeitsplätze zur Disposition.
Es sind Signale wie aus einer anderen Zeit. Aus jener Ära vor 20 Jahren, als die Arbeitslosenquote in Deutschland noch fast doppelt so hoch war wie heute und die Zahl der Erwerbslosen ängstlich mit jener in der Schlussphase der Weimarer Republik verglichen wurde.