Leoni-Interimschef im Interview: Hans-Joachim Ziems verteidigt Totalverlust für die Aktionäre
Bei der Rettung des angeschlagenen Autozulieferers gehen die Aktionäre leer aus.
Foto: dpaMünchen. Für die meisten Leoni-Aktionäre endet die Rettung des angeschlagenen Autozulieferers mit einem Totalverlust. Nach Einschätzung von Sanierer und Interims-Vorstandssprecher Hans-Joachim Ziems gab es dazu keine Alternative. „Wir wollten die Aktionäre natürlich nicht loswerden“, sagt der Restrukturierungsspezialist im Interview mit dem Handelsblatt. Ohne eine Vereinbarung mit den Gläubigern und dem Investor habe aber die Insolvenz gedroht.
Nach Einschätzung von Ziems könnten in den kommenden Jahren weitere Unternehmen aus der Branche in Schwierigkeiten geraten. „Es werden noch einige Zulieferer in die Bredouille kommen, weil ihre Produkte – anders als bei Leoni – in der Transformation zur Elektromobilität nicht mehr zukunftsfähig sind“, erklärt Ziems. Alle Beteiligten müssten sich an einen Tisch setzen und überlegen, „wie man das Sterben verlangsamen kann“.
Anfang Juni treffen sich die Leoni-Aktionäre zu einer außerordentlichen Hauptversammlung. Das Eigenkapital sei aufgezehrt, sagt Ziems. „Da ist einfach nichts mehr. Deshalb ist die Aktie auch nichts mehr wert.“ Leoni habe sich vor Jahren mit der Expansion übernommen. Dann sei auch viel Pech hinzugekommen. So platze etwa in letzter Minute der geplante Verkauf der Kabelsparte an einen Investor aus Thailand.