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PharmaunternehmenDas sind die wichtigsten Hersteller von Corona-Impfstoffen

Lange Forschungsarbeit, gewaltige Investitionen – jetzt zahlen sie sich aus. Zumindest für jene Unternehmen, die bei der Suche nach einem Corona-Schutz erfolgreich waren.Maike Telgheder und Siegfried Hofmann 11.12.2020 - 04:00 Uhr Artikel anhören

Das US-Biotechunternehmen liefert sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Biontech und Pfizer.

Foto: via REUTERS

Frankfurt. Monatelang forschten Labore auf der ganzen Welt um die Wette nach einem Corona-Impfstoff. Inzwischen gibt es bereits erste Zulassungen. Welche Impfstoffhersteller derzeit vorn liegen, wer ihnen dicht auf den Fersen ist – und wo sich für Anleger jetzt noch ein Einstieg lohnen könnte.

Biontech

Das Mainzer Biotech-Unternehmen hält weiterhin die Führungsposition im Kampf gegen Covid-19. Knapp vier Wochen nach Vorlage erster positiver Zwischenresultate aus einer großen Studie hat der Impfstoff BNT162b2 inzwischen bereits erste Zulassungen in Großbritannien und Kanada erhalten. Er ist damit zugleich das erste Medikament aus Messenger-Ribonukleinsäuren (mRNA), das regulär vermarktet werden darf.

Angesichts der hohen Wirksamkeit von 95 Prozent und relativ günstiger Sicherheitsdaten gehen Experten fest davon aus, dass der Impfstoff in Kürze auch von der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA eine Zulassung erhalten wird. Die europäische Arzneimittelagentur EMA will ihre Bewertung spätestens am 29. Dezember vorlegen.

Der Markteintritt in der EU könnte damit Anfang Januar erfolgen. Die beiden Partner planen eine Produktion von rund 1,3 Milliarden Einheiten für 2021 und wollen sich dabei den Ertrag aus dem Impfstoffgeschäft teilen.

Der finanzielle Effekt wird insbesondere für Biontech dramatisch sein. Experten von der Großbank UBS sehen für den Impfstoff ein Umsatzpotenzial von insgesamt bis zu 50 Milliarden Dollar in den nächsten Jahren. Für 2021 kalkulieren Analysten laut Bloomberg im Schnitt mit 3,8 Milliarden Euro Betriebsgewinn bei Biontech.

Der Aktienkurs von Biontech ist seit Vorlage der positiven Testresultate im November um gut 40 Prozent auf zuletzt 124 Dollar gestiegen und hat sich seit Jahresbeginn fast verdreifacht. Die Zielkurse der Analysten, die sich laut Bloomberg im Schnitt bei 97,80 bewegen, werden damit bereits überschritten. Fünf Analysten empfehlen die Aktie trotzdem noch zum Kauf, sechs zum Halten, einer rät zum Verkauf. Siegfried Hofmann

Pfizer

Warren Buffett war im November mit einem Investment von 140 Millionen Dollar bei Pfizer eingestiegen, damit erhielten die Titel des lange Jahre größten Pharmakonzerns der Welt neue Aufmerksamkeit.

Es ist natürlich die Kooperation mit dem Mainzer Biotech-Unternehmen Biontech bei der Entwicklung eines Sars-Cov-2-Impfstoffs, die den US-Konzern für Anleger interessant macht. Die Kooperation stärkt die rund 6,5 Milliarden Dollar große Impfstoffsparte des US-Konzerns und passt zum Strategiewechsel von Pfizer, sich als Wachstumsunternehmen zu positionieren.

Im November fusionierte der Konzern seine Sparte Upjohn, in der patentfreie Medikamente gebündelt waren, mit dem Generikahersteller Mylan zum neuen Unternehmen Viatris. Pfizer selbst fokussiert sich damit auf innovative Therapien und den 39 Milliarden Dollar Umsatz schweren Biopharmabereich. Seine Ambitionen untermauerte das Unternehmen auch mit Zukäufen wie dem Erwerb des Krebsspezialisten Array für elf Milliarden Dollar im vergangenen Jahr.

Analysten von Bernstein erwarten, dass der Pharmariese im kommenden Jahr rund 14 Milliarden Dollar Umsatz mit dem Impfstoff erzielen wird – und weitere 25 Milliarden in den darauffolgenden fünf Jahren. Gleichwohl dürften die positiven Nachrichten wie die erwarteten Zulassungen in den USA und Europa schon in den Aktienkurs eingepreist sein. Der ist in den vergangenen drei Monaten um fast 13 Prozent gestiegen und notiert aktuell bereits über dem von Analysten ausgegebenen Kursziel von 40,15 Dollar.

Für die Experten sind die Titel von Pfizer derzeit ein Haltewert im Portfolio. 16 von 22 bei Bloomberg erfasste Analysten raten zum Halten, für sechs ist der Titel ein Kauf. Maike Telgheder

Moderna

Das US-Biotechunternehmen befindet sich in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Biontech und Pfizer. Sein Impfstoff mRNA-1273, der ebenfalls auf Messenger-Ribonukleinsäuren basiert, zeigte in einer großen Studie mit 94,5 Prozent Wirksamkeit ähnlich gute Daten wie das Biontech-Vakzin. Er dürfte in den USA noch vor Weihnachten zugelassen werden, in Europa vermutlich Mitte Januar.

Moderna wird damit aller Voraussicht nach das zweite Unternehmen sein, das einen Covid-Impfstoff durch die Zulassung bringt. Geplant ist für 2021 eine Produktion von 20 Millionen Dosen. Im kommenden Jahr will Moderna in Zusammenarbeit mit dem Produktionspartner Lonza bis zu einer Milliarde Einheiten herstellen.

Analysten sehen Moderna daher nach Pfizer und Biontech als zweitgrößten Profiteur des bevorstehenden Covid-Impfstoff-Booms. Im Schnitt trauen sie Moderna für 2021 rund 6,3 Milliarden Dollar Umsatz und 3,2 Milliarden Dollar Gewinn zu. Auch hier reichen einzelne Schätzungen noch deutlich höher. Experten von Bernstein etwa gehen davon aus, dass Moderna bis zu elf Milliarden Dollar Umsatz im nächsten und 20 Milliarden Dollar Umsatz in den kommenden fünf Jahren generieren kann. 

Der Aktienkurs des US-Unternehmens hat sich angesichts dieser Perspektiven in den vergangenen Wochen nochmals verdoppelt und liegt inzwischen rund ein Fünftel über dem durchschnittlichen Kursziel der Bankanalysten. Dessen ungeachtet empfehlen immer noch elf von 18 Experten die Moderna-Aktien zum Kauf. Auch in diesem Fall wird die Bewertung vor allem von der Aussicht getrieben, dass längerfristig neben dem Covid-Vakzin auch die diversen weiteren mRNA-Projekte kräftige Umsätze liefern. Siegfried Hofmann

Astra-Zeneca

Der britische Pharmakonzern Astra-Zeneca hat diese Woche einige positive Daten zu seinem gemeinsam mit der Oxford-Universität entwickelten Impfstoff präsentiert. Das Vakzin befindet sich derzeit in der dritten klinischen Studienphase. Astra-Zeneca hat begonnen, auf Basis der Daten Zulassungsanträge bei allen Behörden rund um den Globus einzureichen, die Verfahren für bedingte Zulassungen etabliert haben. In den USA läuft dafür noch eine eigene Studie.

Da es in zwei Studienarmen wegen unterschiedlicher Dosierungen verschiedene Ergebnisse gab, überlegt Astra-Zeneca, noch eine völlig neue globale Studie durchzuführen, um die Wirksamkeit der effektiveren Dosierung zu testen. Mit einer Marktzulassung für das Vakzin ist also erst im nächsten Jahr zu rechnen.

Die Aktie wird von Nachrichten rund um den Impfstoff zwar beeinflusst, sie sind aber nicht der wichtigste Treiber. Zum einen will Astra-Zeneca den Impfstoff während der Pandemie zum Selbstkostenpreis abgeben und nicht daran verdienen. Zum anderen gehören Impfstoffe nicht zum Kerngeschäft des Unternehmens, das 2019 mehr als 24 Milliarden Dollar Umsatz erzielt hat.

Die großen Pfeiler des Konzerns sind Medikamente gegen Krebs, Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen. Es sind also die Nachrichten aus den großen Therapiegebieten und insbesondere auch der Onkologie, die den Kurs bewegen. Der ist in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gestiegen, weil das Unternehmen eine vielversprechende Produktpipeline aufgebaut hat.

Aktuell empfehlen laut Bloomberg 20 von 31 Analysten die Aktie zum Kauf, acht setzen auf Halten. Zum Zielkurs von 9191,6 britischen Pfund gibt es noch Luft nach oben. Aktuell notiert die Aktie um die 8000 Pfund. Maike Telgheder

Novavax

Das US-Biotech-Unternehmen liegt gegenüber dem Führungstrio Biontech/Pfizer, Moderna und Astra-Zeneca leicht zurück, zählt aber weiter zum Kreis der potenziellen Impfstofflieferanten. Eine zulassungsrelevante Studie für seinen Impfstoffkandidaten in den USA soll zwar erst in den nächsten Tagen anlaufen. Eine große Phase-3-Studie in Großbritannien dagegen wird nach Planung von Novavax bereits Anfang des kommenden Jahres Daten liefern, die zumindest in Europa die Grundlage für einen Zulassungsantrag bieten werden.

Novavax könnte damit – in etwa gleichauf mit Johnson & Johnson – als Nummer vier in den Markt gehen. Anders als Biontech und Moderna, deren Impfstoffe aus Messenger-RNA bestehen, testet Novavax einen proteinbasierten Impfstoff. Er besteht aus einem gentechnisch hergestellten Virusbestandteil, der in Verbindung mit einem Verstärker die Immunreaktion auslöst.

Von der US-Initiative Warp Speed und der Impfstoff-Allianz Cepi hat das Unternehmen rund zwei Milliarden Dollar an Unterstützung für die Impfstoffentwicklung erhalten. In frühen klinischen Versuchen löste der Impfstoff von Novavax besonders hohe Antikörper-Konzentrationen aus, woraus Beobachter die Vermutung ableiteten, dass er ebenfalls eine sehr gute Schutzwirkung bieten könnte. Großbritannien, Japan und die USA haben im Vorfeld zusammen bereits mehr als 400 Millionen Dosen bei Novavax bestellt.

Analysten sehen daher für das Produkt ein Umsatzpotenzial von etwa vier Milliarden Dollar in den nächsten fünf Jahren. Das spiegelt auch die nach wie vor hohe und zuletzt wieder gestiegene Marktkapitalisierung von 7,3 Milliarden Dollar wider. Seit Jahresanfang hat sich der Kurs der Aktie um den Faktor 23 erhöht. Siegfried Hofmann

Johnson&Johnson

Der weltgrößte Gesundheitskonzern Johnson& Johnson liegt im Rennen um die Zulassung eines Corona-Impfstoffs hinter Biontech/Pfizer sowie Moderna und auch Astra-Zeneca. Mit zusätzlicher Förderung aus den USA soll die Rekrutierung der Probanden für die laufende Phase-3-Studie nun beschleunigt werden. Mit Zwischenergebnissen wird in der Branche Anfang 2021 gerechnet.

J&J testet derzeit eine einmalige Dosis, im Gegensatz zu den anderen Impfstoffprojekten, bei denen innerhalb von drei Wochen zwei Dosen verabreicht werden können. Der Impfstoff würde sich zum breiten Einsatz in der Welt eignen, da er nicht extrem kühl gelagert werden muss, sondern bei Kühlschranktemperaturen.

Ein kommerzieller Erfolg wird der Impfstoff indes für den Konzern erst einmal nicht werden, da auch J&J ihn in der Pandemie zum Selbstkostenpreis abgeben will. Die erfolgreiche Entwicklung eines Vakzins gegen Covid-19 dürfte aber stark auf die Impfstoffforschung von J&J einzahlen.

Dieses Geschäftsfeld ist noch im Aufbau, entwickelt werden Vakzine unter anderem gegen Ebola, Zika und HIV. Der Ebola-Impfstoff bekam Anfang Juli dieses Jahres die Zulassung von der Europäischen Arzneimittelbehörde. J&J ist breit diversifiziert und bietet neben Arzneimitteln auch Medizin- und Konsumprodukte an.

Die Aktie des Konzerns mit zuletzt 82 Milliarden Dollar Jahresumsatz empfehlen derzeit 14 von 20 Analysten zum Kauf, sechs sind für Halten. Für 2021 erwarten die Analysten einen deutlichen Umsatzanstieg um mehr als acht Prozent. Ein Grund dafür: Die Medizintechnikumsätze, die wegen der in der Pandemie verschobenen Behandlungen gelitten haben, dürften sich wieder erholen. Maike Telgheder

Curevac

Als zweiter deutscher Hoffnungsträger in der Entwicklung von Covid-Impfstoffen arbeitet das Tübinger Unternehmen ebenfalls an einem Impfstoff aus mRNA, der in bisherigen Tests offenbar sehr gute Resultate lieferte. Das Produkt befindet sich bislang allerdings noch in der frühen klinischen Entwicklungsphase.

Eine zulassungsrelevante Phase-3-Studie mit dem Curevac-Impfstoff soll nach bisherigen Plänen noch in diesem Jahr anlaufen, wurde bislang aber offiziell noch nicht gestartet. Curevac dürfte damit frühestens gegen Ende des ersten Quartals über die nötigen klinischen Daten verfügen, um eine Zulassung zu beantragen.

Der Curevac-Impfstoff zeichnet sich unter den mRNA-Vakzinen durch die niedrigste Dosierung und die höchste chemische Stabilität aus. Er könnte damit logistische Vorteile bieten. Im Vorgriff auf eine erwartete Zulassung baut auch Curevac inzwischen ein europäisches Produktionsnetzwerk auf.

Ziel ist es, 2021 rund 300 Millionen und im Folgejahr 600 Millionen Dosen des Impfstoffs zu produzieren. Werden diese Mengen verkauft, könnte Curevac 2021 auf mehr als vier Milliarden Euro Umsatz zusteuern und damit finanziell ebenfalls eine sehr starke Basis für den Ausbau seiner weiteren mRNA-Projekte aufbauen.

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Management und Investoren demonstrieren bereits enorme Zuversicht, dass Curevac im Covid-Impfstoff-Geschäft eine gewichtige Rolle spielen kann. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 19 Milliarden Euro und einem Kursgewinn von mehr als 130 Prozent seit Anfang November verbuchte das Tübinger Unternehmen an der Börse in den vergangenen Wochen sogar den stärksten Aufschwung unter den Covid-Impfstoff-Werten. Siegfried Hofmann

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