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Angelique Renkhoff-MückeDie Schatten-Springerin

Seit 20 Jahren führt die Unternehmerin in zweiter Generation den Sonnenschutzspezialisten Warema. Sie weiß, wie es gelingt, selbst einen äußerst erfolgreichen Patriarchen zu übertrumpfen.Anja Müller 17.01.2018 - 22:49 Uhr Artikel anhören

Angelique Renkhoff-Mücke hat den Warema-Umsatz mehr als verdoppelt.

Foto: Bert Bostelmann für Handelsblatt

Marktheidenfeld. Es sind die Kleinigkeiten, die bei Warema dennoch direkt auffallen. Besucher werden schon am Parkplatz mit Namen begrüßt. Es führt ein sehr schmaler, sehr langer und sehr rot gestrichener Gang zum Büro der Firmenchefin. Ihr Schreibtisch steht vor einer dunkelrot gestrichenen Wand. Auch die Warnwesten, die jeder tragen muss, wenn er sich in den Produktionshallen bewegt, sind weder neongelb, noch neonorange, sie sind in warmem Rot gehalten. Die Mitarbeiter, denen Angelique Renkhoff-Mücke bei ihrer Führung durch das Unternehmen begegnet, sind weder aufgeregt noch besonders ehrerbietig. Respekt und auch ein winziges bisschen Distanz sind wahrnehmbar.

Grob betrachtet, ist Renkhoff-Mücke eine Nachfolgerin, die das vom Vater gegründete Unternehmen übernommen hat. Das war vor 20 Jahren schon eine kleine Sensation, in Marktheidenfeld. In der Branche und überhaupt im deutschen Mittelstand. Schaut man genauer hin, so erkennt man den Kraftakt, der dahintersteckt, „in einer männerdominierten Branche“ in einem von einem Patriarchen dominierten Unternehmen plötzlich an der Spitze zu stehen. Sie sagt: „Ich musste als Frau meine Rolle finden und durfte nicht den Vater kopieren.“

Begonnen hat alles in einem alten Pferdestall im unterfränkischen Marktheidenfeld, wo das Unternehmen im Jahr 1955 von Karl-Friedrich Wagner und Hans-Wilhelm Renkhoff. gegründet wurde. Bei dem Bild handelt es sich leider nicht um den Pferdestall, davon existiert kein Bild. Es ist aber eins der ersten angemieteten Gebäude in Marktheidenfeld, das für den Betrieb genutzt wurde.

Foto: WAREMA

Die Unternehmer bieten Leichtmetall-Jalousien an. Der Namen Warema setzt sich aus den beiden Nachnamen und dem Standort zusammen: Wagner, Renkhoff und Marktheidenfeld.

Foto: WAREMA

Am Anfang sind es fünf Mitarbeiter, bald schon 13, der alte Pferdestall wird zu klein für das schnell wachsende Unternehmen. Die Bilanz des ersten Jahres: Der Umsatz liegt bei 70.000 DM.

Foto: WAREMA

Warema wächst, beschäftigt 45 Mitarbeiter, der Jahresumsatz des Unternehmens übersteigt erstmals die Millionengrenze. Und das Unternehmen wird hart getroffen als Mitgründer Karl-Friedrich Wagner im Sommer auf einer Dienstreise tödlich verunglückt. Hans-Wilhelm Renkhoff (im Bild) übernimmt die Firmenleitung.

Foto: WAREMA

Das Unternehmen zieht 1961 an den heutigen Standort in Marktheidenfeld am Äußeren Ring. Seither vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht Erweiterungen oder Anbauten nötig sind. Zum zehnjährigen Jubiläum im Jahr 1965 feiert Warema in der Kantine. Mit 291 Mitarbeitern setzt das Unternehmen knapp 14 Millionen DM um.

Foto: WAREMA

Warema erweiterte seine Produktpalette: Markisen, Vertikal-Jalousien und Verdunkelungsanlagen. Weil es nicht alle dafür benötigten Bauteile auf dem Markt zu kaufen gibt, beginnt Warema Kunststoffteile und Steuerungskomponenten sowie Spezialmaschinen und -werkzeuge selbst herzustellen.

Foto: WAREMA

Zum 25. Firmenjubiläum im Jahr 1980 beschäftigt Warema mehr als 780 Mitarbeiter und setzt knapp 92 Millionen DM um. Ein Jahr später erhält Hans-Wilhelm Renkhoff das Bundesverdienstkreuz.

Foto: WAREMA

Zum 30. Firmenjubiläum 1985 beschäftigt Warema 810 Mitarbeiter und setzt knapp 109 Millionen Euro um.

Foto: WAREMA

Die neue Werkshalle mit 12.000 Quadratmetern Produktionsfläche geht 1989 in Betrieb und Warema erweitert sein bundesweites Vertriebsnetz in die neuen Bundesländer. 1991 gründet Warema eine Produktionsgesellschaft im sächsischen Limbach-Oberfrohna, die bis heute maßgeblich zum Firmenerfolg beiträgt. Der Umsatz übersteigt die 200 Millionen DM-Schwelle, die Zahl der Mitarbeiter steigt auf 1.318.

Foto: WAREMA

Zum 40. Firmenjubiläum feiert Warema 1995 ein Familienfest mit mehr als 1.650 Mitarbeitern und deren Familien.

Foto: WAREMA

Im August 1998 tritt die jüngste Tochter aus erster Ehe, Angelique Renkhoff-Mücke, in den Vorstand der Renkhoff AG ein. Mit mehr als 1.700 Mitarbeitern setzt Warema mehr als 330 Millionen DM um.

Foto: WAREMA

Im Jahr 2000 wird Angelique Renkhoff-Mücke Vorsitzende des Stiftungsrates der Hans-Wilhelm-Renkhoff Stiftung. Zum Jahresbeginn 2001 wird sie zur Vorstandsvorsitzenden der Renkhoff AG. Warema setzt 234 Millionen Euro um und beschäftigt mehr als 2.150 Mitarbeiter. Im Jahr 2002 wird Angelique Renkhoff-Mücke Mitglied im Verwaltungsrat der Sparkasse Mainfranken Würzburg.

Foto: WAREMA

Angelique Renkhoff-Mücke gründet 2004 die Warema International GmbH. Bis heute werden daraus Kunden aus 53 Ländern beliefert. Insgesamt setzt das Familienunternehmen knapp 250 Millionen Euro um und beschäftigt mehr als 2.260 Mitarbeiter.

Foto: WAREMA

Die Warema Renkhoff Holding AG und die Warema Renkhoff GmbH verschmelzen 2009 zur Warema Renkhoff SE (Societas Europaea). Der Umsatz erreicht mehr als 375 Millionen Euro mit fast 3.000 Mitarbeitern. Angelique Renkhoff-Mücke wird Tarifverhandlungsführerin beim Verband der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeber.

Foto: WAREMA

Angelique Renkhoff-Mücke wird in den Beirat der ERCO GmbH und in den Aufsichtsrat der TÜV SÜD AG berufen. Sie ist die einzige mittelständische Unternehmerin bei der „Initiative Chefsache“. Das Netzwerk von Führungskräften aus Wirtschaft, Wissenschaft, Ministerien und Medien wirbt für Chancengleichheit von Frauen und Männern im Beruf und macht Front gegen „unzeitgemäße Rollenstereotype“. Zu den Initiatoren gehören neben Warema auch Allianz, Bayer, Bosch, Lufthansa, EnBW, IBM Deutschland, McKinsey, Siemens, TÜV Rheinland sowie der Zeit-Verlag, das Bundesministerium für Verteidigung, die Caritas und die Fraunhofer-Gesellschaft.

Foto: Bert Bostelmann für Handelsblatt

Warema setzt mit 3.500 Mitarbeitern 446 Millionen Euro um, davon rund 23 Prozent im Ausland. Alle Produkte werden auf Einzelbestellung gefertigt, vorwiegend für den Fachhandel, zunehmend auch für ganze Projekte, wie den Bonner Post-Tower, den Arabella-Bogen in München, das Bürgenstock-Resort in der Schweiz oder das PWC-Headquarter in Johannesburg. Warema hat sich mit neun weiteren Markenherstellern rund ums Haus, zu denen auch Gira und Dornbracht zählen, zu der Initiative Connected Comfort zusammengeschlossen. Sie entwickeln gemeinsam Lösungen für Smart Home. Angelique Renkhoff-Mücke erklärt die Digitalisierung zur Chefsache.

Foto: Bert Bostelmann für Handelsblatt

Die Münchener Silhouette hat im Westen der Stadt mit dem ADAC Gebäude einen markanten Blickfang: 93 Meter ragt der Turm aus dem sternförmigen Sockelbau empor. Seine in 22 Farbtönen gestaltete, mosaikartige Außenfassade macht den Bau schon von weitem als Zentrale von Europas größtem Automobilclub erkennbar.

Foto: WAREMA

5.300 Farblich passende Außenjalousien von Warema sorgen im Inneren für optimalen Sonnen- und Blendschutz.

Foto: WAREMA

Der HumboldtHafenEins in Berlin gilt als das neue Wahrzeichen der Stadt und ist ein Vorbild für nachhaltiges Bauen. Zum nachhaltigen Gebäudekomplex gehört auch das Sonnenschutzsystem von Warema, mit dem sich Energie sparen und die Kohlendioxyd-Emission reduzieren lassen. Das Gebäude zählt zu den Top Ten der nachhaltigsten Bürohäuser Deutschlands.

Foto: WAREMA

Der Prime-Tower ist momentan das zweitgrößte Gebäude in der Schweiz. Warema hat hier u.a. 4.164 Lichtlenk-Jalousien auf einer Fassadenfläche von 22.500 Quadratmetern verbaut.

Foto: Handelsblatt

Das Verwaltungsgebäude der Daniel Swarovski Corporation in Männedorf am Zürichsee ist nachhaltig gebaut, dazu gehören auch 700 motorisch betriebene Warema-Außenjalousien.

Foto: Handelsblatt

Zwar waren die Mitarbeiter glücklich, dass mit Angelique eine der vier Töchter aus der Familie die Nachfolge des damals – 1998 – erkrankten Gründers antrat. Das Management hingegen reagierte zurückhaltend, wie sie es selbst sehr diplomatisch beschreibt. Unternehmenskenner dagegen sehen durchaus ihren klugen, weil zunächst zurückhaltenden Eroberungserfolg – manche sprechen allerdings auch von einem „Machtkampf“ und von ihrem nachhaltigen Sieg.

Angelique Renkhoff-Mücke ist so erfolgreich, dass sie ihren Vater Hans-Wilhelm Renkhoff, den Unternehmensgründer längst übertrumpft hat. Als sie antrat, setzte der Spezialist für Außenjalousien, Markisen und Rollläden 330 Millionen DM um, 2016 waren es 446 Millionen Euro. Zuletzt wuchs das Unternehmen um sechs Prozent. Zu den Gewinnen sagt sie nichts. Laut Bundesanzeiger hat sich der Bilanzgewinn allerdings auf mehr als zehn Millionen Euro verdoppelt.

Nun schickt sich die frühere Springreiterin gerade an, erneut über einen Schatten zu springen. Sie will Unternehmen und Mitarbeiter in eine neue Zeit führen. Sie hat auch in Krisenzeiten – wie ihr Vater – keine Mitarbeiter entlassen. Als es zum Beispiel 2005 Absatzprobleme gab, unterschrieben ihre Mitarbeiter persönlich eine Vereinbarung, dass sie drei Stunden länger arbeiten – fürs gleiche Geld.

 Nun will sie alle 3.500 Mitarbeiter an den Produktionsstandorten Marktheidenfeld, im sächsischen Limbach-Oberfrohna, in Lübeck, den Niederlanden, Ungarn, Tschechien und China sowie in den Service- und Vertriebsgesellschaften in der Welt mitnehmen in die digitale Zukunft. „Die spannendste und herausforderndste Aufgabe ist es, das Unternehmen für die Zukunft bereit zu machen, weil man über den eigenen Schatten springen muss.“

Die Unternehmerin, die am 19. Januar ihren 55. Geburtstag feiern wird, sagt ganz offen, dass sie nicht weiß, wie das Unternehmen 2030 aussehen wird. Was sie aber weiß: wie sie ihr Unternehmen agiler, flexibler und noch kundenorientierter aufstellt. Sie hat durchdrungen, wie die Digitalisierung Geschäftsmodelle und Unternehmensführung verändert. „Viele Unternehmer sprechen darüber, dass sie gern kritische Meinungen um sich versammeln, sie tut es wirklich und glaubhaft“, sagt Aufsichtsratsmitglied, Manfred Neubert, der frühere Chef von SKF in Schweinfurt. Dabei will sie die Werte, die ihr Vater einst für sich reklamierte, bewahren: nah am Markt sein, auf jeden Fall den Stammsitz und die Wertschöpfung in Deutschland halten, bankenunabhängig bleiben, weiter wachsen und keine Mitarbeiter entlassen müssen.

Das erfordert viel Umdenken, Einbinden, Sorgen-Nehmen, aber auch viel mehr interne Kommunikation. Gespräche darüber, wohin sie mit dem Unternehmen will, und warum vielleicht der eine oder andere Arbeitsplatz künftig wegfallen wird und an anderer Stelle ein neuer entsteht. Sie will die Zukunft der Sonnenlichtmanager, denn so sollten sich alle Mitarbeiter fühlen, verständlich rüberbringen. Sie will nicht nur das Management überzeugen, auch die anderen Mitarbeiter. Das macht sie anders als ihr Vater, wie so vieles andere auch.

„Mein Vater ging immer voran, die anderen hinterher“, sagt sie. Sie dagegen versuche, erst einmal ihre Führungskollegen zu überzeugen, um dann mit mehr Kraft gemeinsam voranzuschreiten. Vor drei, vier Jahren sagten die Mitarbeiter im Führungskreis: Was hat sie jetzt schon wieder ausgedacht, erinnert sie sich. Heute seien sie offen für Veränderungen. „Das ist manchmal etwas anstrengender aufgrund meiner Ungeduld“, sagt sie mit leicht fränkischer Sprachfärbung: „Dann aber umso kraftvoller und erfolgreicher.“ Mit Nachdruck fügt sie hinzu: „Und es ist mein Weg.“

Um diesen Weg besser zu verstehen, muss man einige Jahre zurückschauen. 1955 gründen Karl-Friedrich Wagner und Hans-Wilhelm Renkhoff in einem Pferdestall in Marktheidenfeld – daher der Name Warema – ihr Unternehmen mit fünf Mitarbeitern. Selbst produzierte Leichtmetall-Jalousien laden sie auf ihre Fahrräder und verkaufen sie. Bereits im ersten Jahr setzen die Gründer 70.000 DM um, drei Jahre später erreichen sie bereits einen Umsatz von einer Million DM. Doch im Sommer 1958 verunglückt Mitgründer Wagner tödlich bei einer Dienstreise. Renkhoff zögert nicht, übernimmt die komplette Firmenleitung. Und das Unternehmen wächst stetig weiter, zieht schließlich ganz aus der Stadt heraus. Die Nachfrage steigt. Der Fachhandel honoriert es.

In den 1970er-Jahren beginnt Warema damit, immer mehr Bauteile, aber auch Spezialmaschinen und -werkzeuge selbst herzustellen. Und die Farbe 1008 im Warema-Sortiment wird zu einem der vielen Bestseller. Der orange-braun-gestreifte Markisenstoff wird ein Klassiker. „Jedes Jahr überlegen wir, ob wir den Stoff nicht doch mal ausmustern“, sagt Renkhoff-Mücke schmunzelnd, doch wenn die Leute es noch mögen, liefern wir natürlich.“ Sie ist nicht nur mit diesem Stoff aufgewachsen, mit der ganzen Firma ist sie schon zu dieser Zeit eng verbunden. Auf den Firmen-Weihnachtsfeiern trägt sie Gedichte vor. Ihre eigenen Kinder müssen zwar nicht mehr vortragen, aber bei den Weihnachtsfeiern präsent sein. „Da mussten sie sich dann eben mal neben der Mama langweilen“, sagt Renkhoff-Mücke, ganz Familienunternehmerin.

Angelique Renkhoff-Mücke studiert nach einer Banklehre BWL an den Fachhochschulen Schweinfurt-Würzburg und München. Und sie geht erst einmal fort – ganz bewusst. Gemeinsam mit ihrem damaligen Mann zieht sie nach Kulmbach, arbeitet in seinem großen Einzelhandelsunternehmen „Schuh & Sport Mücke“ in der Geschäftsführung und verantwortet Einkauf und Personal, ihre beiden Kinder werden 1991 und 1993 geboren. Sie ist erst einmal raus bei Warema. Zehn Jahre lang. Dann wird ihr Vater krank.

Chronik Angelique Renkhoff-Mücke

Chefsache Digitalisierung

Hans-Wilhelm Renkhoff kann mit einem Mal das prosperierende Unternehmen nicht mehr führen. Soll sie es tun? Anfangs ist es gar nicht das Ziel, dass sie führt. Es gibt Fremdgeschäftsführer. Nach einem halben Jahr bei Warema muss sie sich entscheiden: „Entweder bleibe ich, oder ich missbrauche das Vertrauen der Mitarbeiter. Wenn ich gehe, dann mit dem Bewusstsein, dass ich viele Mitarbeiter enttäusche.“ Angelique Renkhoff-Mücke ist nicht zögerlich, aber sie überlegt es sich gut. „Mein Herz hing immer am Unternehmen“, sagt sie heute. Herz und Pflicht, innere Emotionen und äußere Kontrolle gehören bei ihr zusammen, auch wenn es lange Autofahrten zwischen Familie und Firma mit sich bringt. Sie sagt zu, tritt in den Vorstand ein, den der Vater zur selben Zeit Richtung Aufsichtsrat verlässt.

Sie versteht die Kunst des Zuhörens, versucht, die Probleme und Herausforderungen der verschiedenen Bereiche wirklich zu durchdringen. Und mit einem Mal ist auch das Praktikum, das sie als Jugendliche bei Warema in der Produktion absolvierte und aus dem sie noch wusste, wie man Raff-Stores montiert, wieder nützlich.

Bei Warema wurden Blender zu Zeiten von Vater Renkhoff schnell und auch gnadenlos entlarvt, erinnert sich ein ehemaliger Mitarbeiter. Der Vater unterstützte aber auch Mitarbeiter, von denen er etwas hielt. Fachlich mussten immer alle wirklich auf der Höhe sein. Das gehört zur DNA der Firma, die Unternehmertochter weiß es. Sie spürt, dass die Mitarbeiter sie wollen. Der damalige Personalentwickler und spätere Geschäftsführer für den Bereich Personal, Thomas Klein, sagte ihr damals: „Sie sind unsere Hoffnungsträgerin.“ Und er fügt heute hinzu: „Es war keine Schmeichelei.“

Ihr gelang auch das Kunststück, den Vater als Aufsichtsrat und trotz seiner Krankheit einzubinden, aber gleichzeitig eigene Akzente zu setzen: So stieß sie erst die Internationalisierung an und professionalisierte die Qualitätssicherung und die Kundenorientierung. Lösungen für große Bauprojekte, wie den Posttower oder die PwC-Zentrale in Johannesburg wurden wichtiger. Vater Renkhoff habe das alles akzeptiert, „ohne eine Faust in der Tasche machen zu müssen“, wie ein Insider berichtet. Er habe erkannt, dass sein Unternehmen bei seiner Tochter in guten Händen sei.

Da der Vater und sie aber nicht zusammen in der Geschäftsführung saßen, seien sie auch nicht aneinandergeraten, sagt Renkhoff-Mücke rückblickend. „Wir sind beide kleine Alphatierchen, aber eben unterschiedlich.“ Ihr begegnen die Mitarbeiter mit Respekt, beim Vater haben sie, wie sie selbst zugibt, „strammgestanden“. Ihr Zuhören bringt ihr bereits zu Beginn ihres Unternehmerlebens eben jenen Respekt ein, den sie heute noch bekommt. Auch wenn sie heute viel mehr zur Außenministerin des Unternehmens geworden ist, nicht nur durch internationale Projekte, sondern auch durch zahlreiche Mandate und ehrenamtliche Verpflichtungen. Dennoch bleibt sie dabei: „Jeder Mitarbeiter bekommt bei mir einen Termin.“

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Angelique Renkhoff-Mücke engagiert sich für die Lebenshilfe und Hochschulen. Für sie gehört es einfach dazu, anderen zu helfen. Sie sitzt im Aufsichtsrat des Tüv Süd und von Erco und ist seit 2011 Verhandlungsführerin der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeber. Auch dort war sie – zumindest auf Arbeitgeberseite – erst mal allein. „Das waren schon seniorige Herren dort, ich war die erste Frau.“ In sieben Jahren bekam sie Anerkennung – auch von der Gegenseite. Selbst jetzt, in der aufgeheizten Situation mit den Warnstreiks im ganzen Land, urteilt Jürgen Wechsler, Bezirksleiter IG Metall Bayern: „Wenn wir Kompromisse schließen, kann ich mich bei ihr darauf verlassen, dass sie auch Bestand haben.“ Außerdem sei Angelique Renkhoff-Mücke immer bereit, „mit uns auch über für sie unangenehme Themen zu verhandeln“. Und Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen, ergänzt: „Wer sie kennt, schätzt ihre Detailkenntnis, ihre klare Haltung sowie ihr fröhliches und angenehmes Wesen.“

Sogar im Kanzleramt ist sie als Unternehmerin mit großem Engagement auch für Chancengerechtigkeit bekannt. Als die Kanzlerin die Schirmherrschaft des Netzwerks „Initiative Chefsache“ für ein ausgewogenes Verhältnis von Männern und Frauen in Führungspositionen übernimmt, gehört Renkhoff-Mücke als einzige Mittelständlerin zu den elf Gründungsmitgliedern, zu denen bekannte Größen wie Bosch, Siemens, Allianz und Lufthansa zählen. Sie ist gut vernetzt. Siemens-Personalvorständin Janina Kugel schätzt die „offene, zupackende und geradlinige“ Unternehmerin. „Es ist angenehm, mit ihr zusammenzuarbeiten.“

Die Unternehmerin hält Menschen und Unternehmen zusammen, hat eine Familienverfassung für die zurzeit elf Gesellschafter – zu denen auch ihre Kinder zählen – installiert. Gegen gute Beratung hat sie nichts, da ist sie ihrem Vater ähnlich. Ihre beiden Kinder sind gerade mit ihrem Masterstudium in BWL befasst. Sie sollen externe Führungserfahrung sammeln, wie die Mutter. Ob sie dann zu Warema wollen, entscheiden sie selbst, ob sie kommen, entscheidet der Aufsichtsrat. Angelique Renkhoff-Mücke wünscht es, ist aber „realistisch“. Klar ist: Wollen ihre Kinder ihr an die Unternehmensspitze folgen, müssen sie wohl auch über einen großen Schatten springen.

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