Bundestagswahl: Max Viessmann spendet an vier Parteien
Düsseldorf. Der Investor und Unternehmer Max Viessmann will vor der Bundestagswahl an mehrere Parteien spenden und damit nach eigenen Angaben ein Zeichen gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Exklusion setzen. Die „Viessmann Generations Group“, die er führt, spendet an vier Parteien – Union, SPD, Grüne und FDP. Das erfuhr das Handelsblatt vorab.
Viessmann wollte nicht sagen, wie viel genau er spendet. Doch inzwischen wurde es auf der Internetseite des Bundestages veröffentlicht: 255.000 Euro fließen an die CDU, je 100.000 an die CSU und an die FDP, und je 50.000 an Bündnis 90/Die Grünen und die SPD. Spenden, die eine Höhe von 35.000 Euro übersteigen, gelten als Großspenden, müssen dem Parlament unverzüglich gemeldet werden - und werden vom Bundestag veröffentlicht.
„Demokratie braucht Haltung. Als Familienunternehmen tragen wir Verantwortung, unsere freiheitliche Gesellschaft zu stärken“, sagt Viessmann. Die Mission des Unternehmens, Lebensräume für zukünftige Generationen zu gestalten, umfasse „auch den Einsatz für stabile demokratische Rahmenbedingungen“, sagte er weiter.
In einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung und der Stärkung populistischer Bewegungen sei es wichtiger denn je, klare Werte zu vertreten. Rechtsextreme und antidemokratische Strömungen bedrohten die Grundlagen einer offenen Gesellschaft und spalteten die Gemeinschaft. „Jetzt ist die Zeit, Flagge zu zeigen“, sagte Viessmann dem Handelsblatt. Er richte sich entschieden gegen Ideologien, die auf Ausgrenzung und Intoleranz basieren.
Viessmann hatte 2023 das Kerngeschäft des Familienunternehmens mit Heizungen und Wärmepumpen an den börsennotierten US-Konzern Carrier verkauft und dafür einen Anteil sowie rund zwölf Milliarden Euro erhalten. Seitdem hat Viessmann zehn Investments getätigt.
Rund 15 Millionen Euro Spenden
Parteispenden spielen hierzulande eine deutlich kleinere Rolle als zum Beispiel in den USA. Seit klar ist, dass es vorgezogene Neuwahlen gibt, erhielten die Parteien hierzulande rund 15 Millionen Euro aus privaten Taschen.
Im US-Wahlkampf flossen laut Statista bis Oktober 2024 rund eine Milliarde Dollar an die Demokraten und rund 380 Millionen an die Republikaner. Seitdem haben darüber hinaus viele US-Unternehmer für Trump gespendet, allen voran Elon Musk. Auch die Feiern zur Amtsübernahme in den USA wurden laut Medienberichten anteilig durch Unternehmensspenden finanziert.
Andreas Polk ist Experte für Parteispenden, lehrt und forscht zum Thema Lobbyismus an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin und engagiert sich bei Transparency International. „In Wahlkampfzeiten erhöht sich im Schnitt das Spendenaufkommen maßgeblich und hält meist noch etwas darüber hinaus an, um dann wieder abzufallen“, sagt Polk.
Natürliche Personen spendeten oft an eine Partei, um diese ideologisch zu unterstützen. Unternehmen spenden entweder an einzelne Parteien, wie CDU/CSU und FDP, oder streuten ihre Spenden breiter, weil sie sich davon Zugang zu den Parteien versprächen.
Nahezu alle Parteien bekämen auch Großspenden, sagt Polk. Manche Unternehmen oder Branchen, aktuell etwa die Krypto-Handelsplattform Bitpanda aus Österreich oder der Verband der Chemischen Industrie, spenden parteiübergreifend, wie Daten des Bundestags zeigen.
Nun spendet auch Viessmann. Neben dem Geld für die Parteien soll ein Teil der Summe auch in Projekte gegen die Verbreitung von polarisierenden Desinformationen gehen.
Erstpublikation: 28.01.2025, 06:26 Uhr.