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Tourismusbranche Alltours-Inhaber Willi Verhuven kehrt zurück an die Spitze des Reiseunternehmens

Nach zwei Jahren übernimmt der 68-jährige Alltours-Inhaber wieder die Geschicke des Reisekonzerns. Damit wird eine Nachfolgeregelung immer schwieriger.
08.10.2018 - 19:00 Uhr Kommentieren
Alltours-Gründer Verhuven kehrt an die Führungsspitze zurück. Quelle: dpa
Willi Verhuven

Alltours-Gründer Verhuven kehrt an die Führungsspitze zurück.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Weshalb es wirklich zum Krach mit seinem Kronprinzen kam, vernebelte Alltours-Gründer Willi Verhuven bislang dezent. Intern, in einem Brief an die rund 2800 Beschäftigten der Reisefirma, aber stellte er im September unverhohlen klar: Die Trennung von Markus Daldrup, 51, war ein Rauswurf. „Ich möchte Sie heute darüber informieren“, schrieb er dort, „dass ich mich entschlossen habe, die Geschäftsführung von Alltours neu zu ordnen.“

Hauptgrund für die Entmachtung, erzählt ein leitender Mitarbeiter, sei Daldrups Einkauf von Airline-Sitzplätzen bei der Chartergesellschaft Sundair gewesen. Verhuven nahm ihm den kurzfristigen Deal im Januar offenbar übel, schließlich gehört Sundair zur Hälfte dem Erzrivalen Schauinsland-Reisen aus Duisburg.

Mit dem Ortsnachbarn steht Verhuven über Kreuz: Der direkte Verfolger wirbt Alltours seit Jahren tüchtige Mitarbeiter ab. Sein Sprecher will den Vorgang nicht kommentieren.

Die Demontage Daldrups, der bereits 2004 bis 2007 in der Alltours-Geschäftsleitung saß, scheint damit nicht beendet. Bis Ende 2019 muss er weiter im Düsseldorfer Dreischeibenhaus, der Zentrale des fünftgrößten deutschen Touristikers, seinen Arbeitsvertrag erfüllen – verantwortlich nur noch für den Agenturvertrieb und als Befehlsempfänger Verhuvens.

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    Der hatte sich zwar Anfang September 2016 offiziell in den Beirat verabschiedet, übernimmt nun aber wieder die operative Führung.

    Ob dieser den Geschassten am heutigen Dienstag zu Wort kommen lässt, wenn Alltours über das laufende Geschäft berichtet, darf bezweifelt werden. „Die Entscheidung steht noch nicht fest“, sagte ein Unternehmenssprecher am Wochenende.

    Die Demission Daldrups wirft erneut einen Schlagschatten auf die verworrene Zukunftsplanung des fast 1,4 Milliarden Euro Umsatz schweren Reisekonzerns, der dem unverheirateten und kinderlosen Gründer zu 100 Prozent gehört.

    Verhuven hat seine Nachfolge noch nicht gesichert

    Denn kaum anders als Patriarchen wie Theo Müller (78, Müllermilch), Heinz Krogner (76, vormals Esprit) oder Gerhard Weber (77, Gerry Weber) verschliss der inzwischen 68-jährige Alltours-Inhaber reihenweise mögliche Nachfolger. Seit Jahren angekündigte Vorkehrungen, um den Reisekonzern für die Zeit nach Verhuven abzusichern, blieb der Gründer schuldig. Unter Mitarbeitern wächst die Sorge.

    Der nun an die Konzernspitze Zurückgekehrte läuft damit Gefahr, seinen Ruf als genialer Unternehmer zu verspielen. 1974 hatte der Maschinenkonstrukteur im niederrheinischen Kleve damit begonnen, urlaubswillige Familien mit Kindern zu Billigpreisen auf die griechische Insel Mykonos zu fliegen. Gerade mal 500 Reisen pro Jahr verkaufte er damals.

    14 Jahre später ging er ins Risiko – und weitete sein Fluggeschäft auf nahezu alle großen deutschen Airports aus. Der Kraftakt brachte den Durchbruch. 1999 durchstieß die Kundenzahl erstmals die Eine-Million-Grenze. Hinzu kam, dass Verhuven unter der Marke „Allsun“ eine eigene Hotelkette aufbaute, die mit 34 Ferienanlagen auf den Kanaren, Mallorca und Kreta heute den Löwenanteil der Erträge bringt.

    Und die können sich sehen lassen. 33,3 Millionen Euro Nettogewinn strich Alltours 2016 ein, was einer Kapitalrendite von 7,1 Prozent entsprach. Marktführer Tui, mit einem Umsatz von gut 18 Milliarden Euro fast 14-mal so groß, musste sich zuletzt mit 5,4 Prozent begnügen.

    Im Umgang mit Untergebenen jedoch zeigt sich der ansonsten leise und verbindlich auftretende Firmeninhaber unberechenbar. „Sie fangen sich gleich eine“, soll Verhuven widersprechenden Managern schon einmal gedroht haben, erzählen Mitarbeiter.

    Der schroffe Ton und das Hereinreden in kleinste Details trieb leitende Angestellte scharenweise aus dem Unternehmen. Dierk Berlinghoff, 60, den Verhuven als möglichen Nachfolger 2011 von DER Touristik geholt hatte, quittierte 14 Monate nach Antritt den Spitzenjob – zum Missfallen Verhuvens vor versammelter Führungsmannschaft.

    Auch Touristik-Schwergewicht Dieter Zümpel, 61 und vormals bei Tui, zerstritt sich mit dem Alltours-Inhaber. Wegen „unterschiedlicher Auffassung über die weitere Entwicklung“ verließ der Marketing- und Vertriebsgeschäftsführer den Konzern Ende 2016 in Richtung DER-Touristik, wo er seither den Zukauf Kuoni leitet. Marketingdirektor André Plöger, 45, nahm er gleich mit.

    Auch Finanzchef Dirk Schilling, 50, der 2013 zu Alltours stieß, hielt es nicht lange aus. Kaum zwei Jahre nach dem Antritt schmiss er den Job, angeblich „in beiderseitigem Einvernehmen“. Nachfolger wurde Stefan Arntz, vormals Finanzer beim Chemieproduzenten KLK Oleo Europe. Der 43-Jährige, der heute in der Lebensmittelbranche arbeitet, ging nach einem Jahr und zehn Monaten.

    Wie schwer es Verhuven offenbar fällt, Manager aus der eigenen Branche ins Unternehmen zu holen, belegt ebenso die Berufung von Mike Hennig, 51. Ihn hatte der Alltours-Inhaber im September 2016 als Nachfolger Zümpels für das Urlaubsmarketing eingestellt – und beim Feinkostproduzenten Homann abgeworben. 14 Monate später kündigte Hennig seinen Abgang im Dreischeiben-Hochhaus an. Heute ist er Chef bei Tee Gschwendner.

    Die zwei Seiten des Alleininhabers

    Viele der Abgänger hatte Verhuven zuvor mit Abmahnungen und Kündigungsdrohungen traktiert. Manche berichten, sie hätten sich zuletzt als „Laufburschen“ behandelt gefühlt.

    Von der Fluktuation betroffen ist auch die zweite Reihe. Prominentestes Beispiel: Goran Goić, der im April 2017 Stefan Suska als Pressechef folgte, hielt es gerade einmal elf Monate im Unternehmen.

    Andererseits loben viele in der Belegschaft die soziale Seite ihres Chefs. Nahezu jedes Jahr spendiert der Alleingesellschafter seinen Angestellten üppige Bonuszahlungen, von der – je nach persönlicher Leistung und Firmenzugehörigkeit – ein Pförtner in gleicher Höhe profitieren kann wie ein Abteilungsleiter.

    Die Gesamtsumme entspricht den Personalzahlungen für einen halben Monat. Zusätzlich gibt es jährlich 250 Euro für diejenigen, die im Unternehmen aufs Rauchen verzichten, quasi als Gesundheitsprämie.

    Auch Geschäftspartner lässt Verhuven nicht hängen. Als 2016 Tausende von Flüchtlingen das griechische Kos okkupierten und in der Folge der Touristenstrom versiegte, ließ sich der Hellas-Fan nicht lange bitten. Ohne Zögern beschloss der Alltours-Inhaber, den betroffenen Hoteliers auf der Insel finanziell zu helfen.

    Nur eines kann der Selfmade-Unternehmer offenbar nicht: loslassen. 2014 kündigte der Rheinländer an, das Betriebsvermögen in eine Stiftung zu überführen. Sie soll den Erhalt der Firma sichern und eine unliebsame Übernahme verhindern.

    Nur: Als Gesellschafter in Erscheinung getreten ist sie bislang nicht. „Alltours wird Probleme bekommen“, glaubt Marija Linnhoff vom Reisebüro-Verband VUSR, „wenn Verhuven nicht mehr da sein sollte.“ Selbst der Beirat, den Verhuven vor acht Jahren gründete und mit Vertrauten besetzte, hat offenbar ausgespielt. Dieser sollte gemeinschaftlich die Konzernführung beaufsichtigen und einen Nachfolger für den Gründer finden.

    Noch Ende 2013 war es denn auch besagter Beirat, der Markus Daldrup als Geschäftsführer ins Unternehmen rief. In der Meldung seines Rauswurfs vom 6. September 2018 ist von diesem Gremium keine Rede mehr.

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