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KommentarUrlaub buchen könnte online bald teurer sein als im Reisebüro

Gerichte beenden womöglich die Preisbindung von Tui, Alltours und Co. Die Urlauber sollten sich aber nicht zu früh freuen. Das zeigen drastische Zahlen aus dem Übernachtungssektor.Christoph Schlautmann 21.05.2025 - 04:11 Uhr
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Reisebüro mit Tui-Werbung: Dem stationären Vertrieb droht ein harter Rückschlag. Foto: dpa

Dass Deutschlands Verbraucher trotz des boomenden E-Commerce immer noch über ein Drittel ihrer Urlaube im Reisebüro buchen, liegt nicht nur an der netten Beratung in den Agenturen. Ein Grund ist auch der fehlende Preisvorteil im Internet. Dort kosten die Angebote der Veranstalter nämlich stets dasselbe wie am Beratungstresen um die Ecke. Der Grund: Tui, Alltours und Co. wickeln ihren Offline- wie Onlinevertrieb traditionell über Handelsvertretungen ab, die sie an ihre Preisvorgaben binden.

Damit könnte bald Schluss sein. Die Praxis verstoße gegen das Kartellrecht, so das Urteil des Düsseldorfer Landgerichts im Oktober 2024 nach einer Klage gegen die Kreuzfahrtreederei Aida. Diese hatte einem Reisevermittler wegen dessen Rabattversprechen den Vertrag gekündigt, was die Richter als rechtswidrig erachteten.

Als fatal für die Branche könnte sich das Ansinnen der Reederei erweisen, die Causa höchstrichterlich klären zu lassen. Wenn nämlich auch die nächsten Instanzen dem Düsseldorfer Richterspruch folgen, ist es mit der Preisbindung in der Reisebranche vorbei.

Deutsche Urlauber können sich danach auf zahlreiche Schnäppchen freuen, vor allem im Internet. Denn wenn die Preisbindung fällt, werden sich manche Anbieter umgehend mit Rabatten überbieten. Diese werden aus der Provision finanziert, die sie selbst von den Veranstaltern erhalten.

Verdrängungswettbewerb könnte ein teures Oligopol schaffen

Das können sich jedoch nur umsatzstarke und kapitalkräftige Akteure leisten. Bei der aktuellen Provisionshöhe von sieben bis zwölf Prozent im Reisevertrieb fällt es kleineren Agenturen schon heute schwer, wirtschaftlich zu überleben. Einen Preiskampf gegen Expedia oder Ab-in-den-Urlaub würden die meisten von ihnen verlieren.

Falls die Preisbindung höchstrichterlich ein Ende findet, wird die Freude über sinkende Urlaubspreise möglicherweise aber kaum länger als eine Saison halten. Ähnlich wie im deutschen Lebensmittel- und Drogeriehandel, in dem deutsche Gesetze Anfang 1974 die Preisbindung untersagten, dürfte sich dann auch im Reisevertrieb nur noch eine Handvoll großer Anbieter durchsetzen.

Einem Oligopol fällt es in der Regel leicht, die Preise wieder hochzuschrauben. Im Übernachtungssektor, in dem neben Booking, Expedia und HRS kaum noch ernst zu nehmende Wettbewerber existieren, haben Hoteliers dies bereits leidvoll erfahren. Mit 18 bis 25 Prozent verlangen die mächtigen Vermittlungsplattformen inzwischen doppelt so viel wie die zersplitterte Reisebürobranche im Urlaubsvertrieb.

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Die Kreuzfahrtreederei Aida sollte sich deshalb gut überlegen, ob sie den Instanzenweg tatsächlich weiterverfolgen will, um ihren bevorzugten Vertrieb über Reisebüros zu retten.

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