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Schwere Vorwürfe gegen Ratan TataSchlammschlacht um Mr. Sauber

Ratan Tata, langjähriger Chef des indischen Großkonzerns Tata, galt als Musterbeispiel des ehrbaren Kaufmanns. Nun bringt ein Machtkampf um das Firmenimperium dubiose Geschäfte ans Licht. Die Vorwürfe wiegen schwer.Mathias Peer 21.12.2016 - 11:50 Uhr Quelle: Handelsblatt ePaperArtikel anhören

Seit 2012 in Rente und nun mit ungeheuren Vorwürfen konftrontiert.

Foto: Reuters

Bangkok. Um seinen Ruf als Vorzeigeunternehmer musste sich Indiens bekanntester Manager eigentlich keine Sorgen mehr machen: In einem von Korruption geplagten Land galt der 78 Jahre alte Ratan Tata als Musterbeispiel des ehrbaren Kaufmanns. Die Liste der Auszeichnungen ist lang: Mehr als ein Dutzend Ehrendoktorwürden, die höchsten Orden Frankreichs und Italiens – sogar die britische Königin ehrte den Mann, der das Familienunternehmen Tata zu einem Weltkonzern mit mehr als 100 Milliarden Dollar Umsatz machte, für seine „Integrität, die den Goldstandard für Geschäftsleute“ darstelle.

Doch obwohl sich Tata vor vier Jahren in den Ruhestand verabschiedete, bekommt sein glänzendes Image nun hässliche Kratzer. Ein Machtkampf um das Firmenimperium, zu dem Jaguar Land Rover, die Teemarke Tetley sowie die Beratungsfirma Tata Consultancy Services gehören, bringt schwere Vorwürfe ans Licht. Es geht um den Verdacht der Vetternwirtschaft und des Betrugs. Ein Abgeordneter fordert nun ein Strafverfahren.

Hintergrund der Anschuldigungen ist eine Schlammschlacht, die seit zwei Monaten Indiens Unternehmenswelt erschüttert. Ende Oktober sorgte Tata, der nach mehr als 20 Jahren an der Konzernspitze seit 2012 in Rente war, für die überraschende Abberufung seines Nachfolgers Cyrus Mistry. Dieser behauptet, er sei gefeuert worden, weil er Missstände im Unternehmen beseitigen wollte. Von seinen Führungsposten bei diversen Tochterfirmen trat Mistry am Montag zurück. Um den Konzern wolle er nun auf einer „höheren Ebene“ kämpfen, sagte er und machte klar, dass er damit einen Rechtsstreit meint.

Mistry beschuldigt Ratan Tata

Mistry wirft Tata vor, nach dessen Abschied vom Chefposten unangemessenen Einfluss auf den Konzern genommen und Skandale ignoriert zu haben. Der jüngste Fall betrifft die Billigfluglinie Air Asia India, die Tata zusammen mit einem malaysischen Partner gründete.

Geschichte des Tata-Imperiums
Die Anfänge des Mischkonzerns reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück: Jamsetji Nusserwanji Tata gründete 1868 eine Handelsfirma. Der damals 29-Jährige war zuvor in der Bank seines Vaters tätig. Schnell expandierte er in anderen Branchen – so eröffnete Tata 1877 eine Textilfabrik, 1903 das heute legendäre Taj-Mahal-Hotel in Bombay. Der Gründer starb 1904 in Deutschland.
Dorab Tata, der ältere Sohn des Gründers, übernahm 1904 die Führung des Unternehmens. Er ließ die erste Eisen- und Stahlfabrik in Indien bauen. 1915 begann die hydroelektrische Stromerzeugung mit einem Kraftwerk bei Bombay. Bis zu seinem Tod 1932 drang die Unternehmensgruppe auch in neue Geschäftsfelder wie die Produktion von Seife und Waschmittel vor.
Einige Jahre führte Nowroji Saklatwala die Gruppe – der einzige in der langen Geschichte des Unternehmens, der nicht den Namen Tata trug. Im folgte 1983 JRD Tata, der 53 Jahre im Amt blieb. Er expandierte in zahlreiche neue Branchen wie Chemie, Auto, Tee, Unternehmensberatung und Industrie – allerdings größtenteils innerhalb Indiens. Außerdem baute er eine Fluglinie auf, die allerdings später verstaatlicht wurde. 1993 starb der umtriebige Unternehmer.
Ratan Tata machte den indischen Riesen zu einem internationalen Konzern – vor allem dank vieler Zukäufe. Die Gruppe kaufte die führende britische Teemarke Tetley, beteiligte sich am südkoreanischen Lkw-Bauer Daewoo Commercial Vehicle und übernahm diverse Stahlhersteller in aller Welt. 2008 gingen auch die britischen Traditionsmarken Jaguar und Land Rover an die Inder.
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Mistry, in dessen Amtszeit der Deal fiel, sagt nun, das Geschäft sei auf Ratan Tatas Druck gegen seinen Widerstand abgeschlossen worden. Der Wirtschaftsprüfer Deloitte hätte außerdem Zahlungen von mehr als drei Millionen Dollar bei der Airline identifiziert, die unter Betrugsverdacht stehen. Mistry beschuldigt Ratan Tata, der als Interimschef an die Konzernspitze zurückkehrte, den Skandal zu ignorieren und stattdessen weitere Gelder an die Airline freizugeben.

Zudem legt Mistry nahe, der Tata-Patriarch habe Verstöße gegen Insiderhandelsgesetze riskiert und Freunde begünstigt. Im Fokus steht die 100-Millionen-Dollar-Schuld eines Geschäftsmanns mit engen Verbindungen zu Tata, die Mistry nach eigenen Angaben erfolglos einzutreiben versuchte. Es gebe eine „lange Geschichte fragwürdiger Geschäfte“ mit der Person, schrieb Mistry. Kurz zuvor hatte auch der Abgeordnete Subramanian Swamy Zweifel an den Geschäften Ratan Tatas geschürt. Er forderte von Strafverfolgungsbehörden Ermittlungen wegen eines möglicherweise illegalen Vorgehens bei der Beschaffung von Mobilfunklizenzen.

Tata wies die Vorwürfe, die Mistry wiederholte, als „substanzlos und böswillig“ zurück. Seine Kritik will Mistry ohne Rücksicht auf Verluste weiter äußern. Kurzfristig werde Tata zwar Schaden nehmen, schrieb er. Langfristig sei es für das Unternehmen aber besser, den Schmerz jetzt hinzunehmen.

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