Dax aktuell: Schwache US-Vorgaben beenden die Mini-Gewinnserie im Dax
Frankfurt. Nach einer Mini-Gewinnserie von drei Tagen ist der deutsche Aktienmarkt zum Wochenabschluss unter Druck geraten. Neue Zinsbedenken drückten den Leitindex Dax am späten Freitag um 0,8 Prozent auf 15.234 Punkte. Am Vortag war der Dax über die Durchschnittslinie von 50 Tagen gesprungen, die kurz- und mittelfristig orientierten Investoren als Orientierungshilfe dient.
Diese Bewegung steht nun zwar wieder auf der Kippe. Doch unter „technischen Gesichtspunkten sind Hoffnungen auf eine dauerhafte Bodenbildung berechtigt“, schrieben am Morgen die Charttechniker der Landesbank Helaba. Entscheidend dafür sei zum Beispiel die 21-Tage-Linie, die nun bei 15.026 Punkten verläuft.
Aussagen von US-Notenbankpräsident Jerome Powell hatten am Donnerstag bereits die US-Börsen belastet. Der Dow Jones Industrial fiel am Donnerstag im späten Handel stärker ab und schloss mit einem Minus von 0,65 Prozent. Für den marktbreiten S&P 500 und den Tech-Index Nasdaq ging es um 0,8 Prozent nach unten. Am Freitag eröffnete die Wall Street im Plus.
Die Federal Reserve (Fed) ist demnach nicht völlig davon überzeugt, die Geldpolitik ausreichend gestrafft zu haben. Powell versicherte, man werde nicht zögern, die Zinsen noch mal anzuheben, wenn es sich als angemessen erweisen sollte. Diese Botschaft hat eigentlich keinen Neuigkeitswert, sie sorgte an den Börsen aber trotzdem für Verunsicherung. Auch die Börsen in Asien verzeichneten Verluste.
Wegen der jüngsten Arbeitsmarkt- und Inflationsentwicklung waren Investoren zuletzt verstärkt davon ausgegangen, dass der Zinsgipfel in den USA erreicht ist. Auch deshalb hatte der Dax am Donnerstag mit 15.364 Punkten den höchsten Stand seit Mitte Oktober erreicht.
US-Auktion für Langläufer verlief schlecht
Auffällig war auch die schwache Nachfrage nach 30-jährigen US-Staatsanleihen. Die USA erlebten am Donnerstag eine katastrophale Auktion von Bonds mit dreißigjähriger Laufzeit, berichten die Experten von CMC Markets.
Als wäre der in einer Woche erneut drohende Shutdown nicht schon genug, war die Nachfrage nach amerikanischen Langläufern gestern so mau wie zuletzt im Dezember 2021. Und das, obwohl die Renditen damals nur bei 1,8 und nicht bei 4,7 Prozent wie aktuell lagen.
Viele Investoren spekulieren offenbar auf eine Rendite in der Größenordnung von 5,1 Prozent wie Anfang November, heißt es in der Analyse. Außerdem habe es einen Hackerangriff auf eine chinesische Bank gegeben, die normalerweise an den Auktionen beteiligt sei. Der Cybercrime-Fall bei der ICBC könnte die Schwäche der Auktion verstärkt haben.
Grundlegender Aufwärtstrend ist intakt
Trotz der Entwicklung am Freitag sei der jüngste Aufwärtstrend intakt, urteilte Thomas Grüner, Gründer und Vice Chairman von Grüner Fisher Investments. „Frühe Bullenmarktphasen gehen mit einer sehr skeptischen Stimmung einher, weshalb typische Rücksetzer – wie zuletzt erlebt – die Stimmung sehr schnell angreifen.“
Der Experte verwies auf positive Prognosen der Analysten für das künftige Gewinnwachstum. Natürlich könnten sie mit ihren Prognosen wieder danebenliegen – wichtig sei allerdings, dass man sich nach wie vor in einem Umfeld befinde, „in dem positive Überraschungen mit hoher Wahrscheinlichkeit auftreten können“, fasst Grüner zusammen.
Der Reigen neuer Unternehmensbilanzen setzt sich am Freitag fort. Schwere Unwetter brockten dem Versicherer Allianz im dritten Quartal einen Gewinneinbruch ein, den Analysten allerdings noch deutlicher befürchtet hatten. Die Titel schlossen am Freitag im Minus.
Außerdem legten noch einige Unternehmen aus der zweiten Reihe ihre Geschäftszahlen vor, darunter der Industriekonzern Jungheinrich und United Internet.
Investorenerwartung: Skeptiker contra Visionäre
Die diesjährige Kursentwicklung von Dax und S&P 500 ist laut der DZ Bank auf komplett unterschiedliche Investorenerwartungen zurückzuführen. Dax-Anleger seien „Skeptiker“, sie hätten lediglich die besser als erwarteten Unternehmensgewinne mit Kurssteigerungen belohnt.
S&P-500-Anleger dagegen seien weiterhin „Visionäre“. Sie vertrauten auf die Innovationskraft des US-Tech-Sektors. Kurssteigerungen seien vorrangig bei einer Erhöhung der kurzfristigen Gewinne möglich, die in den letzten beiden Quartalen infolge der globalen Konjunkturverlangsamung schwankten.
Blick auf weitere Einzelwerte:
Bechtle: Die Baader Bank hat die Einstufung für Bechtle auf „Buy“ mit einem Kursziel von 60 Euro belassen. Der Umsatz des IT-Dienstleisters sei schwächer als erwartet ausgefallen, heißt es in einer Studie. Das Papier gab zum Wochenschluss um über fünf Prozent nach.
Cewe: Der Foto-Dienstleister berichtet von einem Umsatzplus in der Zeit vor dem besonders wichtigen Weihnachtsgeschäft. Das Papier verlor dennoch 0,3 Prozent.
Auto1: Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat das Kursziel für Auto1 von 9,00 auf 9,40 Euro angehoben und die Einstufung auf „Neutral“ belassen. Trotzdem verlor die Aktie 0,7 Prozent.
Varta: Der Batteriekonzern sieht sich nach einem ordentlichen dritten Quartal in der Spur zu seinen Jahreszielen. In den Monaten Juli bis September machte das Unternehmen vorläufigen Angaben vom Freitag zufolge gut 215 Millionen Euro Umsatz. Das war gut ein Zehntel mehr als ein Jahr zuvor. Die Varta-Aktien drehten in die Gewinnzone und legten zuletzt um fünf Prozent zu.