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KommentarWir sollten uns nicht zu früh an günstiges Öl gewöhnen

Die Ölpreise sind deutlich gefallen, weil das verschobene Opec-Treffen an den Preiskampf von 2020 erinnert. Doch die Ausgangssituation ist eine andere.Judith Henke 23.11.2023 - 13:12 Uhr
Der saudi-arabische Energieminister hat auf dem Qatar Economic Forum Shortseller vor möglichen Verlusten gewarnt. Foto: Bloomberg

Die Ölpreise sind seit Ende Oktober im freien Fall: Der Preis der Rohölsorte Brent sackte seit seinem Oktober-Hoch zeitweise um mehr als 16 Prozent ab. Der Preiscrash wurde am Mittwoch beschleunigt, weil das Ölkartell Opec sein für Sonntag geplantes Treffen verschob, bei dem es über Fördermengen entscheiden wollte. Doch wir sollten uns nicht zu früh an niedrigere Ölpreise gewöhnen. 

Die Unruhe im Ölkartell weckt Erinnerungen an den März 2020. Damals gelang es Saudi-Arabien nicht, Russland dazu zu bewegen, eine Kürzung der Ölproduktion mitzutragen, um den pandemiebedingten Preisverfall einzudämmen. Es kam zu einem Preiskampf: Das Königreich flutete den Markt mit Öl, der Preis stürzte ab.

Auch dieses Mal gibt es einen Interessenkonflikt: Saudi-Arabien kürzt seit Juli freiwillig seine Ölproduktion um eine Million Barrel pro Tag. Zugunsten eines höheren Ölpreises – von dem alle Öl produzierenden Länder profitieren – verzichtet das Königreich also auf wichtige Marktanteile und Einnahmen. 

Nun will der Wüstenstaat offenbar die Last nicht mehr allein tragen. Im Raum stehen weitere Kürzungen – oder zumindest, dass sich die anderen Opec-Mitglieder an die jeweiligen Förderquoten halten, die ihnen zugewiesen wurden. 

Doch dazu sind nicht alle Länder bereit – vor allem nicht die afrikanischen Opec-Staaten wie Angola und Nigeria, deren Quoten beim letzten Treffen reduziert wurden. Die Folge: Das Opec-Treffen wurde nun um ein paar Tage verschoben. 

Der Ölpreis sank daraufhin um fast fünf Prozent, erholte sich später nur leicht. Der Markt wertet die Verschiebung des Treffens also als bearishes Signal. Doch die Ausgangssituation ist eine andere als 2020. 

Saudi-Arabien hat sich selbst geschadet

Zum einen hat sich Saudi-Arabien mit der Lektion, die es Russland damals erteilt hat, auch selbst geschadet: Die Ölpreise fielen seinerzeit ins Bodenlose. Doch der Wüstenstaat ist auf einen hohen Ölpreis angewiesen, um seinen kostspieligen Staatshaushalt zu finanzieren. 

Und zum anderen ist Russland der weltweit drittgrößte Ölproduzent und somit ein weitaus mächtigerer Gegenspieler als Nigeria und Angola. Einen Bruch mit Russland als Opec-plus-Verbündetem kann Saudi-Arabien weniger gut verkraften als einen Konflikt mit zwei Staaten, deren Ölproduktion in der Summe nicht einmal 30 Prozent der russischen Förderung erreicht. 

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Es kann also durchaus sein, dass Saudi-Arabien sich durchsetzt und dass sich die Opec-plus-Mitglieder den Produktionskürzungen anschließen. Selbst wenn sich die Ölstaaten lediglich disziplinierter an ihre Förderquoten halten würden, würde das Produktionsniveau sinken. Das könnte wieder zu höheren Ölpreisen führen – und die jüngsten Verkäufe als Panikreaktionen entlarven.

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