Seefahrt: Weitere Container-Reeder meiden nach Huthi-Beschuss den Suezkanal
München, Hamburg. Auch die weltgrößte Container-Reederei MSC wird angesichts der Angriffe von Huthi-Rebellen auf Schiffe im Roten Meer den Suez-Kanal vorerst meiden. Man habe sich zu dem Schritt entschieden, weil die Huthis ihre Angriffe verstärkt hätten, teilte die in der Schweiz ansässige Mediterranean Shipping Compnany (MSC) am Samstag mit. Am Freitag hatte die Rebellen im Jemen nach eigenen Angaben in Reaktion auf den Gaza-Krieg die MSC „Palatium III“ mit einer Drohne in der Straße von Bab al-Mandab am südlichen Ende des Roten Meeres angegriffen. Es habe einen Brandschaden gegeben und das Schiff müsse repariert werden, so MSC. Verletzte habe es nicht gegeben.
Am Freitag hatte bereits die dänische Groß-Reederei A.P. Moller-Maersk alle ihre Containertransporte durch Bab al-Mandab gestoppt. Am Samstag schloss sich neben der MSC auch die französische Reederei CMA CGM dem Schritt an. „Die Situation verschlechtert sich weiter und die Sorge um die Sicherheit nimmt zu“, hieß es in einer Erklärung der Franzosen.
MSC kündigte an, einige Schiffe um das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas herum zu leiten. Dadurch verlängern sich die Fahrtzeiten dieser Schiffe um einige Tage. Die Entwicklung bedeutet für die Reeder auch höheren Versicherungsprämien gegen Kriegsrisiken. Das führt im Roten Meer zu Mehrkosten von mehreren zehntausend Dollar für eine siebentägige Passage.
Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder, forderte am Samstag im Bayerischen Rundfunk den Einsatz deutscher Marine-Schiffe in der Region. Die USA, Frankreich und Großbritannien hätten diese bereits dort. Dabei gehe es auch um den Schutz von Seeleuten. Eine solche Eskalation der Gewalt wie zuletzt habe man in der Handelsschifffahrt noch nie gesehen. Es müsse auch diplomatische Bemühungen im Hintergrund geben, damit die Region wieder problemlos durchfahren werden könne. Derzeit lägen viele Schiffe in „Warteposition“, um zu sehen, wie sich die Lage entwickele.
Die Rebellen, die einen Großteil des Jemen beherrschen, hatten angekündigt, ihre Angriffe fortzusetzen, bis Israel seine Offensive im Gazastreifen einstellt. Sie hatten in den vergangenen Wochen auch Drohnen und Raketen in Richtung Israel abgefeuert. Am Samstag wurde der Badeort Eilat am Roten Meer getroffen. Das US-Zentralkommando teilte mit, der Zerstörer „Carney“ habe 14 von den Huthis im Roten Meer gestartete Drohnen abgeschossen. Schäden an Schiffen habe es nicht gegeben.
Gefahr für Handelsschiffe und Seeleute
Die FDP-Verteidigungsexpertin Strack-Zimmermann hält die Forderung der Reeder für richtig. „Wir sollten unterstützen, dass die Marine zusammen mit internationalen Partnern die Schiffe schützt“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Es sei „folgerichtig, dass sich alle daran beteiligen, die davon abhängig sind, dass ihre Waren durch das Rote Meer geführt werden“, sagte sie weiter. Dabei gehe es auch um Schiffe europäischer Unternehmen. Sie forderte: „Wir müssen den Terroristen jeder Couleur entschieden die Stirn bieten.“
Aus den USA ist vor einigen Tagen eine Anfrage an die Deutsche Marine gestellt worden, wie das Bundesverteidigungsministerium mitgeteilt hatte. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sagte dazu am Freitag: „Wir prüfen gerade die Anfrage und die Optionen, die es dazu gibt. Wir sind aber noch nicht am Ende der Prüfung.“
Reederverbands-Geschäftsführer Kröger verwies auf die Erfahrungen beim Schutz von Frachtschiffen gegen Piraten am Horn von Afrika. „Eines der wirkungsvollsten Mittel waren Konvoi-Fahrten, wo Marineschiffe Handelsschiffe begleiten.“ Diese hätten die nötigen Waffen an Bord, um auch Drohnen- und Raketenangriffe abzuwehren. Die Bundeswehr hatte sich von 2008 bis 2022 an der EU-Mission „Atalanta“ zur Bekämpfung der Piraterie vor der Küste Somalias beteiligt. Auf den Seewegen vor Somalia hatten Piraten immer wieder bewaffnete Überfälle auf Handelsschiffe und Lebensmitteltransporte des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen verübt.
Britisches Kriegsschiff schießt Drohne über Rotem Meer ab
Unterdessen hat ein britisches Kriegsschiff nach Angaben von Verteidigungsminister Grant Shapps im Roten Meer eine mutmaßliche Angriffsdrohne abgeschossen. Das Fluggerät habe die Handelsschifffahrt im Visier gehabt, schrieb Shapps am Samstag im Kurznachrichtendienst X (früher Twitter).
Der Zerstörer „HMS Diamond“ habe eine Rakete vom Typ Sea Viper abgefeuert und das Ziel zerstört. Weitere Angaben etwa zur Herkunft der Drohne machte Shapps zunächst nicht. Die britische Marine hat in der Region außer der „HMS Diamond“ noch die Fregatte „HMS Lancaster“ sowie drei Minenjäger und ein Hilfsschiff im Einsatz zum Schutz der zivilen Schifffahrt.
US-Militär schießt über Rotem Meer 14 Drohnen ab
Ein Zerstörer der US-Marine hat im Roten Meer mehrere Drohnen angegriffen, die nach amerikanischen Angaben aus einem von Huthi-Rebellen kontrollierten Gebiet im Jemen gestartet worden sein sollen.
Das zuständige Regionalkommando des US-Militärs teilte am Samstag auf X (ehemals Twitter) mit, am Morgen 14 Drohnen über dem Roten Meer abgeschossen zu haben. Es habe keine Verletzten oder Schäden gegeben.
Vor wenigen Tagen hatte ein Zerstörer der US-Marine im Roten Meer auf einen Notruf eines Tankers reagiert, der nach amerikanischen Angaben von den jemenitischen Huthi-Rebellen angegriffen worden sein soll. Nach Angaben des zuständigen Regionalkommando des US-Militärs sollen Kräfte der Huthis versucht haben, an Bord des Tankers zu gelangen. Der Versuch sei aber gescheitert. Daraufhin seien zwei Raketen aus Gebieten im Jemen, die von Huthis kontrolliert werden, auf das Schiff abgefeuert worden. Beide hätten ihr Ziel verfehlt. Zudem sei eine aus diesem Gebiet gestartete Drohne abgeschossen worden.