Kommentar: Das Bargeld muss bleiben

Kaum ein Finanzthema polarisiert die Deutschen so wie die Versorgung mit Bargeld. Sind Scheine und Münzen antiquiert, ineffizient und Hilfsmittel für Kriminelle? Oder sind sie krisensicher, angenehm anonym und ein Sicherheitswall gegen staatliche Überwachung und die Datensammelwut der Unternehmen?
Bargeld ist von all dem ein bisschen. Aber das wichtigste Argument auf dieser Liste ist die Krisensicherheit, und allein aus diesem Grund wäre es schlimm, wenn Scheine und Münzen völlig aus unserem Alltag verschwinden würden.
Eine Abschaffung steht nicht zur Debatte, und all die Verschwörungstheorien, die sich rund um dieses Thema ranken, kann man getrost vergessen. Aber das heißt noch lange nicht, dass das Bargeld auf lange Sicht überleben wird.
Die Bundesbank hat gerade drei Szenarien für das Bezahlen im Jahr 2037 vorgestellt, und in zweien davon wären der Zugang zu Bargeld und dessen Akzeptanz nicht voll gewährleistet – und das, obwohl in einer Umfrage 93 Prozent der Teilnehmer angaben, dass sie auch in Zukunft selbst entscheiden möchten, ob sie bar oder elektronisch bezahlen.
Ein schleichender Abschied vom Bargeld wäre eine gefährliche Entwicklung, denn damit verschwände das einzige Zahlungsmittel, das ohne elektrische Energie, ohne Internet und ohne Smartphone funktioniert.
Stromausfälle, technische Großpannen, Cyberattacken, die Gefahren, die den elektronischen Zahlungsverkehr bedrohen, sind real und in den vergangenen Jahren eher größer als kleiner geworden. Bargeld ist also zumindest ein Stück weit auch Prävention gegen Krisen aller Art – und die war lange nicht so wertvoll wie heute.