Rechtsextremismus: Wagenknecht hatte Kontakt zu Initiator von Rechtsextremisten-Treffen
Berlin. Die frühere Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht hat in der Vergangenheit im Austausch mit einem der Initiatoren des Potsdamer Rechtsextremisten-Treffens gestanden: mit Gernot Mörig, einem ehemaligen Zahnarzt aus Düsseldorf. Das räumte die Gründerin der Partei Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz ein.
Demnach kontaktierte Mörig sie mehrfach per E-Mail und vermittelte ihr ein Abendessen mit dem Kabarettisten Volker Pispers. Auch Mörig habe an dem Abendessen vor rund zehn Jahren teilgenommen, sagte Wagenknecht. Sie habe nicht gewusst, dass Mörig ein Rechtsradikaler sei, betonte die Bundestagsabgeordnete. Sie habe über Jahre „nette Mails“ von ihm erhalten, sagte Wagenknecht.
Mörig gehört zu den Initiatoren einer Zusammenkunft zwischen AfD-Politikern, Neonazis und privaten Unterstützern im November 2023 in einer Potsdamer Villa, über die das Medienhaus Correctiv berichtet hatte.
Der frühere Kopf der Identitären Bewegung in Österreich, Martin Sellner, sprach dort nach eigenen Angaben über „Remigration“. Wenn Rechtsextremisten den Begriff verwenden, meinen sie in der Regel, dass eine große Zahl von Menschen ausländischer Herkunft das Land verlassen soll – auch unter Zwang.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) erklärte dazu: „Was wir hier sehen, ist nicht geschichtsvergessen, sondern verfolgt bewusst NS-Ideologie.“ Wer dafür sorgen wolle, dass Menschen wegen ihrer Herkunft oder politischen Einstellung Deutschland verlassen, verstoße gegen die Verfassung, betonte Faeser. Dass AfD-Vertreter an dem Treffen teilgenommen hätten, zeige, wie sehr diese Partei mit so einer Denkweise verbunden sei.
Neue Details über Potsdamer Radikalen-Treffen
Zu möglichen Motiven Mörigs für den Kontakt zu ihr sagte Wagenknecht, ihm sei es wohl darum gegangen, Kontakte in Kreise zu bekommen, die sonst nichts mit Rechtsradikalen zu tun hätten. „Dadurch hatte er einen sehr guten Leumund bei mir.“ Das Beispiel zeige, wie „umtriebig“ Rechtsextremisten seien bei ihren Versuchen, „möglichst viele Kontakte nach allen Seiten zu knüpfen“.
Laut Wagenknecht hat Mörig sich auch nach dem ersten Treffen „immer mal wieder“ bei ihr gemeldet. In Mails habe er sie etwa für Talkshow-Auftritte oder Bundestagsreden gelobt. Sie habe sich dann bedankt, „und das war’s“, erzählte die Ex-Linkenpolitikerin. Der letzte Kontakt sei „auf jeden Fall schon Monate, vielleicht Jahre her“.
Unterdessen veröffentliche Correctiv weitere Details zu dem Rechtsextremisten-Treffen in Potsdam. Es geht um einen unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung vorbestraften Mitarbeiter des AfD-Bundestagsabgeordneten Jan Wenzel Schmidt, der sich in Potsdam mit gewalttätigen Aktionen gegen linke Aktivisten gebrüstet haben soll.
Der von Correctiv benannte Mann bestätigte der Nachrichtenagentur Deutsche Presse Agentur, dass er bei dem Potsdamer Treffen anwesend gewesen sei. Er habe aber „an besagtem Tag in meiner Tätigkeit als freier Journalist gesprochen und lediglich am Rande erwähnt, Mitarbeiter eines Bundestagsabgeordneten zu sein“. Einzelne der neuen Vorwürfe bestritt er.
Erstpublikation: 18.01.2024, 09:07 Uhr.