Bilanzcheck: Infineon geht mit neuen Werken eine riskante Wette ein
München. Der erste Blick auf Infineon ist vielversprechend: Der Dax-Konzern hat im vergangenen Geschäftsjahr besser abgeschnitten als die meisten anderen Halbleiterhersteller. In seinem ersten vollen Jahr als Infineon-CEO kann sich Jochen Hanebeck daher am Freitag auf der Hauptversammlung optimistisch präsentieren.
Dennoch ist der Ingenieur gefordert. Hanebeck geht eine gewaltige Wette auf ein stark wachsendes Geschäft ein. Noch nie in ihrer 25-jährigen Geschichte hat die ehemalige Siemens-Sparte zwei große Werke gleichzeitig gebaut. So entstehen derzeit für zehn Milliarden Euro Fabriken in Dresden und Malaysia.
Infineon kann das Finanzielle stemmen, wie der Handelsblatt-Bilanzcheck zeigt. Doch der Expansionskurs ist vor allem wegen China riskant. In der Volksrepublik erwirtschaftet Infineon jeden vierten Euro. Die Wirtschaft des Landes aber schwächelt, gleichzeitig verschärfen die USA die Exportbeschränkungen für westliche Hersteller.
Das hat potenziell dramatische Folgen für Infineon. „China investiert massiv in die eigene Halbleiterindustrie. Momentan kann Infineon noch sehr gut mithalten. Aber langfristig wird der Wettbewerbsdruck stark zunehmen“, erwartet Markus Golinski, Portfoliomanager bei Union Investment.